Video von der Sauerlandlinie A45 online

Täglich 55.000 Fahrzeuge setzen Talbrücke Sterbecke zu

Schalksmühle - Bis zu 55 000 Autos und Lkw befahren täglich auf der Autobahn 45 die Talbrücke Sterbecke allein in Richtung Hagen. Damit das Bauwerk dieser Belastung zumindest bis zum geplanten Ersatzneubau standhält, wird an einer Verstärkung der Brücke gearbeitet.

Bis Ende November soll die Maßnahme, in die der Landesbetrieb Straßen.NRW gut 1,7 Millionen Euro investiert, abgeschlossen sein. „Als die Brücke Ende der 1960er-Jahre gebaut wurde, konnte mit diesen Verkehrsbelastungen, speziell im Schwerlastverkehr, nicht gerechnet werden. Statische Nachrechnungen haben jetzt ergeben, dass die Brücke die heutigen Lasten nicht mehr dauerhaft aufnehmen kann“, sagt Franz-Josef Fischer von Straßen.NRW.

Um die Probleme zu beheben, werden laut Fischer schwerpunktmäßig vor allem zwei Baumaßnahmen durchgeführt, eine in vertikaler Richtung, eine horizontal.

250 „riesengroße Schrauben“

Verteilt über die gesamte Brückenlänge von 265 Metern werden von oben nach unten insgesamt 250 vorgespannte, 3,2 Zentimeter dicke Stahlträger, die den Beton zusammendrücken sollen, eingebaut. „Das kann man sich wie riesengroße Schrauben vorstellen“, sagt Fischer.

Die Vorarbeiten dazu laufen bereits. Auf der Fahrbahn sind Mitarbeiter einer Fachfirma in einem weißen Zelt damit beschäftigt, die Decke an den entsprechenden Stellen für den Einzug der Träger aufzubrechen. „Da arbeiten wir mit einem Wasserstrahl bei extrem hohem Druck von 1200 bar“, erklärt Fischer. Anschließend werden Kernbohrungen durchgeführt, um Platz für die Stahlträger zu schaffen. Für den eigentlichen Einbau muss die Auffahrt in Richtung Hagen einige Male nachts für den Verkehr komplett gesperrt werden, zum ersten Mal in der Nacht von Dienstag, 24. Mai, auf Mittwoch, 25. Mai.

Sechs Spannglieder werden eingezogen

In Längsrichtung werden – unterhalb der Fahrbahn und völlig unsichtbar für die Verkehrsteilnehmer auf der A 45 – im Hohlkasten der Brücke sechs Spannglieder eingezogen. „Um Tragweiten zu erreichen, wie wir sie für die Brückenbauwerke im Sauerland benötigen, arbeiten wir beim Stahl mit extremer Vorspannung. Das sichert die Stabilität der Brücke“, sagt Fischer, und erklärt dies für Laien mit einem einfachen Vergleich: „Wenn man versucht, zehn Bücher gleichzeitig aus einem Regal zu nehmen, funktioniert das nur, wenn man gleichzeitig links und rechts Druck auf das Ende der Buchreihe gibt. Wir arbeiten hier bei der Brücke mit dem gleichen Prinzip.“

Mit einem Wasserdruck von bis zu 1200 bar werden derzeit Löcher in die Fahrbahndecke gefräst.

Sechs Spannglieder mit einer Gesamtlänge von etwa 1500 Meter werden eingebaut. „Jedes Glied hat ein Spanngewicht von 300 Tonnen, wir verstärken die Brücke also mit insgesamt 1800 Tonnen“, sagt Fischer.

Die Verstärkungsarbeiten sind auch notwendig, um in einigen Jahren den Ersatzneubau der Talbrücke Ster-becke angehen zu können. „Zunächst wird dann das Brückenbauwerk in Fahrtrichtung Gießen abgerissen. Dafür muss der gesamte Verkehr auf das andere Brückenbauwerk in Fahrtrichtung Hagen verlegt werden“, erläutert Fischer. In Fahrtrichtung Gießen stehen bekanntlich schon seit knapp einem Monat nur noch zwei Fahrstreifen für den Verkehr zu Verfügung, um die Brücke so zu entlasten.

Wann der Neubau kommt, kann der Brückenexperte von Straßen.NRW zurzeit nicht sagen. Zunächst sollen entlang der A 45 die Brücken Kattenohl (bis 2018) und Brunsbecke (bis 2019) bei Hagen-Süd sowie die Brücken Rälsbach und Rinsdorf (jeweils bis 2019) südlich von Siegen erneuert werden.

Arbeiten liegen im Zeitplan

Bei den Verstärkungsarbeiten geht Fischer aktuell davon aus, im Zeitplan zu bleiben und die Maßnahme planmäßig Ende November abschließen zu können: „Bisher haben wir keine größeren negativen Überraschungen erlebt.“ Sind alle Stahlträger eingezogen, wird die Auffahrt Lüdenscheid-Nord in Richtung Hagen auch wieder für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen freigegeben. Diese müssen, um auf die Autobahn zu gelangen, seit fast einem Jahr in Lüdenscheid oder Hagen-Süd auffahren.

Rubriklistenbild: © Wilczek

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare