Zecken-Alarm auch in Meinerzhagen

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„Wir haben ein intensives Zeckenjahr“, weiß der Meinerzhagener Tierarzt Dr. Schulze Johann, hier mit seinem Hund „Ari“.

Meinerzhagen - Zecken sind lästig. Sie sind winzig – und gefährlich. Und der Meinerzhagener Tierarzt Dr. Rainer Schulze Johann hat festgestellt: „Wir haben ein intensives Zeckenjahr.“

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Landesbetrieb Wald und Holz etwa 60 000 bis 70 000 Menschen an der Lyme-Borreliose. Das sei eine der häufigsten „Zoonosen“, also von Tieren auf Menschen übertragenen Krankheiten in Mitteleuropa, heißt es weiter.

„In Nordrhein-Westfalen sind etwa zehn Prozent der Zecken Überträger von Borrelien. Diese Bakterien lösen die Lyme-Borreliose aus“, warnen die Forst-Experten von Wald und Holz. Die Erkrankung ist alles andere als harmlos, sie kann Organe befallen – Gelenke, Haut und Nervensystem werden manchmal geschädigt. Bei einer Borreliose-Infektion können auch erkältungsähnliche Symptome auftreten wie Kopfschmerzen, Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen.

„Auch in unserer Gegend kommt die Borreliose vor. In meiner Praxis haben wir eine Zecke auf den Erreger testen lassen, die wir bei einem Hund entfernt haben. Das Ergebnis war positiv“, berichtet Dr. Schulze Johann.

Der Veterinär weiß aber auch, dass eine Behandlung dieser Krankheit möglich ist: „Eine komplette Erregerfreiheit zu erreichen, ist allerdings schwierig. Generell gilt, dass Hunde stärker befallen werden als beispielsweise Katzen.“ Doch ein Schutz vor dem Erreger ist laut Schulze Johann möglich: „Die Prävention bei Tieren ist durch so genannte Antiparasitika möglich. Halsbänder und andere Mittel bieten Schutz.“ Der Tierarzt empfiehlt in diesem Zusammenhang vom Veterinär verschriebene Arzneien. Schulze Johann: „Auch im Zoff-Fachhandel gibt es Mittel, doch die enthalten eigentlich nur reine Duftstoffe ohne abtötende Wirkung.“

Theoretisch könnte ein Haustier den kleinen Blutsauger auch mit in die Wohnung bringen. Dass der dann abfällt und sich ein Familienmitglied als „Wirt“ aussucht, hält Dr. Schulze Johann aber für eher unwahrscheinlich.

Försterin Christa Vitt-Lechtenberg vom Landesbetrieb Wald und Holz weiß ebenfalls um die gestiegene Zecken-Gefahr: „Die Zahl der Borreliose-Infektionen hat in den 2000er-Jahren stetig zugenommen. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass die Leute häufiger in den Wald gehen, durch Sportarten wie Mountain-Biking oder Geocaching oder zum Brennholzsammeln.“ Am ehesten lauern Zecken nach ihrer Erfahrung in hohem Gras und kleinen Gebüschen.

Christa Vitt-Lechtenberg hat einige Tipps parat: „Am besten schützen sich Spaziergänger und Wanderer, indem sie auf den Wegen bleiben. Im Gelände trage ich immer lange Hosen und lange Ärmel und empfehle, die Strümpfe über die Hosenbeine zu ziehen, damit die Zecken nirgendwo reinkommen. Es hilft auch, nach einem Ausflug ins Gras Hosenbeine und Schuhe abzusuchen oder mit einer Kleiderbürste abzubürsten. Helle Kleidung ist besser als dunkle, weil man darauf die dunklen Zecken gut erkennen kann. Nach dem Ausflug ins Gelände sollten Kniekehlen, Achselhöhlen, Leistengegend, der Schritt und der Haaransatz abgesucht werden.“

Und was tun, wenn der Kopf des Tieres nach dem Versuch, die Zecke zu entfernen, in der Haut bleibt? Vitt-Lechtenberg „Es bleibt nicht wirklich der Kopf zurück, sondern manchmal ein Teil des Mundwerkzeugs. Das ist kein Grund zur Panik. Das verschwindet normalerweise nach ein paar Tagen. Nur wenn der Stich tagelang gerötet bleibt und juckt, oder wenn sich eine ringförmige oder kreisförmige Hautrötung um den Stich herum bildet, sollten die Betroffenen zum Arzt gehen.“

Zecken übertragen auch „FSME-Erreger“. An Hirnhautentzündung Erkrankte leiden häufig unter schweren Symptomen, die klinisch behandelt werden müssen. Die gute Nachricht: 142 Kreise in Deutschland gelten laut Wald und Holz derzeit als FSME-Risikogebiete; 72 davon in Bayern, 43 in Baden-Württemberg, weitere in Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und im Saarland – Nordrhein-Westfalen gehört nicht zu den betroffenen Regionen.

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