Historische Textilmaschinen im Wülfing-Museum bestaunt

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Kurt Kadletz informierte die Gruppe über die Jahrhunderte lange Geschichte der ehemaligen Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn. - Foto: Salzmann

Schalksmühle - Mit dem Wülfing-Museum in der Ortschaft Dahlerau an der Wupper lernte die Evangelische Frauenhilfe Schalksmühle-Dahlerbrück kürzlich eine der einst größten Textilfabriken Deutschlands, die bis in die 1990er-Jahre in alle Welt exportierte, kennen.

Vom Rathausplatz in Schalksmühle starteten die 45 Frauen Richtung Radevormwald-Dahlerau, um die „Textilstadt Wülfing“ mit ihren historischen Textilmaschinen und der größten Dampfmaschine des Bergischen Landes – einst zentrales Antriebselement und Stolz des Unternehmens – zu besichtigen. Mit Kurt Kadletz, der sieben Jahre in der Firma arbeitete, und dem ehemaligen Betriebsleiter Wolfgang Masanek führten frühere Mitarbeiter die Schalksmühlerinnen durch das Museum, das die Geschichte der Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn in lebendiger Erinnerung bewahrt.

Nachdem die Firma 1996 im Zuge der Globalisierung ihre Konkurrenzfähigkeit verlor und für immer die Pforten schloss, gründeten Ehemalige einen Verein, der sich seither dem Erhalt und der Aufbereitung des Industriedenkmals widmet.

Dass die Tuchfabrik Wülfing 1674 in Lennep gegründet wurde, mangels männlicher Nachkommen Ende des 17. Jahrhunderts (unter Beibehaltung des Namens) von der Familie Hardt weitergeführt wurde und 1815 ins Tal der Wupper umzog, erfuhren die Frauen. Porträts von Pionieren wie Anne Wülfing und Johann Arnold Hardt zeigten die Anfänge.

Anhand der umliegenden Gebäude konnten sich die Schalksmühlerinnen ein Bild von der einstigen Größe und Bedeutung des Unternehmens, das schon früh erste Wohnungen für seine Beschäftigten baute und zu Spitzenzeiten 1000 Mitarbeiter beschäftigte, machen. Eindrucksvolle Säle, nostalgische Winkel, imposante, vielfach noch voll funktionsfähige Maschinen und versteckte Schätze erkundeten die Frauen beim Rundgang durch das Museum.

Ohrenbetäubend war der Lärm, der von mechanischen Webstühlen, die sich ratternd, klappernd und knatternd in Gang setzten, ausging. An zahlreichen historischen Schätzen wie einem Jacquard-Webstuhl, einer Schussspulmaschine oder einem Schaftwebstuhl führte der Weg vorbei.

In Staunen versetzte die riesige Dampfmaschine aus der Augsburger Maschinenfabrik, die – so zu lesen – am 7. April 1961 ihren letzten Arbeitstag hatte. Untergebracht war das einstige Herzstück der Firma in einem imposanten, hochherrschaftlichen Dampfmaschinensaal. Blank geputzt zog der „Kraftprotz“ alle Augen auf sich.

Stoffproben, Arbeitstische, Musterbücher und andere Erinnerungsstücke entführten die Schalksmühlerinnen in die Vergangenheit, als vor Ort noch hochwertige Wolltuche aus Kammgarnen produziert wurden. Vom Rohstoff bis zum fertigen Anzug reichte die Spanne der Exponate. Stoffmuster belegten die enorme Vielfalt der früheren Produktpalette des Unternehmens.

Ausklingen ließen die Frauen ihren Ausflug mit einer bergischen Kaffeetafel in Räumen des Höller Hofes in Radevormwald.

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