Mehr Männer in die Kindertagesstätten

MEINERZHAGEN ▪ Tobias Paetzel ist zurzeit der Liebling der Kinder an der Offenen Ganztagsgrundschule (OGS) in Valbert. Er hat endlich seinen Traumberuf gefunden, will Erzieher werden. Dazu brauchte es bei dem jungen Mann zwar einige Anläufe, denn der 24-Jährige hat zuvor in einige andere Berufe hinein geschnuppert.

Zwar hatte er bereits mit 18 Jahren Ambitionen für den Beruf des Erziehers, doch damals traute er sich nicht so recht. „Da stand bei mir dann erst eine Ausbildung aus Industriekaufmann an“, erzählt Tobias Paetzel. Doch bald merkte er, dass das nichts für ihn ist. Eine zweijährige Mitarbeit in einer Schreinerei folgte. Danach hatte er die Möglichkeit, durch einen Ein-Euro-Job die Arbeit in der Offenen Ganztagsschule in Valbert kennen zu lernen. Und schon bald stand sein Entschluss fest. Inzwischen macht er eine Ausbildung zum Sozialhelfer, um anschließend eine Ausbildung zum Erzieher zu absolvieren.

In die OGS an der Ebbeschule Valbert kam er, als Susanne Berndt eine Aushilfskraft suchte. In Tobias Paetzel hatte sie schnell der geeigneten Kandidaten gefunden. „Er war für uns von Anfang an unsere erste Wahl“, sagte Susanne Berndt. Seit mehr als einem Jahr der Zeit ist der junge Mann immer während seiner freien Tage als „Springer“ in der Awo-Einrichtung tätig. Die letzten dreieinhalb Wochen der Ferien arbeitet er nun jeden Tag in der OGS.

Tobias Paetzel kam von Anfang an ganz prima mit den Kindern zurecht, erinnert sich Susanne Berndt. „Er hatte sofort einen Sympathievorschuss, den sich andere erst über einen längeren Zeitraum erarbeiten müssen“. Inzwischen fordert die Leiterin den jungen Mann sogar bei Bedarf an. Da er die Abläufe in der Einrichtung kennt, findet er sich immer schnell zu recht. Während der Schulzeit hilft er den Kindern bei den Schulaufgaben, spielt mit den Jungen Fußball und unternimmt viele andere sportliche Aktivitäten mit ihnen. Aber wenn die Mädchen mal etwas anderes spielen möchten, kennt Tobias Paetzel keine Berührungsängste, sagt Susanne Berndt über ihren begabten Helfer.

Tobias Paetzel wünscht sich, dass viel mehr Männer in den OGS und Kitas arbeiten würden. Männer würden den Kindern zudem auch andere Spielemöglichkeiten anbieten könnten, weiß er. Er möchte mit seiner Arbeit und seinem Engagement die Jungen und Mädchen so fördern, damit sie später aus ihrem Leben auch etwas machen können. „Ich habe das Gefühl, in diesem Beruf etwas Gutes zu tun“. Vor allem möchte er auch dazu beitragen, den Kindern Starthilfe ins Leben zu geben, die es zu Hause nicht so gut haben. „Ich gehe abends mit einem besseren Gefühl nach Hause. Das hatte ich in den anderen Berufen nicht“, sagte Tobias Paetzel.

Susanne Berndt ist froh, dass sie durch den engagierten jungen Mann männliche Unterstützung in der OGS hat. Für sie ist es sehr wichtig, dass mehr Männer in den Einrichtungen mitarbeiten. Einer Expertenprognose zufolge, werden in NRW bis 2013 fast 7000 Fachkräfte fehlen. Damit sei die Krippenplatz-Garantie für Kleinkinder gefährdet. Auch die Awo Hagen-Märkischer Kreis unterstützt tatkräftig das Projekt „Mehr Männer in Kitas“. Darin werden Männer aufgefordert, Erziehungswelten mit zu gestalten. Hinter diesem Angebot verbergen sich 16 Modellprojekte mit 1.300 Kindertageseinrichtungen in 13 Bundesländern. Bis Dezember 2013 sollen so Wege erprobt werden, wie männliche Fachkräfte für Kitas zu gewinnen sind. Dabei werde die zum größten Teil von Frauen geleistete Arbeit keinesfalls in Zweifel gezogen, informiert die Awo auf ihrer Internetseite. Aber Jungen und wie auch Mädchen brauchen in der frühkindlichen Erziehung nicht nur weibliche, sondern auch männliche Vorbilder.

Was für die Kitas gefordert wird, wird von der Awo auch für die Einrichtungen der OGS gewünscht. So haben männliche Erzieher in diesem Beruf große Chancen. „Bei uns werden männliche Bewerber bevorzugt“, sagte Susanne Berndt. Schade findet sie, dass Tobias Paetzel nach seiner Ausbildung für die OGS nicht mehr zur Verfügung stehen wird, denn sie hat den jungen Mann inzwischen sehr schätzen gelernt und wird ihn sehr vermissen.

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