Repair-Café jetzt am Inselweg

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Karl-Heinz Wülfrath hat gerade das Innenleben eines Computerlautsprechers freigelegt. Die Hilfesuchenden kommen mit elektronischen Kleingeräten aller Preislagen und Altersklassen. Bügeleisen, CD-Spieler, Radios.

Meinerzhagen - „Wo geht’s hier rein?“ Die Frau ist schwer bepackt mit einer große Tasche – daraus lugt eine Kaffeemaschine hervor – und mit einem alten Plattenspieler. Beides hat den Dienst versagt, die Helfer vom Repair-Café sollen’s richten.

In Meinerzhagen hat sich bereits herumgesprochen, dass sich die Institution jetzt am Inselweg angesiedelt hat. Aber es kommen auch Leute von außerhalb, die fanden am Freitag nicht gleich auf Anhieb den Eingang zum Gemeindezentrum.

Weil die Stadtverwaltung mangels Zulauf das Quartiersbüro an der Hauptstraße geschlossen und den Mietvertrag für die Räume im ehemaligen Quelle-Laden gekündigt hatte, musste sich der Kreis der Ehrenamtlichen ein neues Domizil suchen. „Wir haben uns verschiedene Angebote angeschaut“, sagt Christiane Hommes vom Repair-Café-Team. „Aber letztlich scheiterte das dann an so einfachen Sachen wie den Stromanschlüssen beispielsweise.“

„Ideal wären für uns und für die Besucher weiterhin eine Anlaufstelle im Innenstadtbereich gewesen“, erklärt sie, „dass wir hier unterkommen durften, hat aber auch viele Vorteile.“ Die Evangelische Kirchengemeinde sei da sehr großzügig gewesen, unterstütze viele gemeinnützige Zwecke und stellt jetzt auch das Gemeindehaus der Johanneskirche für das Reparatur-Angebot zur Verfügung. Nach wie vor immer am letzten Freitag im Monat breiten die Helfer zwei Stunden lang ihr Werkzeug und ihre Prüfapparaturen auf den großen Tischen aus und empfangen Besucher, die ihre defekten Elektrogeräte bringen.

Eine von ihnen ist Hildegard Friedrichs, sie kommt aus der Nachbarschaft rüber mit einem Flachbildfernseher. Der sei heruntergefallen, der Rahmen ist aufgebrochen. Horst Skerra besieht sich den Schaden und öffnet vorsichtig die Konstruktion. „Das muss wahrscheinlich geklebt werden.“ Der Schaden wird im Kreis der Fachleute diskutiert – Was ist zu tun? Welcher Belastung oder Zugkraft ist die Stelle ausgesetzt? – und direkt an Ort und Stelle behoben. In der Wartezeit gibt es Kaffee. „Das ist ein weiterer Punkt“, sagt Frank Steinke, einer der Organisatoren vom Repair-Café. „Wir können hier im Gemeindehaus die Küche mitbenutzen.“ Außerdem biete der neue Standort viel mehr Licht und Platz, und vor allem: Parkplätze.

Karl-Heinz Wülfrath hat gerade das Innenleben eines Computerlautsprechers freigelegt. Die Hilfesuchenden kommen mit elektronischen Kleingeräten aller Preislagen und Altersklassen. Bügeleisen, CD-Spieler, Radios. „Neulich war ein analoges Schnurtelefon dabei“, sagt Christiane Hommes. „Die Leute hängen an den Dingen, und die funktionieren ja auch.“ Manchmal reicht es, eine Lötstelle auszubessern, ein Kabel neu zu isolieren oder einen Kontakt abzuschmirgeln und die Geräte laufen noch mal so lange.

Die Ehrenamtlichen erleben dabei so manche rührende Geschichte. Ein Herr habe ein Tonbandgerät mitgebracht, das seit mehr als 40 Jahren kaputt war. Man habe ein entsprechendes Ersatzteil besorgt, es eingebaut und den Starthebel betätigt. Vom alten Band ertönte die Kinderstimme des inzwischen längst erwachsenen Sohnes. Ein Glücksmoment.

Wer beim Repair-Café mitmachen möchte, ist gerne gesehen. Gefragt sind Fachleute aus dem Elektronikbereich und Allrounder, die sich in allen möglichen technischen Bereichen auskennen. Auch für den Nähservice wird noch jemand gesucht. Wer Interesse hat, kann Frank Steinke per E-Mail unter f.steinke@dokom.net kontaktieren oder einfach vorbeischauen.

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