Auftakt beim Totschlag-Prozess: Opfer vermutlich erstickt

Schalksmühle/Hagen - Mit einem weitgehend schweigenden Angeklagten und 13 Zeugen begann am Montag der Prozess gegen einen 41-jährigen Schalksmühler, der in der Nacht vom 9. auf den 10. März seine 18-jährige Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung in Reeswinkel erstochen hatte. Einige der 53 Schnitt- und Stichverletzungen hätten große Arterien und den Brustraum des Opfers getroffen, erklärte Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn bei der Verlesung der Anklage. Der eintreffende Notarzt hatte nur noch den Tod feststellen können.

Da sich der Blutverlust in Grenzen gehalten habe, vermutete dieser Zeuge, dass das Opfer durch die „Schnittverletzungen im Thoraxbereich“ erstickt sei. Schon diese Details deuten an, dass im weiteren Verlauf des Verfahrens keine leichte Kost im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Hagen zu erwarten sein wird, wo sich der Angeklagte wegen Totschlags verantworten muss. Dennoch kamen etwa 20 Zuschauer in den Saal, die offenbar mehr über die grässliche Tat wissen wollen.

Der Angeklagte verfolgte die meisten Zeugenaussagen mit geschlossenen Augen, was die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen dazu veranlasste, kurz innezuhalten und beim Angeklagten nachzufragen: „Sind Sie noch bei uns?“

Die meisten Zeugen waren dem Angeklagten am Morgen des 10. März zwischen dem Hagener Polizeipräsidium in Hoheleye und dem Johannes-Hospital in Boele begegnet. Mit Blut an der Kleidung war der 41-Jährige gegen halb sieben Uhr morgens angetrunken ins Bürgercenter der Polizei gekommen und hatte sich dort weinend auf den Boden gleiten lassen. Einen kleinen Welpen, den er mitgebracht hatte, hatte er zuvor laufen lassen. „Ich habe meine Frau umgebracht“, erklärte er einem 61-Jährigen Polizeibeamten, der ihn zunächst – auch wegen des Hundes – gestoppt hatte: „Daraufhin kam er doch rein“, erklärte der Zeuge trocken. Er erinnerte sich an eine etwas unfeine Nachfrage des 41-Jährigen: „Bist du bescheuert?“ Denn der Schalksmühler war ungehalten, weil er mit seinem Anliegen schon an der Stadtwache der Polizei Hagen abgewiesen worden war.

Die nächsten Stationen konnte der Besucher, der sich offenbar in einem emotionalen Ausnahmezustand befand, nicht alleine bewältigen: Beamte trugen ihn fort und fixierten ihn, weil sie noch nicht so recht wussten, was sie von dem Besucher und seinen Ausrufen halten sollten. Sie interessierte vor allem eine Frage, die allerdings noch mindestens eine Stunde lang unbeantwortet blieb: Wo ist der Ort des Geschehens? Und ist dort möglicherweise noch jemand zu retten? Um 8.20 Uhr traf der Notarzt an der Wohnung des Paares ein, ohne noch irgendetwas für das Opfer tun zu können. Das, was die Zeugen an spontanen Ausrufen des Angeklagten erinnerten, bestätigte die Vermutung, dass es sich bei der Tat um ein Beziehungsdrama gehandelt hatte: „Sie hat mir keine Wahl gelassen“, erinnerte sich ein Zeuge an einen Satz des 41-Jährigen. „Ich wollte das nicht“ war ein weiterer dieser Sätze.

Der Prozess wird am 13. September ab elf Uhr im Landgericht fortgesetzt.

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