29-Jährige klaut Rentner 1535 Euro

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Statue Justitia - Weniger Verfahren vor Gerichten

Meinerzhagen - Sechs Monate ins Gefängnis muss eine 29-jährige Frau aus Rumänien. Das entschied das Amtsgericht Meinerzhagen

Was war passiert? Es war der 23. Dezember vergangenen Jahres, als ein 89-Jähriger, mutmaßlich als Weihnachtsgeschenk für seine Enkel, mehr als 1000 Euro vom Konto abhob. Kurz darauf wurde er in Meinerzhagen unter dem Vorwand, Spenden zu sammeln, von einer Rumänin angesprochen. Großzügig gab er der Frau zehn Euro. Beim Herausnehmen des Betrags sah die Frau, dass der Rentner noch mehr Geld in seinem Portemonnaie hatte. Während einer als Dankeschön getarnten Umarmung klaute die 29-Jährige mehrere Scheine aus der Geldbörse des Mannes, insgesamt 1535 Euro.

Am Dienstag musste sich die Diebin im Amtsgericht Meinerzhagen verantworten. Urteil: sechs Monate Haft. „Ich bereue das“, ließ die angeklagte Dortmunderin über eine Dolmetscherin erklären. Sie habe drei Kinder und keine Arbeit. In Rumänien sei sie nicht zur Schule gegangen, könnte weder lesen noch schreiben und auch kein Deutsch. Seit etwa drei Jahren sei sie in Deutschland, habe erst vor Kurzem einen Job als Reinigungskraft bekommen. Dass sie dem älteren Mann so viel Geld gestohlen hatte, sei ihr nicht bewusst gewesen: „Ich dachte, es wären so 20 oder 30 Euro.“

Ein Zeuge hatte den Diebstahl beobachtet und die Täterin anschließend verfolgt. „Ich wollte das Geld ja zurückgeben, hatte aber Angst, der Mann, der mich verfolgt hat, würde mich verprügeln. Deshalb habe ich das Geld unter ein Auto gelegt“, gab die Frau an. Dort wurden die Scheine später gefunden.

Aufgrund des Vorstrafenregisters drängte sich beim Richter der Verdacht des organisierten Vorgehens auf. Denn: Die Frau brachte sechs einschlägige Vorstrafen mit. Begangen hatte sie diese von Stade in Nord- bis Rosenheim in Süddeutschland. Und so hakte der Richter nach, ob die Frau tatsächlich von sich aus von Dortmund nach Meinerzhagen gefahren sei, um zu betteln oder zu stehlen. Vielmehr liege die Vermutung nahe, dass jemand anderes Zeit und Ort der Taten bestimmte. „Nein, nein“, gab die Frau an. Sie habe das ganz alleine entschieden.

Durch das Geständnis blieb dem 89-Jährigen eine Zeugenaussage erspart. Bei der Urteilsbegründung fand der Vorsitzende klare Worte. Aus dem Vorstrafenregister ergebe sich, dass weder Geld- noch Bewährungsstrafen die 29-Jährige von weiteren Straftaten abhalten könnten. Auch ihre Verantwortung als Mutter sei offenbar keine Motivation für ein straffreies Leben. Deshalb gebe es auch keine Bewährung mehr für sie.

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