6,8 Kilogramm "Kampfgewicht"

Die Tage des Schützenvogels sind gezählt

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Schießmeister Stefan Schneider mit dem 6,8 Kilogramm schweren Königsvogel.

Meinerzhagen - Ein ausgewachsener Seeadler wiegt bis zu 6,3 Kilogramm. Manche „gefiederte“ Exemplare werden aber auch schwerer. Dazu gehört zum Beispiel der Meinerzhagener Schützenvogel. Er bringt 6,8 Kilogramm auf die Waage.

Schreinermeister Axel Fischer baut die majestätischen Vögel seit dem Jahr 2006 aus „astfreiem Weichholz“ in der Werkstatt seines Großvaters und stellt sie der Schützengesellschaft für den Schießwettkampf an der Vogelrute zur Verfügung. Darüber freut sich auch Schießmeister Stefan Schneider, der beim Schützenfest am ersten Augustwochenende nicht nur das Königs-, sondern auch das Prinzenschießen organisiert und überwacht. Der Aar, auf den die Jungschützen am 7. August anlegen, ist übrigens leichter. Ebenfalls aus Weichholz hergestellt, wiegt er exakt 5,2 Kilogramm. Doch eines haben beide Ziele gemeinsam: „Sie sind an keiner Stelle stärker als vier Zentimeter“, erläutert Stefan Schneider. Das, so fügt der Leiter der Schießkommission hinzu, sei so, weil das die Schießstättenverordnung vorschreibe.

Krone, Zepter, Reichsapfel, rechter Flügel, linker Flügel. In dieser Reihenfolge wird am 8. August auf die am Rumpf befestigten Insignien angelegt. Dabei ist es nicht nötig, vier Zentimeter Weichholz zu durchtrennen. „An den Sollbruchstellen ist das Holz lediglich einen Zentimeter dick. Eine Ausnahme bilden die Flügel. Dort ist eine Holzstärke von jeweils drei Zentimetern vorzufinden. Das muss so sein, um die Stabilität der Konstruktion zu gewährleisten“, erläutert Schneider.

Die Insignien-Schützen erhalten nach ihren Volltreffern jeweils eine Schützenschnur – wer dann den übriggebliebenen Rumpf abtrennt, ist Schützenkönig. Beim „finalen“ Wettkampf an der Vogelrute wird auf einen farbigen Balken angelegt, die Halterung, die den Rumpf noch stabilisiert. Die ist gelb-rot-weiß markiert und besteht aus vier Zentimeter dickem Weichholz. Hier gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein – oder anders: Eine gewisse „Vorarbeit“ ist nötig, um den Rumpf abzuschießen. Beim vergangenen Schützenfest im Jahr 2014 mussten beim großen Finale 188 Patronen auf die Reste des Adlers abgefeuert werden, bis Horst Seyfried als Regent feststand – davon 22 Schüsse im Rahmen des eigentlichen Königs-Wettkampfes.

Derweil probt der Vorstand der Schützengesellschaft im Vorfeld des Schützenfestes an drei Tagen auf der Landebahn des Flugplatzes Battenfeld das Antreten, Präsentieren und Marschieren. Beim sogenannten „Säbel-Ex“, also der klassischen Formalausbildung, nutzen die Zugführer neben dem Hauptmann die Trainingsgelegenheit, damit die Befehle während des Festes an die Schützen laut und kraftvoll erfolgen.

„Neben dem Antreten und Ausrichten ist auch der Stechschritt beim Vorbeimarsch an den Majestäten sowie den Hof- und Ehrendamen ein wichtiger Übungspunkt, der besonders von der amtierenden Majestät König Horst II, dem Oberst sowie den Adjutanten kritisch beäugt und im Bedarfsfall korrigiert wird“, heißt es.

Zum Abschluss des letzten „Drills“ habe sich das Ergebnis durchaus sehen lassen können. Ein weiterer „Säbel-Ex“-Termin findet in der Woche vor dem Fest der Feste statt, bei dem neben dem Fahnenabholen an der Kirche auch das Antreten und Abschreiten der Schützenfront an der Bahnhofstraße letztmals geprobt wird.

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