Ehemaliger Bürgermeister nimmt Stellung

Pierlings-Fazit: Pro Stadthalle

Meinerzhagen - In die Diskussion um die Stadthallen-Zukunft hat sich mittlerweile auch der ehemalige Bürgermeister Erhardt Pierlings eingeschaltet. Hier sein offener Brief im Wortlaut:

Erhard Pierlings

"Ob das transparent war, was bislang zur Stadthalle aus dem Rathaus und von den Fraktionen zu lesen und zu hören war – oder auch nicht –, mag jeder selbst beurteilen. Jedenfalls bleiben auch aus meiner Sicht einige Fakten klar zu stellen: Richtig ist, dass es schon bei den Weichenstellungen für die Regionale 2013 bei externen Planern und Investoren Überlegungen gegeben hat, die Stadthalle zugunsten eines jetzt diskutierten Einkaufs- und Kommunikationszentrums aufzugeben. Ich habe damals schon – wie auch heute noch – nichts davon gehalten und mich dagegen ausgesprochen. Stattdessen sind dann unter dem Titel ,Stadthallenumfeld´ die Planungen für den Platz vor der Stadthalle und die Öffnung der Volme forciert und letztlich nach intensiven öffentlichen Auseinandersetzungen auf den Weg gebracht worden. 

Alternative zum Stadthallenerhalt "halte ich für nicht gegeben"

Lediglich alternativ zum Erhalt der Stadthalle ist dann im Juni 2013 in einer Ergänzung des ,Integrierten Handlungskonzeptes Innenstadt Meinerzhagen Programm Urbanität` angesprochen worden, dass ,die Stadthalle in einen Neubau an diesem Standort integriert` wird, ,der zur Stärkung des innerstädtischen Einzelhandels und weiterer zentraler Funktionen attraktive Einzelhandels- und Dienstleistungsfunktionen aufnimmt´ (siehe genanntes Konzept, Stadt Meinerzhagen, Juni 2013, Seite 47). Diese Alternative halte ich allerdings nach wie vor nicht für gegeben, weil sie die noch vorhandenen Einelhandels-, Gastronomie- und Dienstleistungsbetriebe eher schwächen als stärken dürfte.

"Ein Kind ihrer Zeit"

Falsch ist, dass die Stadthalle unattraktiv und marode sein soll. Dagegen sprechen ihre bisherige kulturelle, gesellschaftliche und gewerbliche Nutzung und der tatsächliche, von der Stadt bislang erfreulicherweise geleistete Unterhaltungs- und Instandsetzungsaufwand einschließlich der seit 2003 aus der Otto-Rudolf-Fuchs-Stiftung zugunsten der Stadthalle transferierten Erträge. Sicherlich ist sie mit ihrer Fassade und den Toiletten ,Kind ihrer Zeit´, und manches könnte auch ansprechender oder besser sein. Aber: Sie ist weit über Meinerzhagen hinaus DAS Alleinstellungsmerkmal einer Stadt unserer Größenordnung. Und: Kultur zu pflegen und ihr im Wortsinne Raum zu geben, gehört zum Kernbereich kommunaler Daseinsvorsorge. Das sollte unserer Stadt mit Blick auf die schon längst vor allem auch bürgerschaftlich getragene, äußerst erfolgreiche Kulturarbeit motivieren, belastbare Vorstellungen zur Aufrechterhaltung dieser Angebote in der Stadthalle zu entwickeln. 

Richtig ist, dass eine etwaige denkmalschutzrechliche Einordnung der Stadthalle Maßnahmen zu ihrer Sanierung, etwa bei der Fassade, oder zur baulichen Veränderung, etwa bei der Umgestaltung des Retauranttrakts, erschweren, wohl auch verteuern dürfte. Aber: Einer solchen denkmalrechtlichen Unterschutzstellung könnte man, wollte man es, gestützt auf ein schlüssiges Sanierungskonzept und auf ein auch im jetzt gegebenen denkmalrechtlichen Verfahren durchaus mögliches, rasches Bürgervotum Pro Stadthalle entgegenwirken. 

Mein Fazit: Pro Stadthalle!"

Erhard Pierlings, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Meinerzhagen

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