Schützentradition auf Arabisch: Infoblatt zum Fest

Gemeinsam wurde ein Infoblatt entwickelt, dass den Flüchtlingen erläutert, was ein Schützenfest ist.

Meinerzhagen - Der Höhepunkt im Meinerzhagener Festkalender steht unmittelbar bevor – und mit ihm manch lieb gewonnene Tradition, die Auswärtigen mitunter aber schwer zu vermitteln ist. Und dabei geht es nicht nur um den „harmlosen“ Lärm durch Musik und Festtreiben, sondern auch um die Wirkung der Böllerschüsse auf traumatisierte Menschen. Daher hat der Vorstand der Schützengesellschaft nun ein Infoblatt auf arabischer Sprache herausgebracht.

Wenn der Böller am Ebbehang kracht und Menschen in blauen Kitteln und mit Holzgewehren durch die Stadt ziehen, kann dies etwa auf Flüchtlinge aus Kriegsgebieten befremdlich und sogar beängstigend wirken – das weiß auch Oberst Achim Freyer, der daher die Idee zu einer ganz besonderen Informationsbroschüre hatte.

„Wenn die Dicke Berta in aller Frühe morgens losgeht, möchten wir insbesondere Kinder nicht ängstigen, sondern wollen daher im Vorfeld informieren“, erklärte Freyer am Montag im Rathaus, wo er etwa 200 Infoblätter zur weiteren Verteilung abgab. Darin ist nicht nur in deutscher, sondern auch in arabischer Sprache erklärt, was es mit dem „Horrido“ als Schützengruß auf sich hat, warum die Schützen in blauen Kitteln gekleidet sind – und wieso es einige Mal im Volmetal laut krachen wird, eben genau dann, wenn die Salut-Kanone Dicke Berta zum Antreten ruft, die Schützen weckt oder nach dem Königs- und Prinzenschuss Böllerschüsse abgibt.

Für die arabische Übersetzung sorgte der Ägypter Fady Salama, der bekanntlich für die Stadtverwaltung ein wichtiges sprachliches Bindeglied zu den Flüchtlingen darstellt (die MZ berichtete) – wenngleich er den Vergleich der Böllerschüsse zu echtem Artilleriefeuer in Kriegsgebieten lieber nicht ziehen will. „Da haben die betroffenen Menschen sicher noch weitaus intensivere Erlebnisse gehabt“, sagt Salama, der das Projekt insgesamt jedoch für eine „tolle Idee“ hält, die übrigens nicht nur Menschen aus anderen Kulturkreisen über das heimische Fest aufklären soll. Nicht ohne Grund sind die Informationen zu Böllerzeiten und Umzügen auch auf Deutsch verfasst. Denn auch die Information der seit Langem ansässigen Meinerzhagener wollen die Schützen nicht versäumen.

Allerdings besteht bei dieser Zielgruppe längst nicht mehr so viel Handlungsbedarf wie noch vor einigen Jahren, erklärt Achim Freyer. „Bis vor sechs Jahren gab es durchaus noch Nachfragen, um was es an diesem Wochenende überhaupt geht“, erinnert sich dier Oberst. Eine gezielte Information über die MZ, aber auch in direkten Gesprächen zwischen Vorstandsmitgliedern und Anwohnern habe mittlerweile zur Aufklärung beigetragen und auch solche Bürger erreicht, die mit dem Schützenfest nicht allzu viel zu tun haben. „Und auch Besitzern von ängstlichen Hunden raten wir etwa, mit ihren Vierbeinern zu den Böllerzeiten lieber an der Brucher spazieren zu gehen“, sagt Freyer – der als „Herrchen“ selbst weiß, wovon er spricht: Sein Hund nahm beim letzten Fest Reiß aus.

Um Verständnis bitten Achim Freyer und Geschäftsführer Roman Kappius auch hinsichtlich der Verkehrssituation am Wochenende: Durch die Bauarbeiten an der Stadthalle müssen die Schützen bekanntlich auf der Bahnhofstraße antreten. So kann es unterhalb des Bambergs zeitweise zu Verkehrsbehinderungen kommen. „Wir wollen die Einschränkungen aber auf ein Minimum reduzieren“, versprechen die Organisatoren.

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