Drei Profis arbeiten am Windrad

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Sicherheit geht vor. Ist der Wind zu stark, bleibt die Bühne am Boden.

Valbert - Sie arbeiten schon lange als ein eingespieltes Team. Und als solches waren sie auch in den letzten Tagen im Einsatz. Ihr Arbeitsplatz indes ist außergewöhnlich.

Dabei war die jeweilige Fahrt vom Haus Nordhelle, wo Micheal Waldheim, Peter Ostmann und Mirko Specht ihr Quartier bezogen hatten, ganz alltäglich. Bis zum Einsatzort in Mittelhagen brauchten sie für die 2,5 Kilometer Wegstrecke gut fünf Minuten – für die dann noch fehlenden 85 Meter allerdings mehr als zehn Minuten. Der Grund hierfür: Der letzte Streckenabschnitt war nämlich in der Senkrechten zu überwinden.

So sollte es auch am Mittwochmorgen sein. Deswegen standen die drei pünktlich um 8 Uhr an einer der beiden Windkraftanlagen in Mittelhagen bereit, um dort Wartungsarbeiten an den Rotorblättern vorzunehmen. In den Tagen davor hatten sie dies bereits am benachbarten Windrad erledigt.

Vor Ort hielt sich dann allerdings ihr Arbeitseifer in Grenzen. „Wir müssen eine Windstärke von maximal zehn Metern in der Sekunde haben. Darüber können wir mit der Arbeitsbühne nicht rauffahren“, erklärte Peter Ostmann. Zu groß wären die Windkräfte sonst für die etwa 1,5 Tonnen schwere Arbeitsplattform, auf der er mit seinem Kollegen Michael Waldheim seinen Job macht. Der bestand bei den 35 Meter langen Rotorblättern aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) darin, schadhafte Stellen auszubessern und ebenso den speziellen Schutzlack an den Rotorspitzen. „Die Witterungseinflüsse setzen natürlich dem Material zu. Gerade Staubablagerungen wirken dabei im Betrieb der Anlage wie Schmirgelpapier“, erläuterte Peter Ostmann und er berichtete, dass bei „gutem Wind“ an den Flügelspitzen Tempi von deutlich über 300 km/h erreicht werden.

Gegen Mittag war es dann endlich so weit. Im Schneckentempo wurde die Arbeitsbühne, sie hängt grundsätzlich an beiden Seiten an je zwei neun Millimeter starken Stahlseilen, in die Höhe gezogen. Rauf und auch runter geht es dabei mit rund sechs Metern in der Minute. Bei dem Tempo bleibt genügend Zeit, die die beiden Fachleute auch nach vielen Arbeitsjahren immer noch nutzen, sich die umliegende Gegend aus einer unvergleichlichen Perspektive anzusehen. Ohne technische Hilfsmittel leistete ihnen ein in der Luft stehender Bussard dabei Gesellschaft.

Nach gut zehn Minuten war es dann mit dem Genuss der Aussicht vorbei. In der sogenannten „Ypsilon-Stellung“ waren die Rotorblätter arretiert, so dass der nach unten gerichtete von ihnen direkt erreichbar war. Ihm rückten die beiden dann mit Werkzeug und Spezialfarbe „zu Leibe“. Trotz der zulässigen Windstärke immer noch längst keine „statische“ Angelegenheit.

Als dritter Mann, auch für den Notfall, saß Mirko Specht im steten Funkkontakt bereit. Beim ersten Eindruck konnte man daher meinen, er habe sich den gemütlichsten Teil der Teamarbeit ausgesucht. Allerdings wäre das eine ganz falsche Auffassung. Denn Specht war gleich zu Beginn der Arbeiten an der gewaltigen Anlage die mehr als 300 Leitersprossen bis zum Maschinenhaus hinaufgestiegen, um die Befestigungen für die Zugseile der Bühne anzubringen. Auf seinem Weg dorthin war er stets mit zwei Gurten mit Bremsmechanik, welche permanent mit der Leiter verbunden sind, gesichert.

Praktisch in ganz Deutschland, vornehmlich in der südlichen Hälfte, war und ist das Trio im Einsatz. Das oberste Gebot lautet dabei: Die Sicherheit und das absolute Vertrauen in den Partner. Um dem im Notfall helfend zur Seite stehen zu können, werden bei der Arbeit ständig mehrere Gerätschaften zur Höhenrettung mitgeführt. „Drei Mal im Jahr üben wir den Ernstfall, der hoffentlich nicht eintritt“, so Michael Waldheim.

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