Rechtsstreit in USA um manipulierte Werte

VW-Abgasskandal: Milliarden-Vergleich und weiter viele offene Fragen

+
Den größten Brandherd für VW dürften aber die strafrechtlichen Ermittlungen der US-Justiz darstellen.

San Francisco - Der Vergleich im Abgas-Skandal scheint nur noch Formsache zu sein. Doch die Affäre wird den VW-Konzern in den USA weiter verfolgen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Auch wenn der zuständige Richter Charles Breyer nach seiner Anhörung die finale Zustimmung zum Kompromiss mit US-Klägern geben dürfte, wäre der Fall nicht ausgestanden. Wo lauern weitere Fallstricke und was sind die größten Risiken?

Um was geht es bei der Gerichtsanhörung?

Richter Breyer will bekanntgeben, ob er dem zwischen VW und US-Zivilklägern ausgehandelten Kompromiss zur Beilegung des Rechtsstreits endgültig zustimmt. Davor will er sich noch einmal umfassend von den Streitparteien informieren lassen. Die Agenda der Anhörung lässt vermuten, dass dies einige Stunden dauern könnte. Die Entscheidung dürfte entweder direkt im Anschluss oder in den nächsten Tagen fallen. VW hatte sich mit geschädigten Kunden sowie US-Behörden auf eine Vergleichszahlung von bis zu 14,7 Milliarden Dollar (13,4 Mrd Euro) verständigt. Später erhöhte sich die Summe durch Einigungen mit Staatsanwälten und Autohändlern auf 16,5 Milliarden Dollar.

VW-Abgasskandal: Teuerster Vergleich in der Automobil-Geschichte 

Dass Breyer den bislang teuersten Vergleich in der Automobil-Geschichte genehmigen wird, gilt als sehr wahrscheinlich. Der Richter hatte das Entschädigungsangebot des Konzern bereits vor Monaten als fair und angemessen eingestuft. Bei der finalen Entscheidung geht es vor allem darum, ob die Offerte auch bei den Hunderttausenden betroffenen Dieselbesitzern Anklang findet. Hohe Annahmequoten haben aber bereits gezeigt, dass das wohl der Fall ist.

Warum ist der Abgas-Skandal in den USA damit nicht bewältigt?

Bei der bislang erzielten Einigung geht es um rund 475 000 VW-Dieselwagen mit kleineren 2,0-Liter-Motoren. Bei etwa 85 000 Dickschiffen des Konzerns, die mit 3,0-Liter-Antrieb der Tochter Audi unterwegs sind, ringt man weiterhin mit den US-Behörden um eine Lösung. Bis zur nächsten Anhörung am 3. November will Breyer konkrete Vorschläge sehen, wie diese laut US-Regulierern ebenfalls mit illegaler Software zur Abgaskontrolle ausgerüsteten Autos in einen gesetzeskonformen Zustand versetzt werden können.

Daran doktern die Ingenieure des Konzerns jedoch schon seit Monaten - bislang vergeblich. Sollte eine technische Umrüstung nicht möglich sein, könnte VW gezwungen sein, Kunden wie bereits bei den 2,0-Liter-Modellen Rückkäufe anzubieten. Da es sich bei den größeren Wagen mitunter um teure Luxusmodelle der Oberklassetöchter Audi und Porsche handelt, dürfte das noch einmal richtig ins Geld gehen. Zudem könnte der Fall auch zu neuen Spannungen führen, da Motorenentwickler Audi die Täuschungsvorwürfe der US-Behörden bislang zurückweist.

Angasskandal: Weitere Klagen gegen VW werden in den USA vorbereitet

Was gibt es noch für rechtliche Baustellen in den USA?

Kurz nachdem VW die erste grundsätzliche Einigung im Massen-Rechtsstreit erzielt hatte, legte eine Reihe von Bundesstaaten bereits mit neuen Klagen nach. Vermont, Maryland, Massachusetts, New York, Washington und Pennsylvania wollen den Konzern wegen Verstößen gegen Umweltgesetze zur Rechenschaft ziehen. VW strebt auch hier einen Vergleich an, spätestens am 1. November sollen die Verhandlungen beginnen. Weitere US-Staaten können sich den Klagen noch anschließen, dann würde es noch teurer.

Den größten Brandherd für VW dürften aber die strafrechtlichen Ermittlungen der US-Justiz darstellen. Nachdem im September der erste in den Skandal involvierte Ingenieur im Zuge einer Strafanzeige ein Geständnis abgelegt und Kooperation mit den US-Behörden versprochen hat, bleibt abzuwarten, wen der langjährige Mitarbeiter noch alles belastet. Das US-Justizministerium prüfe bereits, welches Strafmaß man dem Konzern wegen krimineller Vergehen zumuten könnte, berichtete der Finanzdienst Bloomberg vor wenigen Wochen unter Berufung auf Insider. VW und das Ministerium wollten sich dazu nicht äußern.

VW will realistischere Werte für CO2-Ausstoß vorlegen

Als Konsequenz aus der Abgas-Affäre bei Dieselfahrzeugen will VW künftig bei seinen Modellen realistischere Verbrauchs- und Emissionswerte vorlegen. Nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" werden die Werte dadurch höher ausfallen als bisher angegeben: Im Schnitt würde sich demnach der Kohlendioxid-Ausstoß pro Wagen um zwei Gramm pro gefahrenem Kilometer erhöhen.

Wie VW mit Tricksereien Abgaswerte im Testbetrieb nach unten drückte

Um sein Image aufzupolieren, will der Autokonzern demnach auf bisherige legale Tricksereien bei Emissionstests im Labor verzichten, mit denen die CO2-Werte im Vergleich zum "realen Fahrbetrieb" deutlich gesenkt werden konnten.

Wie der Rechercheverbund unter Berufung auf interne Angaben der Kanzlei Freshfield berichtet, nutzte VW bei den Labortests unter anderem abgefahrene Reifen und vollständig geladene Batterien, um die Emissionswerte zu senken. Zudem seien eigens geschulte Fahrer eingesetzt worden, deren "geschickte" Fahrweise nichts mit dem Alltag auf der Straße zu tun habe. VW hatte die Kanzlei selbst mit den Ermittlungen beauftragt.

dpa/AFP

Mehr zum Thema

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare