Polizei informiert über Gefahren im Netz

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Kriminalhauptkommissar Uwe Kunold vom Kommissariat Kriminalprävention/Opferschutz des Märkischen Kreises informierte über den sicheren Gebrauch von Internet und Handy.

Meinerzhagen -  Eine Zwölfjährige öffnet ihrer anonymen Internetbekanntschaft nachts, während ihr Vater schläft, die Haustür. Ein 15-Jährige steigt in Abwesenheit der Eltern vorbehaltlos in den geschlossenen Van eines Unbekannten, den sie im Internet kennengelernt hatte: Diese für Eltern schockierenden Bilder präsentierte Kriminalhauptkommissar Uwe Kunold vom Kommissariat Kriminalprävention/Opferschutz des Märkischen Kreises am Donnerstagabend in der Aula des Gymnasiums, um zu zeigen, welche Gefahren auf Kinder und Heranwachsende beim Gebrauch von Internet und Handy lauern können.

Die Aufnahmen waren bei einem Experiment des US-Amerikaners Coby Persin entstanden, der in Überstimmung mit den jeweiligen Eltern per Internet Kontakt zu Jugendlichen aufgenommen und sie zu einem Treffen überredet hatte. Um solchen Gefahren vorzubeugen, seien vor allem die Eltern gefragt, betonte Kunold, der auch schon bei den sechsten Klassen zu Gast war, die sich zurzeit im Rahmen einer Projektwoche mit dem Thema „Sicherer Umgang mit Internet, Chat und Handy“ beschäftigen. Doch nur wenige Eltern waren am Donnerstag zu seinem Vortrag erschienen – vielleicht wegen des sommerlichen Wetters.

Etwa fünf Prozent der jugendlichen Nutzer seien heute bereits abhängig von ihrem Smartphone, „einem Hochleistungscomputer, mit dem man telefonieren kann“. In einer nicht repräsentativen Umfrage unter Gymnasiasten hätten rund 70 Prozent der Befragten angegeben, sich schon einmal mit anonymen Internetbekanntschaften getroffen zu haben. Für Kunold alarmierende Zahlen, denn Pädophile seien die schlimmsten Straftäter: „Sie sind hochintelligent, haben Zeit, sich ihre Opfer auszusuchen und können sich im Stil und Wortgebrauch bestens auf sie einstellen.“ Neugier und Spannung, die einsetzende Pubertät, die Suche nach neuen Freunden und der Wunsch im Beliebtheits-Ranking einen der ersten Plätze zu belegen seien Gründe für die Internetaktivitäten der Jugendlichen. Die Aufklärung über die Gefahren sei schwierig, so Kunold, da sie schnell wieder verdrängt würden.

Nicht nur Mobbing sei ein großes Thema. Fragwürdig sei auch die Nutzung des Messenger-Dienstes WhatsApp, der kürzlich von Facebook übernommen wurde. Bei einem Update stimme der Nutzer häufig unbewusst der Weitergabe seiner persönlichen Daten für Werbezwecke zu. Kunold riet, auf sicherere Dienste zurückzugreifen. Unverzichtbar sei außerdem ein Virenprogramm, das ständig aktualisiert werden kann – was nicht bei allen kostenlosen Angeboten der Fall sei.

Der Hauptkommissar warnte auch vor dem Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Inhalten wie Filmen, Songs oder Fotos, was erhebliche Kosten nach sich ziehen könne. Besser sei es, sich diese Inhalte auf legalem Wege gegen einen entsprechenden Obolus herunterzuladen. Denn die gerichtliche Auseinandersetzung mit den jeweiligen Unternehmen sei aufgrund der schwammigen Gesetzeslage schwierig. Zudem seien diese meistens im Ausland ansässig und würden von teuren und gewieften Medienanwälten vertreten. „Reden Sie mit ihren Kindern, die oft einen deutlichen Wissensvorsprung im Gebrauch der elektronischen Medien haben. Bauen Sie Vertrauen auf, damit sich die Jugendlichen bei Problemen sofort an Sie wenden, und besuchen Sie, wenn nötig, einen Computerkurs,“ riet Uwe Kunold den Zuhörern. Diese werden für Eltern und Kinder auch vom Märkischen Kreis angeboten. Rat und Unterstützung bieten außerdem (kostenfrei) die Servicedienststelle der Kriminalpolizei, für die Kunold arbeitet, oder die Verbraucherberatungen.

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