Ralf Stiftel

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Zuletzt verfasste Artikel:

Lola Fuchs schrieb und inszeniert die Trashkomödie „Die Not steht ihr gut“ in Dortmund

Lola Fuchs schrieb und inszeniert die Trashkomödie „Die Not steht ihr gut“ in Dortmund

Dortmund – Schöne Bossinnen hat sich Lola Fuchs ausgedacht. Nika Miskovic hat als Dana unverwüstlich gute Laune, ist aber unfähig, sich länger als einen Youtube-Werbespot lang zu konzentrieren. Sie trifft perfekt den Ton einer Mode-Influencerin, die vielleicht nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, aber jeden Nagellack am Geruch erkennt. Linda Elsner als Sharon wirkt neben ihr beinahe seriös trotz knallroter Handschuhe. Sie meistert eine Mischung aus Business- und Motivations-Coach-Jargon. Diesem aufgekratzten Duo sieht man die Hochstapelei schneller an, als sie „Bluff“ sagen können. Dass sie von der Bundeskanzlerin das Bundesverdienstkreuz erhalten haben sollen, glaubt man keine Sekunde.
Lola Fuchs schrieb und inszeniert die Trashkomödie „Die Not steht ihr gut“ in Dortmund
„Phoenix des Lumières“ in Dortmund bietet immersive Blicke auf Klimt und Hundertwasser

„Phoenix des Lumières“ in Dortmund bietet immersive Blicke auf Klimt und Hundertwasser

Dortmund – Die Farben berauschen. Gold zerstäubt in kleine Punkte und setzt sich neu zusammen. Florale Dreiecke, rote, blaue, grüne Tupfen flirren durch den Raum. Aus kleinen Ranken entfaltet sich der „Lebensbaum“, den Gustav Klimt um 1905 für ein Wandfries in Brüssel entwarf. Überall strömen Bilder um den Besucher, die bekannten Motive wie Judith (1901), das Porträt von Adele Bloch-Bauer (1907), der Kuss (1908/09), aber auch weniger berühmte. Die Motive des berühmten Wiener Jugendstil-Meisters umgeben die Menschen in der ehemaligen Gasgebläsehalle des Hochofens Phoenix West in Dortmund. Für das Projekt „Phoenix des Lumières“ wurde das Industriemonument zum Schauraum für digitale Projektionen.
„Phoenix des Lumières“ in Dortmund bietet immersive Blicke auf Klimt und Hundertwasser
Hendrik Otremba erkundet im Roman „Benito“ Fragen von Ästhetik und Widerstand

Hendrik Otremba erkundet im Roman „Benito“ Fragen von Ästhetik und Widerstand

Der Auftritt im Bonner Hotel Paradies fällt auf. Mitten in den Empfang des Deutschen Wirtschaftskomitees platzt ein Maskierter mit einer Automatikwaffe, der ununterbrochen in die Menge feuert. Seltsamerweise wird aber niemand verletzt. Die Waffe ist eine Attrappe. Nur der Täter stirbt, nachdem er sich mit Gel eingeschmiert und entzündet hat. Dann erschießt ihn die Antiterrorgruppe der Polizei.
Hendrik Otremba erkundet im Roman „Benito“ Fragen von Ästhetik und Widerstand
Der Naumburger Altar mit Michael Triegels neuer Mitteltafel ist in Paderborn ausgestellt

Der Naumburger Altar mit Michael Triegels neuer Mitteltafel ist in Paderborn ausgestellt

Paderborn – Auf diesem Gemälde suchen die Dargestellten den Blickkontakt mit den Betrachtern. Allen voran mit wachen, aufmerksamen Augen das Christuskind, das von seiner Mutter Maria hochgehalten wird, präsentiert nicht für die Menschen hinter ihr, sondern für jemanden außerhalb des Bilds. In dieser „Sacra conversatione“ ist eine Gemeinschaft gemeint, die über das Abgebildete hinausreicht.
Der Naumburger Altar mit Michael Triegels neuer Mitteltafel ist in Paderborn ausgestellt
Werke von Beate Höing und Franziska Reinbothe in der Städtischen Galerie Paderborn

Werke von Beate Höing und Franziska Reinbothe in der Städtischen Galerie Paderborn

