Duo "2Flügel" tritt in Heedfeld auf

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Das Duo „2Flügel“, Christina Brudereck und Benjamin Seipel, trat am Sonntagabend mit seinem aktuellen Programm „Wo auch immer“ in der Heedfelder Kirche auf.

Heedfeld - Unter dem Motto „Wo auch immer“ bescherte das Duo „2Flügel“ seinem Publikum am Sonntag in der fast vollbesetzten Heedfelder Kirche einen wahrhaft „beflügelnden“ Abend.

Die aus Schalksmühle stammende Theologin, Evangelistin und Autorin Christina Brudereck und Benjamin Seipel, Pianist, Komponist und Dozent der Musikhochschule Köln, präsentierten Texte und Lieder des Widerstandes und der Hoffnung, „Lieblingsgeschichten“ aus den USA, Israel, Südafrika und Deutschland, Stücke vom Fernweh und Heimweh und von der Sehnsucht nach einem Zuhause für die Seele.

Die musikalische Fahrt in andere Teile der Welt begann mit dem Song „Das Leben ist wie eine Reise“. Brudereck schilderte ihre Erinnerungen an ihren ersten Aufenthalt in Südafrika, an Slums, Blechhütten und Kinder, die im Müll nach etwas Essbarem suchten. Vor allem aber beschrieb sie den Jubel in Südafrika über die Freiheit und Nelson Mandelas Vereidigung als Präsident nach 27-jähriger Haft.

Bewegend und berührend kamen ihre Geschichten von dem Fotografen, der zwei „Sterne“ an der Mauer zwischen Israel und Palästina ablichten wollte, von dem palästinensischen Buchhändler in Jerusalem, für den die endlich erlangte israelische Staatsbürgerschaft „Heimat, Freiheit und Glück“ bedeutete und von der jüdischen Pianistin Alice Herz-Sommer daher, die im Konzentrationslager Theresienstadt mehr als100 Konzerte gab und den Holocaust überlebte, weil – wie sie erklärte – „Beethoven sie gerettet habe“.

Zungenzerbrecherisches und Wortwitz

Zungenzerbrecherisches, Wortwitz und Texte, die zum Schmunzeln und Applaudieren anregten und köstliche „Reisetipps“ bildeten einen reizvollen Kontrast zu aufrüttelnden Passagen, in denen es zum Beispiel um Charlie Chaplin und die Hetze des FBI gegen ihn oder um die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ging.

Deren wiedergewonnene Freiheit, die Wiedervereinigung Deutschlands, die Überwindung der Apartheid in Südafrika und das Zusammenbrechen anderer „Mauern“ standen dafür, „dass Veränderungen möglich sind“ und regten Benjamin Seipel dazu an, zusammen mit dem Publikum – frei nach Marius Müller-Westernhagen – den Wiedervereinigungssong „Freiheit“ anzustimmen.

Ein musikalisch-lyrisches Mosaik

Solche stimmungsvollen Momente ergaben ein musikalisch-lyrisches Mosaik, dessen Faszination sich wohl kaum jemand zu entziehen vermochte. Seipel griff stets die Stimmungen der Texte auf und beeindruckte durch sein intensives Tastenspiel. Mit Klavier und Gesang, kunstvollen Variationen und Improvisationen, eigenen Kompositionen und Lautmalereien gelang es ihm, sein Publikum so zu beeindrucken, dass er immer wieder mit Beifall bedacht wurde. Besonders bewegend war das „Lied über das Leben“, mit dem Seipel beschrieb, wie Regisseur Christoph Schlingensief sich nach seiner Krebsdiagnose wünschte, vor seinem Tod „die kleinen Dinge im Leben“ noch einmal genießen zu dürfen.

Dafür, dass Begegnungen positive Veränderungen zur Folge haben können, führte Christina Brudereck eine internationale Fluggesellschaft als Beispiel an, für die sich das Warten lohnte, weil alle sich während dieser Zeit näher kamen. Und für Desmond Tutus Lebensweg war die Begegnung mit einem weißen Priester entscheidend, der vor allen Menschen – gleich welcher Hautfarbe – seinen Hut zog, weil er in jedem ein Ebenbild Gottes sah.

"Schokoladen-Ballade" als "köstliche Zugabe"

Mit einem Potpourri, in dem die meisten an dem Abend erklungenen Melodien mit „Der Mond ist aufgegangen“ und „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ verschmolzen, ging das Programm zu Ende. Mit der „Schokoladen-Ballade“ als „köstlicher Zugabe“ verabschiedet sich Brudereck vom Publikum.

Gemeindepfarrerin Doris Korte bedankte sich bei „2Flügel“ für die „besonderen Poesie- und Klangerlebnisse“. Gleichzeitig weckte sie die Vorfreude auf das nächste Konzert im Rahmen der „Kleinen Musiken“ in der Heedfelder Kirche: Am 25. September wird dort Musik aus Irland präsentiert.

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