Kormoran bereitet ASV große Sorgen

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Sorgt für einen heftigen Rückgang des Fischbestandes in der Volme: der Komoran.

Schalksmühle - Etwa drei Jahre sind seit der erstmaligen Antragsstellung auf eine letale Vergrämung des Kormorans im Bereich der Volme vergangenen. Nun dürfen sich die Mitglieder des Angelsportvereins (ASV) „Saubere Volme“ zumindest über einen kleinen Teilerfolg freuen.

Die Untere Landschaftsbehörde des Märkischen Kreises hat mit Ablauf der Schonzeit im September ihr Okay zum Abschuss der Tiere, die immer noch auf der Liste der geschützten Arten stehen, gegeben – allerdings längst nicht in dem Umfang, wie die ASV-Verantwortlichen erhofft hatten. Die Abschussgenehmigung bis zum 15. Februar gilt nämlich nicht für den gesamten 17 Kilometer langen Flussbereich unter der Aufsicht des ASV von der Hagener Stadtgrenze bis nach Kierspe, sondern lediglich für einen Vier-Kilometer-Abschnitt bis zur Glör.

„Das macht in dieser Form keinen Sinn und ist allenfalls Stückwerk. Deshalb werden wir einen Antrag auf Erweiterung des Abschussgebiets bei der Behörde einreichen. Vor der Landtagswahl im nächsten Jahr ist aber nicht mit einer Entscheidung zu rechnen. Der ganze Prozess treibt einen zur Verzweiflung“, sagt Siegfried Darschnik, Naturschutz- und Gewässerbeauftragter des Vereins und Diplom-Biologe. Dennoch wolle der ASV mit der letalen Vergrämung, die auf dem freigegeben Stück durch die jeweils berechtigten Jäger ausgeführt werden soll, jetzt beginnen, um „zumindest schon mal ein Packende“ zu haben.

Vertrieben werden soll der als gefräßige Fischräuber bekannte Kormoran aus dem Volmegebiet, weil er für einen heftigen Rückgang des Fischbestandes im Fluss und damit auch für einen „dramatischen Schaden für die Gewässerökologie“ (Darschnik) verantwortlich ist. „Ein Vogel frisst bis zu 150 Kilogramm Fisch im Jahr. Das kann kein Gewässer in Größenordnung der Volme verkraften“, erklärt Darschnik. Allein eine bekannte Brutkolonie in Hagen umfasse 40 Paare. „Rechnet man die Jungtiere hinzu, sind wir weit im dreistelligen Bereich“, so Darschnik.

Besonders hart getroffen hat es die Äsche, die – bis auf einen kleinen und überbauten Bereich des Flusses direkt am Hagener Hauptbahnhof, der für den Kormoran nahezu nicht zugänglich ist – in der Volme überhaupt nicht mehr zu finden ist. „Die Äsche ist nicht an den für diese Region eigentlich fremden Kormoran adaptiert. Ihr Fluchtverhalten ist darauf ausgelegt bei Gefahr immer ins Freiwasser und dort an die tiefste Stelle zu gelangen. Damit schwimmt sie dem Kormoran, der als recht großer Vogel bei der Jagd einen gewissen Freiraum benötigt, direkt in den Schnabel“, erläutert Darschnik.

Andere Fischarten, beispielsweise die Bachforelle, die sich bei Gefahr scheu unter Vorsprüngen, Wurzeln oder Steinen versteckt, seien gegenüber dem Kormoran besser geschützt. „Deshalb überleben zumindest immer ein paar Bachforellen“, sagt der Experte – von 30 000 bis 40 000 Exemplaren, die der ASV jedes Jahr im Frühling als Besatz seines Flussabschnitts in die Volme einbringt. Zum Großteil auf eigene Kosten. Auf einen Besatz mit Äschen werde der Verein – mit Blick auf die nur eingeschränkte Abschusserlaubnis – 2017 deshalb einmal mehr komplett verzichten. „Das macht keinen Sinn. Ein Jahr später wäre keiner dieser Fische mehr im Fluss“, sagt Darschnik.

Begründet werde die räumliche Abschussbegrenzung durch den Märkischen Kreis laut Darschnik mit dem Ende der Äschenregion an der Glör und dem Übergang zur Forellenregion. „Dabei sind die Grenzen natürlich fließend. Bis vor einigen Jahren wurden Äschen auch im weiteren Verlauf bis hinter Brügge festgestellt“, erklärt Darschnik, der nichts von der Begrenzung hält. „Macht man sich nur bewusst, dass jeder Kormoran einen täglichen Flugradius von 36 bis 40 Kilometern hat, ist klar: So kann es nicht funktionieren.“

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