Kein Respekt: Polizei wird bespuckt und beleidigt

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Der neue Schlagstock, mit dem auch die heimische Polizei ausgerüstet wurde, ist respekteinflößend. Mit ihm sollen sich die Beamten bei Einsätzen gegen Übergriffe wehren.

Meinerzhagen - Sie werden beleidigt, bespuckt und nicht selten körperlich attackiert. Auch die Polizistinnen und Polizisten der Wache Meinerzhagen haben festgestellt: „Die Respektlosigkeit gegenüber unseren Beamten hat massiv zugenommen.“

Michael Stumpe ist Leiter der Wache. Und er kann die ganze Bandbreite der Übergriffe aufzählen: „Handgreiflichkeiten, Beleidigungen, Bespucken – und das passiert meist dann, wenn wir von unserem Gegenüber etwas wollen. Etwa, dass er uns die Papiere zeigt oder wenn sonst etwas vorgefallen ist.“ Angesichts der allgemeinen und bei Einsätzen stets präsenten Gefährdungslage hat die Polizei jetzt auch aufgerüstet: „Mit neuen Reizgassprühgeräten, Spuckschutz-Masken und Schlagstöcken“, erläutert Stumpe. Letzterer sei schon durch seinen Anblick respekteinflößend, findet er.

Schützenfeste, Maifeiern und andere Veranstaltungen halten die heimische Polizei verstärkt in Atem. Und das hat meist einen Grund: Alkohol. „Immer wenn Drogen oder Alkohol im Spiel sind, wird es kritisch“, weiß der Meinerzhagener Polizeihauptkommissar. Die Hemmschwelle sinkt – und schon müssen sich die Beamten auf unangenehme Auseinandersetzungen einstellen. „Den Respekt, den der Schutzmann früher noch genoss, können wir heute oft nicht mehr feststellen. ,Du kannst uns garnix’ ist dann oft ein Spruch, den wir uns anhören müssen“, berichtet Stumpe. Eine Frage des Alters ist dieses Verhalten keineswegs. Beleidigt, attackiert und gespuckt wird quer durch alle Altersgruppen – Kinder ausgenommen. „Ich glaube, dass das ein gesellschaftliches Problem ist“, meint Stumpe. Die Erziehung spiele eine große Rolle. „Das fängt schon im Kindergarten und in der Grundschule an“, hat sich der Leiter der heimischen Wache eine persönliche Meinung gebildet. Was bei einem Einsatz auf sie wartet, wissen die Polizisten meist nicht. Nur, dass es wohl übel wird, wenn Randalierer gemeldet werden. „Aber auch wenn wir wegen einer hilflosen Person gerufen werden, kann es Probleme geben. Es ist schon vorgekommen, dass dieser Mensch dann vollkommen ausgerastet ist.“

Nicht nur die Polizei, auch der Meinerzhagener Rettungsdienst muss stets mit dem Schlimmsten rechnen. Beispielsweise bei Einsätzen auf der A 45. „Auf den Autobahnen herrscht richtig Krieg“, erinnert sich Andreas Potthöfer. Der 47-Jährige war lange in der Rettungswache des Kreises in der Volmestadt eingesetzt. „Entweder fahren sie langsam am Einsatzort vorbei um zu gaffen und Handyfotos zu machen. Oder sie rasen derart schnell an einem vorbei, dass man ernsthaft gefährdet wird“, so Potthöfer. „Autobahn ist Stress pur.“

Dass Rettungsdienst und Polizei oft gemeinsam attackiert werden, zeigt ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Am 29. Mai wurden die Beamten zu einem Einsatz nach Kierspe gerufen. Laut Polizeibericht randalierte am Füllenfeld ein Sohn in der Wohnung der Mutter. Erst gefesselt konnte er in den Rettungswagen verfrachtet werden. Die Einsatzkräfte mussten sich dabei gegen Beleidigungen und körperliche Attacken wehren. „Bei so etwas sind wir oft so ziemlich allem ausgesetzt, was die Fäkalsprache zu bieten hat“, erläutert der Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Dietmar Boronowski und fügt hinzu: „Die Hauptsache ist in einem solchen Fall aber immer, dass kein Beamter verletzt wird.“

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