Auf Fast-Ramsch-Niveau herabgestuft

Sorge um Spanien wächst

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Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos hat zahlreiche Probleme zu lösen.

Madrid - Die Bitte um Milliardenhilfen für die spanischen Banken kommt das Land teuer zu stehen: Die Kreditwürdigkeit wurde herabgestuft. Die EU-Spitzen sind verärgert über die Haltung der Rajoy-Regierung.

Die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit Spaniens von A3 auf Baa3 herab - das ist nur noch eine Stufe über Ramschstatus. Prompt kletterte die Rendite für spanische Staatsanleihen am Donnerstag auf 6,89 Prozent, den höchsten Stand seit Einführung des Euros. Italien konnte unterdessen mehrere Milliarden Euro am Markt aufnehmen, musste dafür aber einen höheren Risikoaufschlag zahlen.

Die Abstufung Spaniens sei Folge der Flucht unter den EU-Rettungsschirm zur Rettung maroder Banken, erklärte Moody's am Mittwochabend. Da Madrid für die bis zu 100 Milliarden schwere EU-Spritze gerade stehen müsse, steige somit auch die spanische Staatsverschuldung. Nach der nun erfolgten Senkung der Kreditwürdigkeit werde in den kommenden Monaten eine weitere Herabstufung geprüft.

Mit dem spanischen Staat wurde von Moody's auch noch gleich der Fonds für Bankenrestrukturierung, der 2009 gegründete Fondo de Reestructuración Ordenada Bancaria, auf dieselbe Stufe Baa3 abgewertet. Begründung: Der Fonds werde vollständig und bedingungslos von der Regierung garantiert. Es sei klar, dass die Verantwortung für die Sanierung der Banken bei der spanischen Regierung liege, hieß es in der Moody's-Mitteilung.

Zypern ebenfalls abgewertet

Die Kreditwürdigkeit von Zypern, die Moody's bereits im März auf Ramschniveau gesenkt hatte, wurde am Mittwochabend um zwei weitere Stufen auf Ba1 nach unten korrigiert. Begründet wurde dies mit neuen Sorgen angesichts eines möglichen Euro-Ausstiegs von Griechenland nach der Parlamentswahl am kommenden Sonntag.

Die unklare Reaktion auf die Krise durch die spanische Regierung habe die EU-Spitzen verärgert, berichtete die spanische Tageszeitung “El País“ am Donnerstag. Ministerpräsident Mariano Rajoy sei in der EU in die Kritik geraten, weil er die Hilfe für die spanischen Banken kleingeredet und als Sieg für Spanien und den Euro präsentiert habe. Dies habe zu Protesten von anderen betroffenen Ländern, wie Portugal und Irland geführt, die mit weit strengeren Auflagen zu kämpfen hätten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte am Donnerstag im Bundestag, Spanien setze die richtigen Reformen um. Der spanische Regierungschef handele mit großem Mut und großer Entschlossenheit. Sie begrüßte die Entscheidung der Regierung in Madrid, für die spanischen Banken um Hilfe zu ersuchen.

Italien muss höhere Zinsen zahlen

Die Zinsen für italienische Staatsanleihen stiegen am Donnerstag auf den höchsten Stand seit Dezember. Das Land musste einen Risikoaufschlag von 5,3 Prozent für Papiere mit einer Laufzeit von drei Jahren zahlen und konnte so drei Milliarden Euro am Markt aufnehmen. Im vergangenen Monat betrug der Zinssatz noch 3,91 Prozent.

Italien konnte auch Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren zu einem Zinssatz von 6,13 Prozent und mit einer Laufzeit von 15 Jahren zu 6,1 Prozent am Markt platzieren. Insgesamt nahm das Land damit 1,5 Milliarden Euro ein.

dapd

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