Stadthallen-Diskussion: „Kapital köpft Kultur“

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Beim zweiten Treffen des Kreises „Pro Stadthalle“ wurde es eng in der Galerie Langenohl.

MEINERZHAGEN - Die Zahl der Bürger, die gegen einen Abriss der Stadthalle sind und sich stattdessen für ihren Erhalt und ihre Sanierung einsetzen, steigt offensichtlich weiter. Das zeigte sich auch beim zweiten Treffen des Bürgerkreises „Pro Stadthalle“ am Mittwoch in der Galerie Langenohl, deren räumliche Kapazitäten an diesem Abend nahezu ausgeschöpft wurden.

„Wird die nächste Sitzung der Initiative deshalb in zwei Wochen in der Stadthalle stattfinden müssen?“ – diese Frage stellte sich. „Die Informationspolitik der Stadt ist eine einzige Katastrophe. So kann man mit Bürgern nicht umgehen.“ Mit diesen Worten verlieh ein Teilnehmer seinem wachsenden Unwillen Ausdruck und erhielt dafür von der Versammlung viel zustimmenden Applaus.

Auch Klaus Stötzel, stellvertretender Bürgermeister in Hilchenbach und SPD-Mitglied, war an diesem Abend zu Gast, um von den unerfreulichen Erfahrungen zu berichten, die seine Stadt mit von Investoren errichteten und betriebenen Einkaufszentren gemacht habe. Er verwies auch auf die rechtlichen Voraussetzungen und erklärte: „Das ist keine transparente Kommunalpolitik. Es fehlen die nötigen Grundlagen, um eine Entscheidung treffen zu können.“ In Hilchenbach stehe ein Einkaufszentrum wegen fehlender Frequenz und eingestellter Investitionen vermutlich bald vor dem „Aus“. Der Bau eines weiteren Zentrums, in dem ein Aldi-Markt angesiedelt werden sollte, habe wegen höherer Mietpreise, die der Investor in Laufe der Verhandlungen verlangt habe, zunächst zurückgestellt werden müssen.

Mit dem Unmut der beim Treffen anwesenden Bürger wächst auch das Misstrauen gegenüber der Handlungsweise von Stadtverwaltung und Rat. Und es wurden Fragen gestellt: „Warum wurde das Gelände im Bereich der Stadthalle im Einzelhandelskonzept der Stadt als ,in Diskussion’ ausgewiesen und 2015 bei einer Beschlussvorlage zur Änderung des Bebauungsplanes ausgeklammert?“ Dass die Bemühungen, in der Fußgängerzone Derschlager Straße Einzelhandel anzusiedeln, aufgegeben wurden und dort stattdessen eine „Fressmeile“ mit neun Gastronomiebetrieben entstehen solle, zeige, in welche Richtung gedacht werde.

Der Abriss der Stadthalle sei „ein Spiel mit dem Feuer“. Wenn man zulasse, dass „Kapital Kultur köpfe“, führe dies zu einer Asozialisierung der Gesellschaft, machte ein weiterer Teilnehmer deutlich. Helmut Benninghaus von der UWG, die sich am 30. August ab 19 Uhr im Haus Hahnenbecke ebenfalls mit diesem Thema beschäftigen will, machte deutlich, dass in den vergangenen Jahren entgegen anderer Behauptungen sehr wohl viel Geld in die Stadthalle investiert worden sei. „Man bricht eine solche Halle nicht ab für ein Abenteuer“, sagte er. Außerdem wurden vom Kreis „Pro Stadthalle“ Arbeitsgruppen gebildet, die weitere Aktionen vorbereiten sollen. Dazu gehören die Erstellung eines Informationsflyers und ein Internetauftritt sowie eine Unterschriftenliste zur Dokumentation des Bürgerwillens. Eine andere Gruppe will Fördermöglichkeiten prüfen und ein Kreativteam soll weiter Maßnahmen entwickeln.

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