Bewährungsstrafe nach Metalldiebstahl in Schalksmühle

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Schalksmühle - Tränen während einer Urteilsverkündung – das gibt es häufiger in Gerichtssälen. Doch der Anlass waren weniger der Verlauf der Verhandlung und das Strafmaß als vielmehr die Stimme des Papas, der seinen 23-jährigen Sprössling aus Rumänien im Amtsgericht Lüdenscheid anrief, um über dessen Rückkehr zu sprechen.

Schon in von der Polizei mitgelesenen Briefen hatte der junge Mann seiner Familie mitgeteilt, dass er großen Mist gebaut habe. Und über diesen war gerade verhandelt worden: Am 20. Juli wurden die Schlösser von zwei Altmetallcontainern auf dem Gelände der Firma Spelsberg aufgebrochen. Die Täter hatten bereits Aluminiumschrott im Wert von 100 Euro in eines von zwei Fahrzeugen geladen, als die Polizei eintraf. Den Wert des Metalls, das die Einbrecher noch zum Einladen vorbereitet hatten, schätzte der als Zeuge geladene Fertigungsleiter des Unternehmens auf eine vierstellige Summe: „Vermutlich.“ 2000 Euro sollen es laut Anklage gewesen sein.

Der 23-Jährige wurde vorläufig festgenommen. Er verbrachte die Zeit seit dem Einbruchdiebstahl in Untersuchungshaft. „Wie waren die zwei Monate?“, fragte Richter Andreas Lyra den jungen Angeklagten, der sich offenbar nicht rundum wohlgefühlt hatte.

Er war umfassend geständig und berichtete, wie er nach Deutschland gekommen sei, um hier Arbeit zu finden. Irgendwann habe ihn dann jemand in einem Internet-Café angeheuert, um als Fahrer bei der nächtlichen Spelsberg-Aktion mitzumachen. 100 Euro seien ihm dafür versprochen worden, erzählte der Angeklagte.

„Sie haben versucht ihr Glück zu finden“

Richter Andreas Lyra würdigte das Aussageverhalten des 23-Jährigen und erinnerte sich an andere Strafverfahren: „Die meisten Kollegen tun sich schwer mit Geständnissen.“ Fünf Monate Haft auf Bewährung gab es schließlich für den jungen Rumänen, der davon bereits fast die Hälfte verbüßt hatte. „Sie haben versucht, ihr Glück hier zu finden und sind dann da ein bisschen reingerutscht“, fasste der Richter die Geschichte zusammen und erlaubte das Telefonat mit dem Papa.

Verteidigerin Julia Kusztelak übergab ihrem Mandanten 200 Euro von der Familie, die die Rückkehr nach Rumänien ermöglichen sollen. „Sie können es dann alles persönlich erzählen“, erinnerte der Richter daran, dass der Rest der verhängten Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde.

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