816 Elektrodosen geklaut: Geldstrafe und Kündigung

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Schalksmühle - Weil ein 59-Jähriger von seinem Arbeitgeber aus Schalksmühle 816 Elektrodosen aus dem Schrott mitgehen ließ, wurde er jetzt wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe verurteilt. Deutlich mehr als die Summe von 400 Euro dürfte den Familienvater aber die fristlose Kündigung treffen.

Schon beim Mitnehmen von Sperrmüll bewegt man sich am Rande der Legalität. Ganz vorsichtig sollte man jedoch mit den Abfällen umgehen, die im Umfeld des Arbeitsplatzes anfallen: „Man kann nicht vom Arbeitgeber den Müll mitnehmen“, sagte Richterin Kristina Thies in einem aufschlussreichen Strafverfahren im Amtsgericht Lüdenscheid, das gleichwohl mit einem relativ milden Urteil gegen einen 59-jährigen Halveraner endete: Der zuvor völlig unbescholtene Mann muss wegen Diebstahls eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 20 Euro zahlen.

Die schlimmste Sanktion hatte den Mann allerdings schon zuvor getroffen: Die Kaiser-Elektro GmbH in Schalksmühle hatte ihm nach dem tiefen Griff in den Schrottcontainer fristlos gekündigt.

In Säcken aus dem Unternehmen geschleppt

Laut Anklage hatte der Mitarbeiter 816 Elektrodosen in Säcken aus dem Unternehmen geschleppt – Ausschussware, die maschinell ohne weitere Kontrolle aussortiert werde, erklärte der Angeklagte. Das gelte auch für die 575 Dosen, bei denen nur noch eine einzige Schraube gefehlt habe, um sie zu vervollständigen. Auch diese würden bei Kaiser regelmäßig aussortiert.

Entschieden wies der Angeklagte den Vorwurf zurück, dass sich in den abtransportierten Säcken nicht nur Ausschussware befunden habe: Nicht er selbst habe die Abfallsäcke so zusammengestellt, sondern Kollegen hätten sie für den Abtransport durch ein Entsorgungsunternehmen entsprechend vorbereitet.

Warum aber nahm der Mitarbeiter die Ausschussware überhaupt mit? Durch Nacharbeit könne man aus etwa vier solchen Dosen eine funktionierende Dose herstellen, erläuterte der 59-Jährige. „Ich wollte 50 Dosen daraus machen und meinem Bruder schenken.“ Und: „Das ist doch nicht alles Müll – das kann man doch noch gebrauchen“: Da war es, das vertraute und in anderen Zusammenhängen durchaus vernünftige: „Das ist doch noch gut.“

„Das geht gegen die Qualitätsansprüche“

Der kaufmännische Leiter des Unternehmens erläuterte, warum Kaiser ein großes Interesse daran habe, dass Ausschuss auch Ausschuss bleibe. „Ist das in Ordnung, wenn Mitarbeiter den Müll mitnehmen?“, fragte die Richterin. „Das geht gegen die Qualitätsansprüche der Firma“, antwortete der Zeuge und verwies auf eine Produkthaftpflicht. Denn Müll hin oder her: Bauart und möglicherweise das Firmenlogo verweisen auf das Unternehmen. „Die Dosen sollen nicht auf den Markt kommen. N.i.O.-Ware (Nicht-in-Ordnung-Ware, Anm. d. Red.) ist N.i.O.-Ware.“

Der Angeklagte hätte genau das hören können, wenn er vor dem Einpacken des Ausschusses gefragt hätte. Das allerdings hatte er versäumt. Nachvollziehbare Rechtfertigungen für sein Verhalten gab es einige, auch Mitgefühl, weil die Kündigung den ansonsten rechtschaffenen Familienvater wirklich hart erwischt hatte, doch es blieb das Faktum eines Diebstahls: „Das ist ja nicht Ihr Müll, sondern der Müll Ihres Arbeitgebers!“, stellte die Richterin fest.

Und der 59-Jährige gab sich einigermaßen geschlagen: „Ich habe mir das selbst zuzuschreiben. Ich habe einfach Mist gebaut.“

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