Hunde auf Abwegen sorgen bei Jägern für Unmut

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Dirk Betten am „Tatort“ nahe der Genkeltalsperre: Dort hatte eine Jagdgenossin den toten Rehbock am Dienstag entdeckt.

Meinerzhagen - Trauriger Fund in einem Waldstück nahe der Genkeltalsperre: Am Dienstag entdeckte eine Jägerin dort einen verendeten Rehbock, der deutliche Bisswunden im Bereich der Kehle aufwies. Für Dirk Betten, Jäger im Revier Harkenstiel-Herberg, ein klarer Fall: Ein Hund muss das Tier angefallen haben. Grund genug, ein sensibles Thema in die Öffentlichkeit zu tragen.

„Das Verhältnis zwischen Hundebesitzern und Jägern ist nicht immer ganz leicht“, weiß Betten um die Befindlichkeiten beider Parteien. Auf der einen Seite die Hundeführer, die sich über den Auslauf ihrer Vierbeiner ohne Leine freuen, auf der anderen Seite die Jäger, die sich um die Ruhe für das Wild sorgen. Um nichts anderes gehe es nämlich, betont Dirk Betten.

„Es ist keinesfalls so, dass wir uns um geschossene Tiere gebracht fühlen, wenn ein Hund etwa ein Reh reißt“, betont der Jäger. Viel mehr gehe es darum, die sogenannten Einstände des Wildes, gerade beim Äsen, zu schützen. „Wenn die Tiere dann regelmäßig durch Hunde aufgeschreckt werden, haben sie keine Ruhe mehr, dann können sie ,abkommen‘, das heißt, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert. Sie werden dünner und sterben im schlimmsten Fall“, erklärt Dirk Betten. Daher würden er und seine drei Kollegen im etwa 270 Hektar großen Revier Harkenstiel-Helberg die Hundebesitzer oftmals auch ansprechen, um sie für das Thema Hund und Leine zu sensibilisieren. „Dazu gehört übrigens auch, jemanden zu loben, wenn er sein Tier an der Leine führt“, sagt Betten. Letzteres sei jedoch oft nicht der Fall – was der Jäger durchaus verstehen kann. Auch rechtlich ist der Hundeführer auf der sicheren Seite, denn eine Anleinpflicht bestehe nur abseits der Waldwege. Ausgenommen von dieser Pflicht sind nur Jäger, da sie ihre Jagdhunde als Bedarfstiere mitführen.

„Natürlich ist es schön, wenn man seinen Hund frei herumlaufen lassen kann. Aber Hunde haben einfach diese Wildschärfe, die sie unberechenbar macht. Da hilft dann auch die Hundeschule nicht mehr, wenn erst einmal die Witterung aufgenommen wurde.“ Daher bittet Dirk Betten, speziell in den Brut- und Setzzeiten – im Frühjahr sowie zum Beginn des Herbstes – , besonders achtsam mit dem Vierbeiner im Wald unterwegs zu sein.

Der jetzt gefundene Rehbock deute in jedem Fall auf einen größeren Hund hin, sagt Betten. Der habe es aber nur auf die Kehle des Wilds abgesehen und dann offenbar von dem Tier abgelassen. Die auffällige Bisswunde im Bereich des Hinterlaufs stamme eher von anderen Räubern des Waldes: Dachsen, Füchsen oder Wildschweinen, die als Allesfresser auch vor Aas keinen Halt machen.

Im besten Fall, so Betten, hätte der Hundehalter den Vorfall umgehend der Polizei oder dem Hegering gemeldet. Denn auch ein weiterer Jäger des Waldes komme grundsätzlich als „Täter“ in Frage: der Wolf. „Er wurde ja wieder in nahe gelegenen Gebieten gesichtet, so dass wir auch in diesem Fall den Wolfsbeauftragten über den Vorfall unterrichtet haben. Eine Speichelprobe, die an der Bissspur genommen wird, ist allerdings nur 24 Stunden lang auswertbar. Dafür lag das Tier hier nun aber schon zu lange, bis es gefunden wurde.“ Immerhin: Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass hier nicht Isegrimm zugeschlagen hat. „Dafür war das Reh insgesamt noch zu unversehrt“, sagt Dirk Betten, „der Wolf hätte viel mehr Schaden am Tier angerichtet.“

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