Paderborn – Dieser Teppich schillert in verführerischem Glanz, der selbst Seide überstrahlt. Seine Fransen schmiegen sich nicht an den Boden, sondern stehen stachlig im Raum. Beate Höing hat sich nicht an den Webstuhl gesetzt, sondern ihre Bodenarbeit „playing by heart“ aus feinen Keramikblüten und tausenden von Scherben ausgelegt. Aus Zerstörung schuf sie eine neue Pracht, eine strenge geometrische Komposition, die zugleich voller übermütiger Farben und Verzierungen steckt.
Werke von Beate Höing und Franziska Reinbothe in der Städtischen Galerie Paderborn
Die Ausstellung „Ernsthaft?“ in der Bundeskunsthalle zeigt alberne Kunst

Die Ausstellung „Ernsthaft?“ in der Bundeskunsthalle zeigt alberne Kunst

Bonn – Natürlich ist das komplett geschmacklos, wie René Magritte da eine Pfeife in einen erigierten Penis auslaufen lässt. In der Buntstiftzeichnung, entstanden in seiner „Période vache“ in den 1940er Jahren, veralbert der belgische Surrealist eins seiner berühmtesten Werke von 1929. Es bestand aus einer gemalten Pfeife und dem Schriftzug darunter: „Ceci n‘est pas une pipe“, dies ist keine Pfeife. Man könnte nun darüber sinnieren, dass Magritte in der Zeichnung eine beliebte freudianische Interpretation ausformuliert: Die Pfeife als Phallussymbol. Aber trifft solche Interpretation ihren Gegenstand? Oder geht es hier einfach nur um einen sinnfreien Bildwitz?
Die Ausstellung „Ernsthaft?“ in der Bundeskunsthalle zeigt alberne Kunst
Die Persiflage „Sherlock Holmes jagt Dr. Watson“ am Schauspielhaus Bochum

Die Persiflage „Sherlock Holmes jagt Dr. Watson“ am Schauspielhaus Bochum

Bochum – Wenn Sherlock Holmes sich in seinen Gedankenpalast zurückzieht, jenes legendäre nur im Kopf des genialen Ermittlers existierende Bauwerk, das ihm hilft, ein enzyklopädisches Wissen jederzeit abrufen zu können, dann steht im Schauspielhaus Bochum einfach nur der Schauspieler Oliver Möller vor dem Vorhang und schweigt. Man sieht dem Detektiv beim Denken zu. Eine der wenigen leisen Pointen hilft, einen Umbau zu realisieren.
Die Persiflage „Sherlock Holmes jagt Dr. Watson“ am Schauspielhaus Bochum
Pia Richter inszeniert „Woyzeck“ in Oberhausen gegen die Romantisierung der Gewalt gegen Frauen

Pia Richter inszeniert „Woyzeck“ in Oberhausen gegen die Romantisierung der Gewalt gegen Frauen

Oberhausen – Ausweglos hängen Woyzeck und Marie in diesem Erdloch. Eine Grube mit steilen Wänden, an denen sie oft emporhechten. Aber nur ihm gelingt es für kurze Zeit, den schmalen Rand zu erklimmen. Dann kommt er zum Doktor, der seine Ernährungsexperimente mit ihm treibt. Oder zum Hauptmann, der ihm vertraulich an die Wäsche geht, in seinen Hosentaschen fingert. Oder er trifft seinen Kumpel Andres, der am liebsten dauernd mit ihm feiern würde und der immer einen Schluck aus seinem Flachmann anbietet.
Pia Richter inszeniert „Woyzeck“ in Oberhausen gegen die Romantisierung der Gewalt gegen Frauen
Eine Pionierin der Abstraktion: Helen Frankenthaler im Museum Folkwang

Eine Pionierin der Abstraktion: Helen Frankenthaler im Museum Folkwang

Essen – In „Viewpoint I“ feiert die Farbe. Da leuchten Mischtöne, denen man das eigentlich nicht zugetraut hätte, wie Lila, Violett, Braun, sogar Grau. Ja, da sind diese Blitzer: die Striche in Weiß, der schmale grelle Streifen darüber. Aber was wirklich fasziniert in diesem mehr als zwei Meter breiten Gemälde, geschieht daneben, um diese Akzente herum. Mit höchster Finesse brachte Helen Frankenthaler hier Farbe zum Schillern, entfaltete durch das Auftragen immer neuer Schichten ganze Regenbögen auf engstem Raum, eine Fülle von Nuancen, so dass man gar nicht genau sagen kann, welche Lokalfarbe hier vorherrscht. Man kann in diesem 1974 entstandenen Bild eine abendliche Landschaft ausmachen, vielleicht den Blick auf die nächtliche See. Dazu passt der Titel ja, „Aussichtspunkt“. Aber was der Blick hier erkundet, ist reine, abstrakte Malkunst.
Eine Pionierin der Abstraktion: Helen Frankenthaler im Museum Folkwang