Bericht aus Rio: „Den olympischen Geist weitertragen“

In zahlreichen Begegnungen lernten Pauline Laufer (Mitte) und ihre Reisebegleiter die verschiedenen Facetten Brasiliens kennen.

Rio de Janeiro/Meinerzhagen - Seit dem frühen Montagmorgen (MEZ) sind die Olympischen Sommerspiele von Rio de Janeiro Geschichte – genauso wie unzählige Momente, die Sportfans am Fernsehen live mitverfolgen konnten. Pauline Laufer durfte als eine von 50 Jugendlichen am Deutschen Olympischen Jugendlager (DOJL) teilnehmen (die MZ berichtete). Für ihre Heimatzeitung berichtet sie heute ein weiteres (und letztes) Mal von ihren Erfahrungen bei den Sommerspielen in Brasilien:

„Wir haben in der letzten Woche hier wieder viel erlebt, sind gewandert, haben ein Selfie mit dem Christus gemacht (siehe Foto) und weitere Wettkämpfe gesehen. Der kontrastreichste Tag brachte uns morgens in eine Favela zu den Ärmsten, die uns voller Freude empfangen haben, und abends zu einem Empfang des deutschen Konsuls in Rio de Janeiro. Wir haben über den Dächern der Favelas mit einem atemberaubenden Blick auf Rio bei Livemusik gegessen und mit Sportlern und Funktionären geredet. Das ist Rio. Eine Stadt voller Gegensätze. Schönheit und Müll, Sicherheit und Angst.

Pauline Laufer war zwei Wochen in Rio de Janeiro.

Nach dem Tod des Kanutrainers (Stefan Henze, Anm. d. Redaktion) hatten wir eine kleine Andacht mit den Olympiapfarrern. Das hat sehr gut getan – einfach mal wieder zur Ruhe zu kommen und ein bisschen nachdenken zu können.

Manchmal merkten jedoch auch wir, obwohl wir sehr sicher untergebracht sind, dass Rio eine gefährliche Stadt ist. Mitten in einem Workshop hörten wir Schüsse. An den lauten Knall von Feuerwerkskörpern aus der direkt neben uns liegenden Favela hatten wir uns schon gewöhnt, aber das war anders. Nach ein paar Stunden liefen dann Männer in Militäruniform über das Gelände der Schule. Am Ende gab es Entwarnung: Die Schüsse seien zur Feier einer Hochzeit abgegeben worden und die Soldaten hatten den Weg durch unsere Unterkunft als Abkürzung genutzt. Trotzdem hat mir dieser Tag nochmal eindeutig gezeigt, in welchen Umständen die Menschen hier leben. Immer mit einer gewissen Angst im Hinterkopf.

„Es braucht Menschlichkeit und Wärme“

Das ist auf jeden Fall etwas, was ich mitnehme aus dieser unglaublichen Zeit: Wie gut es uns in Deutschland geht und dass wir dieses Glück viel mehr wertschätzen sollten. Menschen brauchen nicht viel, um glücklich zu sein. Das haben mir die Besuche in der Favela gezeigt. Es braucht Menschlichkeit und Wärme, die uns in unserem Alltag zuhause oft fehlen. Außerdem nehme ich ganz viel neue Motivation und Ideen für meinen Sport und mein Ehrenamt mit. Am letzten Tag haben wir noch die Olympische Flamme gesehen. Ich werde zu Hause viel zu erzählen haben und hoffentlich damit den Olympischen Geist weitertragen. Denn der verbindet Menschen und überwindet die Grenzen von Herkunft, Sprache und Alter. Und das ist, so glaube ich, in dieser Zeit besonders wichtig.“

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