Totschlag-Prozess: Mutter des Opfers sagt aus

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Hagen/Schalksmühle - Es war ein schwerer Gang für die Mutter der in Schalksmühle getöteten Berlinerin: Immer wieder von Tränen unterbrochen schilderte die 52-Jährige am Mittwoch im Landgericht Hagen ihre Sicht auf die Beziehung des 42-jährigen Angeklagten zu ihrer zunächst noch minderjährigen Tochter: „Dieser Mann ist zu alt für dich.“ Warum er sich nicht in Dortmund eine Frau suche, wollte sie von der 17-Jährigen wissen, und was sie von einem verheirateten Mann mit Kindern wolle.

Nie werde sie in Schalksmühle wirklich ankommen – dort, wo seine Familie und seine Freunde sind. Die Mutter machte sich Sorgen um die Berufsausbildung ihrer Tochter, um das für sie angesparte kleine Vermögen und war beunruhigt, weil die 17-Jährige ihr immer mehr entglitt. Nur noch sporadisch habe sie ihr heimisches Zimmer aufgesucht und sei immer nur für kurze Zeit geblieben. „Abends oder mal für zwei Stunden, und dann war sie wieder weg.“

Das alles erschütterte eine Mutter, deren Tochter nie etwas mit Alkohol oder Drogen zu tun hatte. Mit der Pubertät habe sie einen starken Freiheitsdrang entwickelt und an gesetzten Grenzen gekratzt. Aber das sei alles in ziemlich normalen Bahnen verlaufen: „Ich habe trotzdem gewusst, wo sie war.“ Der Stiefvater der Getöteten beschrieb die Entwicklung seit dem Beginn der Beziehung: „Sie wurde unzuverlässiger, ließ alles schleifen und versäumte die Berufsschule. Das war nicht zum Guten.“ Tatsächlich gab sie in der Folge der Beziehung ihre Ausbildung zur Hotelfachangestellten auf.

Da sich die junge Frau trotz allem um Anerkennung ihres Freundes durch ihre Mutter bemühte, lernte die 52-Jährige den Angeklagten auch selbst kennen. Sie teilte ihm das wahre Alter ihrer Tochter mit und forderte ihn auf: „Kümmere dich um deine Kinder! Lass sie in Ruhe!“ Er ließ die Aufforderung nicht unbeantwortet: „Zu spät – wir sind verliebt“, erinnerte sich die Zeugin an seine Worte und wurde bitter: „Ich hatte Recht, und das macht mich fertig.“ Als Quell permanenter Eifersucht machten Mutter und Stiefvater den Angeklagten aus. Sie deuteten die ungeheure Fülle von Kurznachrichten als eine Folge eines von ihm ausgehenden Kontrollwahns über ihre Tochter: „Er wollte ständig, dass sie über das Handy erreichbar war.“

Ein Arbeitskollege des Angeklagten bestätigte allerdings dessen Darstellung, dass er selbst permanent unter eifersüchtiger Beobachtung seiner Freundin gestanden habe. Ständig habe sie wissen wollen, wo er war, aus allem habe sie ihm einen Vorwurf gemacht. „Es war immer irgendetwas.“ Und mit Blick auf das Thema ‚Eifersucht’ setzte der Zeuge hinzu: „Bei ihr hätte ich schon gesagt: Das ist krankhaft.“ Er erinnerte sich an einen gefährlichen Vorfall auf der Autobahn, den er als Vorausfahrender im Rückspiegel beobachtete: Da soll die junge Frau ihrem älteren Freund bei einem Eifersuchtsausbruch massiv ins Lenkrad gegriffen haben. Mehrere Zeugen bestätigten die Angaben des Angeklagten, dass dieser immer mal gezeichnet war von ihren Attacken. Wesentlich seltener waren Hinweise, dass auch er selbst seiner Freundin gegenüber handgreiflich geworden war.

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Er sei ein Freund gewesen, „der immer für mich da war – egal, was war“, beschrieb der Arbeitskollege den Angeklagten und bedauerte den Verlust: „Er war von heute auf morgen weg.“ Mit einem persönlichen Rat vor der Katastrophe habe der Zeuge keinen Erfolg gehabt: Er habe seinem Freund geraten, „die Finger von ihr zu lassen“ und böse Vorahnungen geäußert: „Ich habe ihm mal gesagt, dass es soweit kommt, dass ihr euch gegenseitig abstecht’.“

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