Tag der Deutschen Einheit: Feierstunde im Rathaus

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Neben Bürgermeister Jörg Schönenberg (vorne, rechts) sprach im Rahmen der Feierstunde auch Hans-Joachim Ziegler (vorne, Vierter von rechts), erster Bürger in Ruhla.

Schalksmühle - Im Großen und Kleinen nahmen Bürgermeister Jörg Schönenberg und sein Amtskollege Hans-Joachim Ziegler, Bürgermeister der Partnerkommune Ruhla im Thüringer Wald, am Montag bei der Feierstunde im Rathausfoyer zum Tag der Deutschen Einheit politische Entwicklungen gestern und heute in den Blick.

In seiner Rede ging Schönenberg auf die gesamteuropäischen Bedingungen des Einigungsprozesses ein. Eigene Faszination der Ereignisse, die 1989 zum Fall der Mauer und ein Jahr später zur Wiedervereinigung Deutschlands führten, schloss er in seine Rede ein. Unter anderem die Alexanderplatz-Demonstration, an der sich rund 500 000 Menschen beteiligten, führte er an. „Fünf Tage später fiel die Berliner Mauer.“

Gerade unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Ereignisse erscheine ihm eine Erinnerung an die Zeit der Überwindung der deutschen Teilung und damit der Zeit des Kalten Krieges und des Eisernen Vorhangs quer durch Europa notwendig. Aus seiner Sicht sei der deutsche Einigungsprozess stets in einen europäischen Einigungsgedanken eingebettet gewesen.

Die politischen Prozesse seien damals von zunehmendem gegenseitigem Vertrauen und Respekt gegenüber den jeweiligen Verhandlungspartnern geprägt gewesen. „Leider habe ich in den letzten Monaten mehr und mehr den Eindruck gewonnen, dass diese Entwicklung sich nicht mehr fortsetzt, sondern dass in zunehmendem Maße nationale Gedanken und Interessen im Vordergrund stehen.“

"Erneuerung des Einigungsgedankens"

Sowohl die Verdienste Helmut Kohls und Michail Gorbatschows als auch die der Kohl-Vorgänger Willy Brandt und Helmut Schmidt sprach er an. Mittlerweile finde die EU nur noch sehr schwer gemeinsame Antworten auf die derzeitigen Probleme. Notwendig sei „dringend eine Erneuerung des europäischen Einigungsgedankens.“

Aus unmittelbarer Betroffenheit beleuchtete Hans-Joachim Ziegler die spannungsreiche Zeit der Wende. „Es war ein wunderschöner Sommer, aber es lag auch Spannung in der Luft.“ Auch in Ruhla seien damals Menschen zusammengekommen, um eine Veränderung herbeizuführen.

Trotz vorheriger Bemühungen sei der Weg zur Partnerschaft zwischen Schalksmühle und Ruhla erst 1989 frei geworden. Vor dem Hintergrund nahezu identischer Industriegeschichte meinte Ziegler: „Der Menschentyp passt. Deshalb war die Entscheidung richtig.“

Von der Abwicklung großer Betriebe nach der Wende und der Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Firmen wie Opel, Bosch und BMW in Eisenach berichtete er. „In relativ kurzer Zeit wurde wieder eine Perspektive gefunden.“ Herausforderungen heute seien Kreisumlage oder Gebietsreform. Auch das Flüchtlingsthema kam zur Sprache. „Wir haben Flüchtlinge, aber durch das Ehrenamt kein Flüchtlingsproblem“, lobte Ziegler bürgerschaftliches Engagement.

„Uns ist es noch nie so gut gegangen“

Mit den Worten: „Es ist uns noch nie so gut gegangen wie heute. Von daher werden wir auch diese Probleme meistern“, mahnte Jörg Schönenberg abschließend in Sachen Flüchtlingspolitik Besonnenheit an.

Musikalisch umrahmten Dewitt Rutkowski und Daniel Tancev von der Musikschule Volmetal – Bezirk Schalksmühle – die Feierstunde. Feierliche Klaviermusik von Ludovici und Chopin sowie einen temperamentvollen ungarischen Tanz von Brahms führten die beiden Pianisten im Gepäck.

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