Zeuge verweigert die Aussage

Totschlag-Prozess: Nur der Vermieter spricht

Schalksmühle/Hagen - Im Totschlag-Prozess gegen einen 41-Jährigen aus Schalksmühle, der im März seine 18-jährige Freundin mit 53 Messerstichen getötet hatte, verweigerte am zweiten Verhandlungstag im Landgericht Hagen ein wichtiger Zeuge, der zum Tatzeitpunkt in der Wohnung war, die Aussage. Sprechen wollte einzig der Vermieter.

Selten sind die Kosten aufgrund von Zeugenvernehmungen ein Thema vor Gericht. Doch am Dienstag schüttelten im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Hagen alle professionell Beteiligten den Kopf. Denn kurz zuvor hatte jener 20-Jährige die Aussage verweigert, der in der Nacht zum 10. März neben dem mutmaßlichen Täter in der Wohnung war, wo eine 18-Jährige nach 53 Messerstichen starb.

Er ließ seine Anwältin, die als Zeugenbeistand mitgereist war, zu Protokoll zu geben, dass er von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch mache. Die Begründung: Das Ermittlungsverfahren gegen ihn selbst sei nur vorläufig eingestellt.

Mal abgesehen von den Kosten – zwei Rückfahrkarten von Berlin nach Hagen und eine Tagespauschale für die Anwältin – hinterließ dieses Aussageverhalten einen sehr merkwürdigen Eindruck: Ein junger Mann – nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen der neue Freund der Getöteten – ist in der Tatnacht anwesend, fährt den mutmaßlichen Täter zur Polizei und verweigert jegliche Aufklärung über das Geschehen? „Wir sind alle erstaunt“, hielt die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen nicht nur die Gemütsverfassung der Richter fest. Sie hatte mit einer Aussage gerechnet, zumal ein Zeugenbeistand nur in diesem Fall irgendeinen Sinn gehabt hätte. „Tja“, bemerkte Verteidiger Ralph Giebeler.

Schweigen wollte auch die 39-jährige „Noch-Ehefrau“ des Angeklagten. Das war nachvollziehbar.

"Noch kein glücklicheres Pärchen gesehen"

Dass es am zweiten Verhandlungstag dennoch Neues über die Beziehung des Angeklagten zu seiner 23 Jahre jüngeren Freundin gab, war dem Vermieter der Wohnung, die der Angeklagte erst Anfang März gemietet hatte, zu verdanken. Er kannte ihn schon lange und freute sich über dessen Einzug. Trotz nur weniger Begegnungen hatte er einen Eindruck gewonnen: „Zu dem Zeitpunkt habe ich noch kein glücklicheres Pärchen gesehen.“

Der Angeklagte habe sie auf einer Dienstreise in Berlin kennengelernt und gesagt, „er sei noch nie so glücklich gewesen“. Die „große Diskrepanz im Alter“ habe der 41-Jährige vom Tisch gewischt: „Sie würden sich gut verstehen. Das Alter spiele keine große Rolle.“ Merkwürdig muteten Berichte an, dass die junge Frau ihrem Liebhaber dessen Körperpflege abgenommen habe. Nur sie habe ihn anfassen dürfen – so berichtete der Zeuge vom Hörensagen. Sie sei auch sehr eifersüchtig gewesen. Nach einem Streit habe sie ihren Freund gebissen.

„Höflich und zuvorkommend“ sei der Angeklagte gewesen, sagte der Vermieter. Als „immer höflich, freundlich und ruhig“, beschrieb seine Frau den 41-Jährigen. Sie war in der Tatnacht schon früh wach gewesen und hatte „einen richtig lauten Schrei“ gehört, der sie aufhorchen ließ. Anschließend sei wieder „absolute Ruhe da oben“ eingekehrt. Etwa 20 Minuten später habe dann ganz laut die Wohnungstür geknallt. Doch auch für die Tatnacht habe gegolten: „Ich habe nie einen Streit gehört oder irgendetwas.“

Verteidiger Ralph Giebeler stellte für den nächsten Verhandlungstag (4. Oktober, ab 13 Uhr) eine Stellungnahme des Angeklagten in Aussicht.

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