Initiative reagiert auf Stolperstein-Antrag

Vor dem Haus Nr. 31 an der Hauptstraße weisen diese vier Stolpersteine auf vier ehemalige Bewohner hin, die von den Nazis ermordet wurden.

Meinerzhagen - Der Antrag von Linken und Piraten, der künftig eine Stolpersteinverlegung gegen den Willen der Anlieger ermöglichen soll, ruft nun auch die Stolperstein-Initiatoren selbst auf den Plan. Herbert Langenohl wirbt in einer Stellungnahme dafür, dem Antrag zuzustimmen – betont aber auch, dass die Initiative selbst einen solchen Antrag nicht beabsichtigt hatte.

„Der Antrag mag gut gemeint sein, die Initiative Stolpersteine hatte aber geplant, vor einem solchen Antrag erst noch bei den Mitgliedern des Rates Überzeugungsarbeit zu leisten“, so Langenohl, der ein negatives Votum im Rat befürchtet. 

Auf Kritik bei der Initiative Stolpersteine stößt vor allem der Fraktionschef der CDU, Thorsten Stracke, der im Gespräch mit der MZ betont hatte, der Initiative einst mit dem Ratsbeschluss zu den Stolpersteinen entgegengekommen zu sein. 

„Stracke irrt hier. Vor fünf Häusern sind die Bürgersteige in Privatbesitz und vor allen fünf Häusern konnten wir Stolpersteine verlegen, ohne die Stadt zu fragen. Bei den restlichen fünf Häusern sind die Bürgersteige im Besitz der Stadt. Hier konnten bisher nur vor zwei Häusern Stolpersteine verlegt werden und bei einem auch nur, weil Bürgermeister Nesselrath sich dafür eingesetzt hat. Bei den drei anderen konnten wir trotz größter Bemühungen bisher nicht ans Ziel kommen. Es geht also nur noch um die restlichen drei Verlegeorte“, sagt Herbert Langenohl.

Langenohl: Ziel der Stolpersteine weitgehend erreicht

Für Langenohl ist das eigentliche Ziel der Stolpersteine weitgehend erreicht: Die teils auch unverhoffte Begegnung mit den Stolpersteinen erinnere an das Leid der Naziopfer und rufe dazu auf, alles zu tun, damit so etwas nie wieder geschehen kann. 

Bei den noch fehlenden Verlegeorten stehe nun die menschliche Dimension im Vordergrund. „Wir sind von der überwältigenden Dankbarkeit und Freude der Nachkommen der Opfer über dieses Gedenken an ihre Vorfahren vollständig überrascht worden“, erinnert sich der Mit-Initiator der Aktion an die vielen Dankesschreiben infolge von Stolperstein-Verlegungen. 

So habe ein Neffe von Eve Lee, die als Eva Fischbach in Meinerzhagen geboren wurde und im vorigen Jahr für ihre Familie Stolpersteine erhielt, unter anderem aus Freude über die Stolpersteine die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen.

„Kann man anderen Nachkommen das Gedenken verweigern?“

„Nun stellt sich die Frage: Kann man den anderen Nachfahren, die noch keine Stolpersteine bekommen haben das Gedenken vor den ehemaligen Häusern verweigern? Für mich ist das keine politische Frage mehr, sondern eine menschliche, die jetzt der Rat der Stadt Meinerzhagen entscheiden muss“, sagt Herbert Langenohl, der nicht nur auf die Hauptstraße 32, sondern auch auf die Wohnanlage Zum Alten Teich 2 verweist, wo die Familie Nathan Stern einst lebte. 

„Auf eine schriftliche Einladung der Eigentümer dieser Wohnanlage zu einem Gespräch gleich zu Anfang durch unsere Initiative bekamen wir nicht einmal eine Antwort. Versuche eines Gesprächs einzelner Mitglieder unserer Initiative wurden schroff zurückgewiesen.“ Eine Verlegung erhofft sich Langenohl auch vor dem Haus Lindenstraße 14, in dem die Familie Oskar Fischbach lebte. „Frau Fischbach-Bilinsky ist 83 Jahre alt und schwer krank. Durch die Verweigerung der Stolpersteine für ihre Familie fühlt sie sich erneut ausgegrenzt“, so Herbert Langenohl.

Gegen Ängste der heutigen Hausbesitzer, stigmatisiert zu werden, könne man nicht argumentieren. Allerdings sei der Hauserwerb etwa an der Lindenstraße erst 1976 erfolgt – „und was sind diese Ängste im Vergleich mit der leidvollen Erfahrung von Margot Fischbach-Bilinsky, denen jetzt eventuell neues Leid hinzugefügt wird?“

Er kenne keine andere Stadt, in der es eine solche Zustimmungsklausel für Hauseigentümer gibt, betont Herbert Langenohl zudem – Nachbarstädte eingeschlossen. Und er erinnert an einen Kommentar des früheren Lokalchefs der MZ, Horst vom Hofe, der darin einst an die Verweigerer appellierte, ihren Herzen einen Ruck zu geben. „Wir appellieren nun in diesem Sinne an die einzelnen Mitglieder des Rates“, schließt Langenohls Stellungnahme.

Der Stadtrat wird sich am Montag, 23. Mai, ab 17 Uhr in öffentlicher Sitzung mit dem Thema befassen.

Lesen Sie zum Thema auch:

Stolpersteine: Anlieger bald ohne Vetorecht?

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare