Totschlag-Prozess: Polizisten schildern den Tatort

Hagen/Schalksmühle - Die Polizei ist eine hochgradig arbeitsteilig arbeitende Behörde, und so waren viele Beamte im Einsatz am Morgen nach der Tötung einer 18-jährigen Berlinerin. Entweder sie hatten mit dem Angeklagten zu tun, der sich in einer extremen Gefühlslage befand und sich im Polizeipräsidium stellte, oder sie untersuchten den Tatort und die Leiche und dokumentierten, was sie dort vorfanden.

Im Landgericht erinnerte sich gestern ein weiterer Beamter, der an jenem Morgen Spuren am Angeklagten selber gesichert hatte, an dessen tiefe Niedergeschlagenheit: „Ich will sterben, ich will nicht mehr“, habe er gesagt und sich umfassend ausgeliefert: Macht mit mir, was ihr wollt!“ Der Beamte hatte den Eindruck eines Mannes, der „nicht ganz da war“.

Fürchterliches müssen die Beamten und Notfallmediziner vor Ort zu sehen bekommen haben: Mehr als 50 Stich- und Schnittwunden zählte der Rechtsmediziner Dr. Ralf Zweihoff bei der Obduktion der Leiche. Tödliche Folgen hatte die Durchtrennung mehrerer Schlagadern im Hals-, Bauch- und Brustbereich. Die 18-jährige verblutete und verstarb an einem Herz-Kreislauf-Versagen – umgeben von zahlreichen Kleidungsstücken, die sie noch einpacken wollte für die endgültige Abreise nach Berlin.

„Warum haben Sie sich nicht endgültig getrennt?“ Diese Frage der Vorsitzenden Richterin Heike Hartmann-Garschagen an den Angeklagten nahm gestern auch der Anwalt der Mutter der Getöteten auf: „Sind Ihnen durch dieses Auf und Ab nicht irgendwelche Zweifel gekommen, ob das das Richtige ist?“, fragte er den 42-Jährigen. „Nur vom Alter her“ sei seine Freundin sehr jung gewesen, erwiderte der Angeklagte. „Wir waren eigentlich auf einer Wellenlänge.“

Diese Antwort bewegte sich jenseits aller Berichte von einer äußerst konfliktreichen Beziehung. „Ich hatte mehrfach die Beziehung beendet“, lautete eine weitere Aussage. Sie enthielt den Ansatz zu einer Rechtfertigung gegenüber dem Vorwurf, als wesentlich Älterer nicht verantwortungsbewusster gehandelt zu haben. Letztlich nannte der 42-Jährige immer wieder die gegenseitige „Liebe“ als Beweggrund, es weiterhin versucht zu haben.

Ob der Angeklagte wütend gewesen sei, als er in den letzten Tagen der Beziehung in Berlin nach der 18-Jährigen suchte, wollte der Anwalt wissen. Diesmal war offenbar das Publikum im Hagener Schwurgerichtssaal der Meinung, dass dazu schon genug gesagt worden war und wurde unruhig. Der Anwalt der Mutter mahnte zur Ruhe: „Wir sind hier nicht bei Barbara Salesch!“

Rubriklistenbild: © dpa

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