Rüttelstreifen erzielen nicht die erhoffte Wirkung

Vor zwei Jahren wurden Rüttelstreifen auf der L 707 installiert (Foto) – jetzt wurden sie wieder entfernt. - Archivfoto: Beil

Valbert - Dass die Landesstraße 707 zwischen Herscheid und Valbert eine wahre Unfallstrecke ist, ist nicht neu: Erst am vergangenen Freitag verunglückten dort zwei Kradfahrer schwer, als einer von ihnen in der berüchtigten Nordhangkurve die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor und in den Gegenverkehr rutschte.

Beide Motorradfahrer mussten schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Eine Sperrung der Strecke für Kradfahrer kommt aber weiterhin nicht in Frage, sagt Jens Naumann von der Verkehrsdirektion der Kreispolizeibehörde.

„Das Thema Sperrung ist in der Unfallkommission grundsätzlich vom Tisch“, sagte Naumann auf MZ-Anfrage. Gründe gibt es viele: Zum einen würde die Bezirksregierung einer solchen Sperrung nicht zustimmen. Unter anderem verläuft eine Umleitungsstrecke für die A45 über die L 707 – und diese müsste dann extra für Kradfahrer neu ausgewiesen werden. 

Zum anderen könnten Sperrungen nur für Motorräder juristisch problematisch sein. „Ein entsprechendes Urteil gab es erst kürzlich von einem Oberlandesgericht“, so Naumann. Und: Auch die Polizei hält nicht viel von einer Streckensperrung, „da dadurch alle Motorradfahrer unter einen Generalverdacht gestellt werden, obwohl sich nur eine kleine Gruppe nicht an die Regeln hält“.

Stattdessen setzte die Unfallkommission des Märkischen Kreises zuletzt bekanntlich auf sogenannte Rüttelstreifen, die auf die nahende Gefahr durch scharfe Kurven aufmerksam machen und die Kradfahrer zu langsamerem Tempo anhalten sollten. Allein, diese Maßnahme blieb wirkungslos, wie Jens Naumann rückblickend festhält. 

„Der Beschluss, die Rüttelstreifen anzubringen, war als Versuch angelegt. Aber es war klar, dass diese Streifen zwei Dinge zur Folge haben können: Zum einen konnten sie die Motorradfahrer sozusagen wachrütteln und auf die Kurven hinweisen, zum anderen aber auch schlichtweg ignoriert werden. Und die Motorradfahrer, die dort rasen wollen, lachen einfach nur über die Schwellen und geben anschließend ganz bewusst richtig Gas.“ 

Mit einem Tempolimit zu reagieren, sei allerdings ebenso wenig erfolgversprechend, so Jens Naumann. „Es spielt keine Rolle, wie langsam jemand fährt. Wenn er den Gang ausreizt, ist auch das sehr laut“, weiß der Verkehrsexperte der Polizei in Iserlohn.

Was bleibt also als Mittel gegen uneinsichtige Raser? „Wir haben durchaus noch einige Eisen im Feuer“, betont Jens Naumann, dass die Ordnungshüter längst nicht alle Mittel zur „Erziehung“ der üblichen Verdächtigen eingesetzt hätten. So sei etwa der verstärkte Einsatz des sogenannten Pro-Vida-Krads angedacht, mit dem ein Zivilpolizist beim Hinterherfahren das Tempo der Verkehrssünder messen kann. 

Damit das auch in Kurven gelingt, brachte der Landesbetrieb Straßen.NRW schon im späten Frühjahr Hilfsmarkierungen an, die die Messung erleichtern sollen. „Üblicherweise erzielt unser Motorradfahrer aber dann den größten Erfolg, wenn er auf dem Parkplatz der Nordhangkurve mit den anderen Fahrern spricht – weil diese in der Zeit nicht fahren können.“ Ansonsten gilt für den Motorrad-Polizisten das Gleiche wie für andere Messstationen auch: Sobald sie als solche erkannt werden, sind sie „verbrannt“. Die Motorradfahrer ziehen ab – und warten auf die nächste Gelegenheit, sich und andere in Gefahr zu bringen.

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