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Gut geölter Motor
29.12.2007 · Von Holger Drechsel
Es hat immer eine gewisse Tragik, wenn ein Paar nach Jahrzehnten trauter Gemeinsamkeit im Alter plötzlich auseinander geht. Statt in Würde gemeinsam zu altern, entscheidet sich einer der Partner plötzlich dafür, hip und jung und frisch zu sein – und stößt das alte, graue Anhängsel schnöde ab.
Gut, im Fall der Beziehung ZDF mit Dieter Thomas Heck stimmt das nicht ganz. Denn zwar gehen das Zweite Deutsche Fernsehen und der Untehaltungsdino nun getrennte Wege, weil der Sender sich ein Lifting verschrieben hat und alte Zöpfe zum frischen Gesicht nicht mehr so recht passen. Aber erstens ist der Dieter, der Thomas, der Heck zwar grau geworden – alt aber ist er noch lange nicht. Erst jüngst betonte er wieder in einem Interview, "wie 70 siehst du nicht aus, Junge". Genau. Zweitens aber, und das ist Heck sicher noch wichtiger, schiebt ihn sein Zett-Deee-Efff nicht einfach schnöde in die Rente, nein. Es widmet ihm heute Abend, genau zu seinem 70. Geburtstag, eine Abschiedsgala. Noch einmal wird Deutschland seinem Unterhaltungs-Urgestein huldigen. Und wir können uns einmal mehr fragen: Wie konnte es so weit kommen? Was macht das Phänomen Heck eigentlich aus?
Eine schwierige Frage. Fest steht, dass Heck eine einzigartige Erscheinung im deutschen Fernsehen ist – ein überaus wichtiges Pfund zum Wuchern auf dem Markt der Austauschbaren. Heck war nie so unverschämt charmant wie ein Kuli Kulenkampff, nie so niedlich-liebenswürdig wie ein Hänschen Rosenthal, nie so weltgewandt wie ein Blacky Fuchsberger und auch nie so fast schon unerträglich nett wie ein Frank Elstner.
Nein, Heck ist kein Liebling, kein lockerer Bühnenhüpfer, kein Charmebolzen. Heck ist ein Unterhaltungsarbeiter. Der 1937 in Flensburg als Carl-Dieter Heckscher geborene Sohn eines Limoverkäufers musste sich alles hart erarbeiten. Dem Schnellsprecher der Nation, der in seiner Paraderolle als ZDF-Hitpräsentator sein Publikum mit Sprachkanonaden mürbe schoss, fiel sogar das Sprechen nicht in den Schoß. Als Folge eines Bombenangriffs war aus dem kleinen Heck ein Stotterer geworden – erst Gesangsunterricht kurierte ihn, Jahre später.
Singen war dann auch das erste, womit Heck – nach einiger Zeit als Autoverkäufer – erstmals öffentlich in Erscheinung trat. Zu einem Hit reichte es nie, nicht einmal das geradezu visionär anmutende "Hippe Di Hop, mein Mädchen" verkaufte sich ordentlich.
Der Durchbruch kam für ihn erst beim Radio, als er, mittlerweile zum Thomas mutiert (die Leser der "Bravo" fanden den Namen in einer von Heck gestarteten Umfrage am tollsten), in die Moderator-Rolle schlüpfte und schließlich 1969 beim ZDF mit der "Hitparade" die perfekte Bühne für sich fand.
Fortan schnurrte der gelernte Autoverkäufer wie ein gut geölter Motor über die Fernsehbühnen der Republik. Höchst professionell, ohne Frage, aber eben immer auch ein wenig unnatürlich, steif, aufgesetzt wirkend. Heck war kein begnadeter Unterhalter, er spielte den Part – spielte gewissenhaft und bienenfleißig: 184 mal "Hitparade", dazu "Pyramide", "Ihr Einsatz bitte", "Melodien für Millionen" und und und.
Nun ist Schluss. Aber nicht endgültig, natürlich nicht. Seine Fangemeinde darf weiter hoffen. Heck hat längst versprochen, noch einige Schauspielrollen annehmen zu wollen. Und auf dem "Traumschiff" wird sich sicher etwas Passendes finden lassen.
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