Totschlagprozess Schalksmühle

Totschlag: 42-Jähriger zu elf Jahren Haft verurteilt

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Schalksmühle - Im Schalksmühler Totschlagprozess wurde der 42-jährige Angeklagte zu einer Haftstrafe von elf Jahren verurteilt.

Zu einer Haftstrafe von elf Jahren wegen Totschlags verurteilte die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Hagen am Donnerstag den 42-jährigen Angeklagten, der seine 18-jährige Freundin in einer Wohnung in Schalksmühle getötet hatte.

Während der Angeklagte das Urteil scheinbar gefasst entgegennahm, gab es Unruhe und Tränen im gutgefüllten Zuschauerraum.

Beziehung konnte nicht funktionieren

Die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen zeichnete das Bild einer „temperamentvollen, lebenslustigen, aber noch recht unreifen Frau“ und einer Beziehung, die von Anfang an „nicht nur harmonisch“ verlaufen sei. Und schon bald habe sich abgezeichnet, dass diese Beziehung nicht funktionieren konnte. „Man vertraute sich nicht.“

Eifersuchtsszenen habe es nicht nur von Seiten der später Getöteten, sondern auch vom Angeklagten gegeben, dem Zeugen ebenfalls einen erheblichen Kontrollwahn nachgesagt hatten. „Man versicherte sich, dass keiner Schritte unternahm, die die Beziehung zwischen beiden gefährden würden.“

Angeklagter forderte massiv ein Treffen ein

Ansonsten habe es ein ständiges Hin und Her zwischen Versöhnung, Streit und Trennungsversuchen gegeben. Eine letzte Chance, sich im Guten zu trennen, habe dann der Angeklagte zerstört: In jener Zeit, als die 18-Jährige Trennungswünsche gegenüber einer Freundin äußerte, „Ruhe voreinander“ wollte und sich trotz seiner Kurznachrichten-Flut nicht mehr bei ihm meldete, habe der Angeklagte massiv ein Treffen eingefordert und sie ein letztes Mal aus Berlin abgeholt.

„Sie hat sich auf Drängen des Angeklagten bereiterklärt, ihre Sachen aus der Wohnung in Schalksmühle zu holen.“ Dass sie einen Freund bat mitzufahren, dokumentiere, dass sie zu diesem Zeitpunkt „Angst vor einer Eskalation der Situation“ gehabt habe. Eine solche Eskalation sei schon bei der Abfahrt in Berlin absehbar gewesen. „Beiden war klar, dass diese Beziehung in einem Desaster enden würde.“

Massive Verletzungen an der Leiche

Massive Abwehrverletzungen an der Leiche dokumentierten einen länger andauernden Kampf des Opfers, das sich noch verzweifelt gewehrt habe, der Übermacht des Angeklagten aber letztlich nichts habe entgegensetzen können. Hinsichtlich der Schuldfähigkeit des Angeklagten folgte die Kammer der Einschätzung des psychologischen Gutachters, der keine ernsthafte Einschränkung der Schuldfähigkeit des Angeklagten vorgetragen hatte.

Dass der 42-Jährige über die massive Gewalteinwirkung in jener Nacht vor Gericht nicht habe sprechen wollen, sei vermutlich einer „schwurgerichtsbedingten Amnesie“ geschuldet – und kein Ausdruck einer umfassenden Abwesenheit der höheren Geistesfunktionen während des Geschehens. Die Kammer bewertete das Geschehen deshalb nicht als minderschweren Fall. Die Art der auch vom Opfer geäußerten Beleidigungen vor der Tat rechtfertigten keine entsprechende Minderung der Strafe.

18-Jährige auf dem Weg zur Katastrophe

„Der einseitige Bericht des Angeklagten will der Kammer nicht ganz einleuchten“, sagte die Vorsitzende im Hinblick auf die Rolle der 18-Jährigen auf dem Weg zur Katastrophe: „Eine junge, unerfahrene Frau soll den Angeklagten fertig gemacht haben?“ Dass die Probleme allein von ihr ausgegangen seien, habe letztlich auch keiner der vorgeladenen Zeugen behauptet.

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