Totschlag-Prozess: Angeklagter sagt aus

Hagen/Schalksmühle - Es war kaum eine Frage, dass der Angeklagte die Verantwortung für die Tötung seiner 18-jährigen Lebensgefährtin übernehmen würde.

Überraschen konnte im Landgericht gestern allenfalls, dass der 42-Jährige fast zwei Stunden lang die Geschichte einer Liebe mit wahnsinnigen Zügen erzählte, die mit „einem Himmel auf Erden“ begonnen hatte und am 10. März mit einem blutigen Gemetzel zuende gegangen war.

Er erzählte, wie er die junge Frau in einem Hotel in Berlin kennengelernt hatte und wie sie ihn schon kurz darauf gefragt habe, ob er denn gar nicht ihre Handy-Nummer haben wolle. Aus der zufälligen Begegnung entwickelte sich sehr schnell eine intensive Wochenendbeziehung mit ergänzenden Kontakten auf allen Kanälen, die die modernen Medien hergeben.

„Ich hatte das Gefühl, dass ich das gefunden habe, wovon ich immer geträumt habe“, erinnerte sich der Angeklagte. Und so begleitete er seine Liebste schon bald in ihre ukrainische Heimat, spendierte ihrem Vater dort einen Traktor und fühlte sich in ihrer Familie wohl und willkommen. Der jungen Frau bezahlte er den Führerschein, einen Ford Mustang als erstes Auto und weitere Fahrzeuge, weil sie immer mal wieder entsprechende Bedürfnisse äußerte. „Alles, was sie brauchte, hat sie bekommen.“

Außer viel Geld kostete das Abenteuer den Angeklagten seine Freiheit: Die 18-Jährige sei permanent eifersüchtig gewesen – selbst im Gegenverkehr und an roten Ampeln habe sie potentielle Nebenbuhlerinnen entdeckt und ihm die Hölle heiß gemacht. 

Zumeist verbal, doch der Angeklagte berichtete auch, dass sie bei einem Eifersuchtsanfall gekratzt, gebissen und ihn geschlagen habe. „Ich hatte alle zehn Krallen im Gesicht.“ Bei einer anderen Gelegenheit sei er aus Berlin mit einem tiefblauen Auge und einem Bluterguss heimgekommen. Polizisten wunderten sich bei einer Kontrolle. Zum Bericht von ihrer notorischen Eifersucht passte, dass sie auf seinem Handy alle seine Verbindungsdaten zu Frauen löschte.

Als sie beim gründlichen Aufräumen eines Tages auch seine darauf gespeicherten Arbeitsnachweise löschte, habe er größte Schwierigkeiten gehabt, beruflich erbrachte Leistungen nachzuweisen, berichtete der Angeklagte. Sein Berufsleben geriet nicht nur dadurch immer mehr in Gefahr, und er musste Aufträge abgeben. Auch die Beziehung zu seinen beiden Söhnen sei zunehmend unter ihre Kontrolle geraten: Hier war offenbar die rückwärtsgewandte Eifersucht der Motor für ihre Eingriffe.

Der Angeklagte begann zu ahnen, dass er diese Beziehung dringend hätte beenden müssen, doch seine wiederholten Anläufe zu einer Trennung blieben hilflos in falschen Versöhnungen und viel Lust stecken. Jener Mann, der in der blutigen Nacht mit in der Schalksmühler Wohnung war und im Landgericht nicht aussagen wollte, berichtete ihm schließlich von einer neuen Liebschaft der 18-Jährigen.

Kurz vor den tödlichen Stichen konfrontierte der Angeklagte sie damit. Sie bestand darauf, dass er sie noch einmal nach Schalksmühle und zurück nach Berlin fahre – mit ihren Sachen. Zur Rückfahrt kam es nicht mehr: „Ein Schlag wie ein Blitzschlag“ habe ihn getroffen, erinnerte sich der Angeklagte, als sie auch noch ihre gemeinsam gekaufte Reizwäsche habe mitnehmen wollen – angeblich mit einem höhnischen Hinweis auf deren zukünftige Verwendung. „Ich habe einfach nur mit diesem Ding auf sie eingehackt“, beschrieb der 42-Jährige die vollständige Umnachtung seines moralischen Sinnes.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare