Vokalensemble Vivendi begeistert

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Zu einer Reise durch 500 Jahre Kirchenmusik hatte das Vokalensemble Vivendi am vergangenen Sonntag in die Jesus-Christus-Kirche eingeladen.

Meinerzhagen - In eine Zeitmaschine verwandelte das Vokalensemble Vivendi am Sonntagnachmittag im Rahmen eines Konzertes die Jesus-Christus-Kirche. Zum Start der Reise durch 500 Jahre Kirchenmusik hatten sich rund 80 Zuhörer eingefunden.

Von der Renaissance bis in die Moderne führte der interessante Streifzug. Die jeweilige Epoche wurde mit einleitenden Texten, verfasst von Kerstin Busch-Engelbrecht und gelesen von den Sängerinnen und Sängern, vorgestellt. Sie machten deutlich, welchen Einfluss der geschichtliche Hintergrund auf das Schaffen der Komponisten hatte, die entweder die geistigen Strömungen ihrer Zeit aufnahmen oder aber mit ihrer Musik dagegen opponierten.

In der Renaissance liegt die Geburtsstunde des mehrstimmigen Gesangs mit Sopran, Alt, Tenor und Bass, der von Vivendi auf hohem Niveau gepflegt wird. Durch die Erfindung des Buch- und Notendrucks wurden die Kompositionen und Texte, die in Kirchen gesungen werden sollten, mehr Menschen zugänglich. Klangbeispiele aus jener Zeit lieferte das Vokalensemble mit Musikstücken von Giovanni de Palestrina und Orlando di Lasso.

Die Sopranstimmen von Vivendi gehören Birgit Claus und Kristina Gans, die Altstimmen Daniela Hampel und Petra Kurzawski. Jean-Marc Peyrounette und Carsten Wolf sind die Tenöre, und für die Stimmlage Bass sind Dirk Gerlach und Detlev Haak zuständig.

Mit Präludium und Fuge in D-Dur von Dietrich Buxtehude führte Johannes Köstlin an der Orgel in die Zeit des Barocks. Eine Zeit der Gegensätze: Des „schönen Scheins“ – lebensbejahend und opulent – und des „memento mori“ (gedenke des Todes), geprägt von Krankheiten, Seuchen und den Zerstörungen des 30-jährigen Krieges. Mit dem jubilierenden „Exultate Deo“ von Scarlatti und dem getragenen „Vater unser“ von Heinrich Schütz machte Vivendi den Gegensatz deutlich.

Mit „Wohl mir, dass ich Jesum habe“ von Johann-Sebastian Bach zur Orgelbegleitung von Johannes Köstlin schaffte Vivendi den fließenden Übergang zur Klassik, in der Komponisten gern ein Grundmuster aus acht Takten verwendeten und ein Thema oder Motiv das ganze Stück in vielen Variationen durchzieht. Zu ihren Vertretern gehören auch Mozart und Schubert, von denen Vivendi „Ave verum corpus“ und „Heilig ist der Herr“ zu Gehör brachten.

Zu Beginn des industriellen Zeitalters, als die Naturwissenschaften immer wichtiger wurden, wandten sich viele Menschen von der eigenen Zeit ab und flohen in eine Welt der Gefühle und der Mystik, beschäftigten sich mit Religion, lobten Fantasie, Traum und die Natur. So auch die Komponisten César Frank, Anton Bruckner, Edvard Grieg oder Felix Mendelssohn-Bartholdy, die, wie auch Frédéric Chopin, die Zeit der Romantik prägten.

Mit „Jubilate Deo“ (Lázló Halmos), „All things are beautiful“ (John Rutter), „Thy will be done“ (Joakim Arenius) führten Vivendi und Johannes Köstlin (diesmal am Klavier) die Zuhörer ebenso einfühlsam und kompetent wie auf der ganzen „Reise“ in die Moderne, die von der Globalisierung geprägt wird und viele Musiktraditionen zusammenführt und zu etwas Neuem verbindet. Mit viel Applaus belohnten die Zuhörer Sänger und Musiker für interessant „verpackte“ Informationen, exzellenten Gesang und virtuoses Instrumentenspiel. In das letzte Lied „Gott sei über dir“ konnten sie mit einstimmen.

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