Wie viel Rotwild zieht durchs Ebbe?

Wie viel Rotwild gibt es im Ebbe? Eine Zählung soll dazu dienen, genauere Zahlen zu ermitteln. - Archivfoto: Schmidt

Meinerzhagen - In welcher Anzahl zieht das Rotwild – die größte heimische Hirschart – im Ebbe seine Fährte? Niemand weiß es.

Man muss es aber wissen, um die nachhaltige Bejagung, ausgerichtet an den biologischen Bedürfnissen und entsprechender Gliederung im artspezifischen Sozialgefüge des Wildes, zu gewährleisten.

Jagdausübende sind gesetzlich verpflichtet, einen gesunden Wildbestand unter Berücksichtigung der Ansprüche der Land- und Forstwirtschaft sowie der Belange von Naturschutz und Landschaftspflege zu erhalten.

Für die in der Rotwildhegegemeinschaft Ebbegebirge zusammengeschlossenen Jagdreviere galt ursprünglich ein Zielbestand von 90 Stücken Rotwild als Basiswert. Diese Begrenzung ist zwar durch das neue Jagdgesetz aufgehoben, an der Notwendigkeit einer angemessenen Bejagung ändert sich dadurch aber nichts. In den vergangenen Jahren verstärkte sich der Eindruck, dass es daran mangele – vor allem beim weiblichen Wild. Als das vorgegebene Abschuss-Soll im vorvergangenen Jagdjahr deutlich unterschritten wurde, gab es zur Bestandsgröße lediglich Schätzungen nach der „Faustregel“: Wenn wenig Wild erlegt wird, wird auch wenig vorhanden sein. „Das ist mir alles zu schwammig“, kritisierte Kreisjagdberater Bernd J. Schmitt. Er mahnte verlässliche Zahlen an. Mit 50 zu schießenden, jedoch nur 42 erlegten Stücken wurde der letzte Bejagungsplan wiederum nicht erfüllt. Damit dem in Kürze neu zu erstellenden Plan belastbare Zahlen zugrunde liegen, wird aktuell in den Revieren eine möglichst flächendeckende Rotwildzählung durchgeführt.

Landschaftsökologe Frank Christian Heute, der auch Untersuchungen zwecks Unfallvermeidung mit Rotwild im Bereich Nordhelle (an der Landstraße 707) erstellte, hält davon nichts. „Die Ermittlung des Wildbestandes mit herkömmlichen Methoden – wie der Schätzung nach Sichtbeobachtung – kann nicht funktionieren.“ Fehleinschätzungen als Grundlage für die Bejagungsplanung führten zwangsläufig zum Anwachsen der Bestände. Das Rotwild als Tierart des „Offenlandes“ finde in zersiedelten und von Verkehrswegen zerschnittenen Gebieten ohnehin kaum mehr Lebensraum und schädige in zu hoher Dichte seinen Ersatzlebensraum Wald. Die durch den Orkan „Kyrill“ entstandenen Freiflächen hätten nur kurzzeitig zu verbesserten Lebensbedingungen geführt. Der Experte zieht Bilanz: „Nötig ist eine effektive Rotwild-Reduktion samt den Hegegemeinschaften auferlegten Mechanismen zur Erfolgskontrolle.“ Kälber sollten bereits im Frühherbst und die dann nicht mehr führenden Mütter bei späteren Drückjagden erlegt werden.

„Wir zählen nach dem traditionellen Ansitzverfahren“, sagt der Vorsitzende Klaus Lomnitz. Zuverlässigere Methoden wie professionelle Scheinwerfer- oder Laserzählungen durch unabhängige Gutachter seien äußerst aufwendig und kostspielig. Die aktuellen Zählergebnisse werden bei der Jahreshauptversammlung am 18. Mai bekanntgegeben.

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