Flüchtlings-Helfer brauchen Hilfe: „Geht an die Substanz“

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Susanne Berndt und Detlef Hahn vom Meinerzhagener Arbeitskreis Flüchtlinge würden sich über Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer freuen.

Meinerzhagen - Etwa 425 Flüchtlinge leben laut Angaben der Stadt derzeit in Meinerzhagen, die meisten von ihnen kommen aus Syrien. Die Zahl der Menschen, die vom Arbeitskreis betreut werden, sei aber weitaus höher, sagt Susanne Berndt: „Die Menschen, deren Asylanträge anerkannt wurden, brauchen ebenfalls Hilfe bei ihrem Weg in die Eigenständigkeit.“ Mittlerweile stößt diese Hilfe aber auch an Grenzen. Es fehlt beispielsweise an Paten.

Dadurch, dass Flüchtlinge anerkannt werden und neue hinzu kommen, steige die Zahl der Menschen, die vom Arbeitskreis beispielsweise bei Behördengängen oder Arztbesuchen begleitet würden. Weit über 500 Menschen seien es derzeit, schätzt Detlef Hahn, der sich im Arbeitskreis um die Sprachkurse kümmert. Dabei kommen die Helfer an ihre Grenzen – personell und auch persönlich.

„Man wird mit sehr schwierigen Lebenslagen konfrontiert. Das geht an die Substanz“, berichtet Susanne Berndt. Einfach „abstreifen“ könne man die persönlichen Schicksale und Lebensgeschichten nicht. „Es schafft aber auch ein anderes Bewusstsein.“ Eine Wertschätzung sei es, dass sie auch an schönen Begebenheiten teilhaben dürfe: „Wenn beispielsweise ein Baby geboren wird, bekomme ich gleich ein Bild. Komme ich in eine Wohnung, wird gleich gefragt, ob ich zum Essen bleibe.“

In der ehemaligen Jugendherberge, wo derzeit 29 Personen, meist Familien, leben, reduzieren sich die Besuche auf zwei- bis dreimal pro Woche. „Wir sehen uns eigentlich in der Pflicht, uns mehr zu engagieren. Personell schaffen wir es aber nicht,“ bedauert Arbeitskreis-Sprecherin Susanne Berndt, die sich an sich um die Begrüßung der Paten kümmert, inzwischen aber fast ihre gesamte Freizeit der ehrenamtlichen Arbeit widmet. „Sie ist die Feuerwehr. Und zu löschen gibt es reichlich zurzeit“, beschreibt Detelf Hahn. Die Anzahl der Paten sei zurückgegangen, 13 Helfer engagieren sich in diesem Bereich im Arbeitskreis. Dankbar sind die Ehrenamtlichen beispielsweise, dass eine neue Patin gefunden wurde, die sich um eine Familie kümmert, die in Hunswinkel lebt. Auch Nachbarn hatten dort zuvor spontan geholfen.

Verstärkung ist beim Arbeitskreis nicht nur im Kreis der Paten willkommen. „Es drückt im Moment. Wir brauchen in allen Bereichen Hilfe“, sagt Susanne Berndt.

Unterstützung könne beispielsweise montagnachmittags im Lager am Pfarrheim St. Martin gebraucht werden. Aktuell stehe in der kommenden Woche eine Sortieraktion an. Wer helfen möchte, kann sich zur Terminabsprache heute zwischen 13.30 und 15 Uhr an der Birkeshöh einfinden. Gesucht werden nach wie vor Kinderwagen und Buggys, außerdem auch Staubsauger.

Wer sich für die Arbeit des Flüchtlingskreises interessiert oder sich als Pate engagieren möchte, kann sich mit Susanne Berndt in Verbindung setzen. Arbeitskreis-Mitglieder können zudem dienstags zwischen 14.30 und 16.30 Uhr im Sprachförderzentrum „Die Schule“ Auskunft geben.

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