Kaum mehr Freistellungen

Hilferuf der Feuerwehr: Verfügbarkeit der Wehrmänner nimmt ab

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Bei Bränden, Notlagen oder Unfällen rückt in Schalksmühle die Freiwillige Feuerwehr aus.

Schalksmühle - Normalerweise sind sie es, die Hilfe leisten, jetzt aber startet die Freiwillige Feuerwehr Schalksmühle selbst einen Hilferuf: Immer mehr Wehrmänner könnten nicht zu den Einsätzen kommen, weil ihre Arbeitgeber dies nicht unterstützen.

„Diese Einstellung der Feuerwehr gegenüber kann im Ernstfall Menschenleben kosten“, heißt es in einer Mitteilung der Feuerwehr. Um bei einem Einsatz auf eine ausreichende Personalstärke zu kommen, würden häufig schon mehr Löschgruppen alarmiert, als – bei vollzähligem Antreten – eigentlich für die Einsatzlage benötigt werden. Denn: „Viele Kameraden würden gerne zum Einsatz kommen, aber sie dürfen nicht. Der Chef erlaubt es oft nicht. Viele Arbeitnehmer und besonders motivierte Auszubildende trauen sich häufig noch nicht einmal den Vorgesetzten zu fragen, weil dieser im Vorfeld bereits negative Anspielungen gemacht hat“, teilt die Feuerwehr mit und appelliert an die „Vernunft und soziale Verantwortung“ der Arbeitgeber: „Unterstützen Sie die ehrenamtliche Tätigkeit Ihrer Mitarbeiter und lassen Sie diese zu den Einsätzen fahren. Jeder braucht mal Hilfe. Was ist, wenn es das nächste Mal Sie und Ihre Angehörigen direkt betrifft?“

Verdienstausfall kann erstattet

werden Für jeden Arbeitgeber bestehe die Möglichkeit, sich den durch einen Einsatz erlittenen Verdienstausfall von der Gemeinde Schalksmühle erstatten zu lassen. „Weder zeitlich noch wirtschaftlich gibt es somit ein zwingendes Argument dafür die Mitarbeiter nicht gehen zu lassen“, schreibt die Feuerwehr und verweist zudem auf die gesetzliche Verpflichtung der Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter zu einem Einsatz der Feuerwehr fahren zu lassen. Geregelt ist dies im Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz des Landes NRW. „Ein Entscheidungsspielraum für Arbeitgeber und Mitarbeiter besteht deshalb eigentlich gar nicht“, so die Feuerwehr.

„Das Ehrenamt ist für uns mit das höchste Gut in der Gemeinde. Das sehen wir nicht nur an der Feuerwehr oder dem Roten Kreuz, sondern beispielsweise auch den vielen Helfern des Netzwerks Flüchtlingshilfe. Viele Kommunen stehen finanziell jetzt schon mit dem Rücken zur Wand, ohne das Ehrenamt wären viele Dinge gar nicht zu leisten“, sagt Bürgermeister Jörg Schönenberg.

Großes Verständnis in Familienbetrieben

In vielen Familienbetrieben sei das Verständnis für Wehreinsätze während der Dienstzeit groß, die Bereitschaft zur Freistellung nehme allerdings ab, je mehr die Anonymität zunehme und die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund rücke. Verschärft werde das Problem durch die generell abnehmende Tagesverfügbarkeit, weil immer mehr Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr nicht unbedingt in Wohnortnähe arbeiten.

„Das zu händeln wird in den nächsten Jahren sicher nicht einfacher. Noch sind wir in Schalksmühle aber recht gut aufgestellt und arbeiten daran, die Einsatzfähigkeit der Wehr auch in Zukunft sicherzustellen“, sagt Schönenberg. Ein ganz wichtiger Aspekt sei dabei eine funktionierende Jugendfeuerwehr. Denn sollte der Nachwuchs einmal fehlen, hätte das für Schalksmühle schwerwiegende Folgen. „Das würde zu einer hauptamtlichen Wehr und damit erheblichen Belastungen des gemeindlichen Haushalts führen“, sagt Schönenberg.

Damit es so weit nicht kommt, fordert die Feuerwehr die Unternehmen auf, mit ihren Mitarbeitern über dieses Thema zu sprechen und eine „einvernehmliche Lösung zu finden, damit die Feuerwehr auch in Zukunft nicht zu spät kommt“.

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