Meinerzhagener Ehrendamen feiern 60. Jahrestag

Bei einer Nachfeier entstand dieses Foto mit den Ehrendamen des Jahres 1956.

Meinerzhagen - Am ersten August-Wochenende wird das Meinerzhagener Schützenfest gefeiert. Dabei spielen die Ehrendamen traditionell eine große Rolle.

Ehrendame zu sein, ist für viele der jungen Frauen eine Erfahrung, an die sie auch Jahre später gern zurückdenken. So auch Ingrid Barre. Vor 60 Jahren war sie gemeinsam mit weiteren 15 jungen Frauen Ehrendame beim Schützenfest. Schützenkönig war damals der Eigentümer der Meinerzhagener Zeitung, Klaus Paulmann. Und seine Ehefrau Margarethe war Schützenkönigin. Ingrid Barre nahm dieses Jubiläum zum Anlass, ein Treffen mit den ehemaligen Ehrendamen zu organisieren.

Viele der 15 Mitstreiterinnen erreichte Ingrid Barre telefonisch, sie wohnen noch in Meinerzhagen oder Umgebung. Lediglich Margot Heide, geborene Langemann, lebt seit 55 Jahren in Bad Wörishofen. Und Erika Vogler, geborene Labeus, hat in Düsseldorf eine neue Heimat gefunden. Und so trafen sich die verbliebenen sieben Ehrendamen in Pollmanns Eck. Es kamen Ingrid Barre (geborene Blume), Inge Schwamberger, Inge Röttger-Welter, Ruth Fernholz (geborene Friebe), Gustel Nockemann (geborene Mayer), Erika Vogler (geborene Labeus) und Margot Heide (geborene Langemann). Schon bald schwelgten sie in Erinnerungen, wie es auf ihrem Schützenfest war und was sie alles angestellt hatten. Obwohl die meisten der ehemaligen Ehrendamen in Meinerzhagen geblieben sind, waren Treffen selten. „Jede hat ihren eigenen Kreis und so ergab es sich nicht“, lautet die Erklärung von Ingrid Barre.

Viele der „Rituale“ sind gleich geblieben, doch auch hier hat sich im Laufe der Jahre einiges verändert. Voraussetzung um Ehrendame zu werden war damals, dass die Mädchen nicht verlobt sein durften. Ihre Väter mussten nachweisbar Schützen sein oder gewesen sein. Ausnahmen gab es für die Vertriebenen oder Nachkommen Gefallener.

Nachdem sich die jungen Frauen entschieden hatten mitzumachen, trafen sie sich damals zum obligatorischen Nähen der weiß-grünen Schleifen. „Wir waren immer in einer anderen Gaststätte in Meinerzhagen“, so Ingrid Barre. „Mal waren wir bei Theile, dann in den Meinhardusstuben – und so weiter. Das war immer lustig und unsere Nähmaschine begleitete uns von Gaststätte zu Gaststätte.“ Mit zu den Vorbereitungen gehörte das Schmücken der Kutschen. „Das taten wir bei den Fuchs-Ställen“, so Ingrid Barre.

Auch die Kleiderfrage war ein wichtiges Thema. Für den Sonntag waren lange, farbige Kleider vorgeschrieben, am Montag waren weiße Kleider Pflicht. Und am Dienstag konnten alle kommen, wie sie wollten. „Damals ging das Schützenfest noch bis zum Dienstag. Es endete mit dem Abschlusskonzert, dem der große Zapfenstreich folgte.“

Auch die Etikette wurde streng beachtet. „Wir durften zum Beispiel nur in Begleitung zur Toilette gehen und auch selbstständig zu tanzen war uns nicht erlaubt. Wir durften nur mit unseren Tischherren tanzen. Bis 24 Uhr musste die Hofordnung eingehalten werden.“

Nach dem Schützenfest gab es zum Abschluss einen Tagesausflug mit dem alten Königspaar Klaus und Margarethe Paulmann und dem neuen Königspaar Wilhelm Metz und Ilse Crummenerl, dem Vorstand und deren Partnerinnen. Es wurde ein fröhlicher Tag, bei dem der Vorstand in einer gesungenen Bierzeitung durch den Kakao gezogen wurde. „Es war ein Erlebnis und eine unvergessliche Zeit“, erinnert sich Ingrid Barre. „Der Zusammenhalt, die Freude, die wir hatten – man war wer.“

Bei ihrem jüngsten Treffen hat die verbliebenen sieben Ehrendamen die Schützenfestleidenschaft wieder gepackt. Sie haben sich vorgenommen, in diesem Jahr gemeinsam auf das Fest zu gehen und noch einmal richtig gemeinsam zu feiern..

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