Tschernobyl-Hilfe löst sich auf

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Der Vorstand um Reinhard Voss (Geschäftsführer/von links), Heide Bachmann (Vorsitzende), Rolf Kaufmann (Beisitzer), Christa Berker (Beisitzerin), Helmut Quenzel (zweiter Vorsitzender) und Dirk Rittinghaus (Beisitzer) kümmert sich um die Auflösung des Vereins.

Schalksmühle - Der Verein Tschernobyl-Hilfe Schalksmühle steht vor der Auflösung. Bei der Jahreshauptversammlung am Mittwoch in der ehemaligen Gaststätte „Westfälischer Hof“, in der die Flüchtlingshilfe eine Begegnungsstätte für Flüchtlinge betreibt, beantragte die Vorsitzende Heide Bachmann schweren Herzens die Auflösung des Vereins.

In einem bewegenden Rückblick auf die Aktivitäten des Vereins, den engagierte Schalksmühler am 22. Oktober 1992 nach dem Reaktor-Unglück in Tschernobyl aus der Taufe gehoben hatten, ging sie detailliert auf die Gründe ein.

Im Beisein von Rechtsanwalt Kilian Behrendt, der dem Verein bei der Liquidation zur Seite steht, stimmte die Versammlung dem Antrag zur Auflösung einstimmig zu. Zu Liquidatoren bestimmte die Versammlung Heide Bachmann, ihren Stellvertreter Helmut Quenzel und den bisherigen Geschäftsführer Reinhard Voss.

Die Abschlussberichte sollen nach der Liquidationsphase von einem Jahr im Rahmen einer gesonderten Mitgliederversammlung vorgetragen werden. Zu Rechnungsprüfern ernannten die Mitglieder ein letztes Mal Bernd Müller und Ortwin Schmidt.

„Heute ist ein schwerer Tag“

„Heute ist ein schwerer Tag“, erklärte Heide Bachmann. 30 Jahre nach dem Reaktor-Unglück in Tschernobyl schlage der Vorstand die Vereinsauflösung vor. Sie erinnerte an eine 14-tägige Kindererholungsmaßnahme und den Besuch des Kammerorchesters der Stadt Gomel, die der Vereinsgründung vorausgingen.

„Der ersten Gruppe gehörten ausschließlich Kinder an, die das Reaktor-Unglück in Pripjat – der Satellitenstadt von Tschernobyl – erlebt hatten“, berichtete sie. Durch einen Begleiter der Gruppe hätte der Verein erstmals erfahren, „welche verheerenden Folgen der Gau für das kleine Weißrussland hatte“.

Bachmann berichtete vom Zerfall der GUS-Staaten, Schwierigkeiten, Kindergruppen aus dem verstrahlten Gomel zu holen, Zusammenarbeit mit dem Fonds „Leben mit Tschernobyl“ in Gomel und Buskäufen, die Kindererholungsfahrten durch ganz Europa möglich machten.

„Bis zum Jahr 2006 fand jährlich jeweils eine Kinder-Erholungsmaßnahme statt. Jedes Jahr erfolgte mindestens ein Hilfstransport, und als es noch möglich war, Hilfsgüter in Bussen zu überführen, fuhr natürlich kein Bus leer von Schalksmühle nach Gomel.“

Volle Konzentration auf die Flüchtlingshilfe

Die Einladung der Kinder sei durch die Regierung Weißrusslands jedoch zunehmend erschwert worden. Es sei immer schwieriger gewesen, die Kinder in Familien unterzubringen, so dass der Verein sein wichtigstes Arbeitsfeld – die Kindererholungsmaßnahmen – letztlich aufgegeben habe. Überdies habe es keine Erlaubnis mehr gegeben, gebrauchte Hilfsgüter nach Weißrussland einzuführen.

Projekte, auf die sich die Aufmerksamkeit des Vereins danach konzentrierte, zählte sie auf. Jetzt benötige die Flüchtlingshilfe vor Ort alle Kräfte. Erklärter Wunsch von Heide Bachmann ist es, dass das Vereinsvermögen, das an die Gemeinde fällt, je zu einem Drittel für die Flüchtlingshilfe, die Primusschule und die Grundschule Spormecke verwendet wird.

Mit einem Bildervortrag über den jüngsten Besuch von Helmut und Irmtraud Quenzel sowie Wolfgang und Heide Bachmann in Gomel (31. März bis 7. April) endete die emotionale Versammlung.

An Eindrücken und Erlebnissen der Reise, bei der die Schalksmühler unterstützte Projekte wie die Kinder-Poliklinik Selmasch besichtigten und langjährige Weggefährten wieder sahen, nahmen die Zuhörer rege Anteil.

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