Totschlag-Prozess: Staatsanwalt fordert zwölf Jahre Haft

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Statue Justitia - Weniger Verfahren vor Gerichten

Hagen/Schalksmühle - Mit einem eher kühlen Plädoyer des Oberstaatsanwaltes und einer leidenschaftlichen Erwiderung von Strafverteidiger Ralph Giebeler bog am Freitag das Strafverfahren nach dem gewaltsamen Tod einer 18-Jährigen auf die Zielgerade ein: Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn beantragte zwölf Jahre Haft für den 42-jährigen Angeklagten.

Mordmerkmale seien bei der Tat nicht zu erkennen, deshalb sei der Angeklagte wegen Totschlags zu verurteilen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass dieser sich zu so einer Tat habe hinreißen lassen, sagte der Vertreter der Anklage und bezeichnete den Angeklagten als voll schuldfähig.

Dessen Einsichts- und Steuerungsfähigkeit sei weder eingeschränkt noch aufgehoben gewesen, stellte Bernd Haldorn fest und folgte darin dem Gutachten des Forensischen Psychiaters Pedro Michael Faustmann, der ebenfalls keine Hinweise auf eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung beim Angeklagten gefunden hatte. Dieser sei noch in der Lage gewesen, das Unrecht seines Handelns einzusehen.

Ralph Giebeler hielt dagegen: „53 Mal zustechen – ist das nicht auch ein Beweis, dass jemand völlig außer sich ist?“ Liebeskrank sei sein Mandant gewesen. Ihm sei nicht nachvollziehbar, wie jemand eine solche Beziehung aufnehmen könne. In der Folge habe der 42-Jährige seine Persönlichkeit verloren und sich völlig aufgegeben: „Er ist an ihr zugrunde gegangen.“

Aus der Perspektive des Strafverteidigers waren auch mögliche Fehler des Opfers zu nennen, auch wenn diese einer 17- bis 18-Jährigen nicht ernsthaft vorzuhalten sind: „Sie baggert ihn an und macht ihm schöne Augen“, worauf sein Verstand „ganz anders hätte reagieren müssen“. Sie habe seine Kinder als Bastarde bezeichnet und ihn aufgefordert, sich von seinen Altlasten zu befreien.

Und dann sei da noch das grausame Finale in der Wohnung in Schalksmühle gewesen, das das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Der Verteidiger erinnerte daran, was der Angeklagte aus jener Nacht als angebliche Äußerung des Opfers überliefert hatte: „Ich bin geboren, um deine Strafe zu sein. Danach hast du keine Söhne, kein Geld, keine Arbeit mehr.“

Gedemütigt und erniedrigt beim Einpacken ihrer Kleidung und der gemeinsam gekauften Erotik-Unterwäsche, seien beim Angeklagten alle Sicherungen durchgebrannt. Und gegen den Tenor des psychiatrischen Gutachtens argumentierte Ralph Giebeler dann doch mit seinem persönlichen Fazit, „dass der Angeklagte in gewisser Weise überhaupt nicht mehr wusste, was er tat“. Deshalb seien zwölf Jahre Haft „einfach zu viel“.

Ein eher überraschendes Plädoyer hielt anschließend der zweite Verteidiger Claus Kürschner, der Anlass sah, an der Täterschaft des Angeklagten überhaupt zu zweifeln. Argumente dafür lieferte allenfalls das merkwürdige Verhalten des Freundes der Getöteten, der sich nach dem Abliefern des Angeklagten im Polizeipräsidium Hagen mit dessen Auto aus dem Staub gemacht hatte.

„Hier ist eine sehr junge Frau aus dem Leben gerissen worden“, mahnte der Anwalt der Mutter der Getöteten und hielt dem Angeklagten vor, dass dieser „früher etwas hätte tun müssen, um zu vermeiden, dass es zu so etwas kommt“.

Das Urteil soll am 13. Oktober ab 11 Uhr im Schwurgerichtssaal des Landgerichts verkündet werden.

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