An der Schanze endet eine Ära

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Kathy Brandt (Mitte) übernimmt die Räume der Gaststätte „Zur Schanze“ ab September. Frank Lüttel wird mit seiner Frau Sabine dann fast auf den Tag genau 40 Jahre die Wirtschaft betrieben haben.

Meinerzhagen - Die Stadt verliert ein Traditionslokal: Frank und Sabine Lüttel räumten jetzt mit den Gerüchten um die Zukunft ihrer Gaststätte „Zur Schanze“ auf und bestätigten die Schließung des Betriebs zum 1. September. Und auch die neue Nutzung der Räume steht bereits fest.

Dabei war der Abschied aus der Gastronomie eigentlich ganz anders geplant, wie Frank Lüttel im Gespräch mit der MZ erzählt: „Nachdem wir wussten, dass unsere Kinder den Betrieb nicht übernehmen würden, hatten wir in fünf Jahren eigentlich den Umbau zu mehreren Wohnungen vorgesehen – doch dann hat sich diese neue Lösung ergeben.“ Über eine „Sportplatzbekanntschaft“ des Sohnes landeten diese Absichten bei Kathy Brandt, Inhaberin des Pflegedienstes Christel Schmidt. „Die Pläne, eine Tagespflege anzubieten, gibt es schon länger“, erklärt sie. Den Bedarf gebe es zweifellos.

Bereits jetzt betreut ihre Firma Tagespflege-Kunden – allerdings nur nachmittags. „Räumlich hätten wir das an unserem jetzigen Standort an der Genkeler Straße nicht leisten können“, sagt Brandt. Also bot sich ein Gespräch mit den Lüttels, die Brandt überdies seit langem privat kennt, an. Und die waren angesichts der Möglichkeiten, die sich auch ihnen persönlich bieten, begeistert. So werden die Lüttels die Wohnung im Obergeschoss weiterhin beziehen, Frank Lüttel selbst bleibt der Einrichtung als Koch erhalten – dann für die Tagespflege.

Im Frühjahr 2017, so die aktuellen Pläne, sollen die Räume so weit umgebaut sein, dass der Betrieb starten kann. „Vieles wird natürlich von der Heimaufsicht vorgegeben. Wichtig war für uns, dass alles ebenerdig zu erreichen ist, so dass die Besucher keine Probleme haben“, erklärt Brandt, die die Tagespflege mit zwölf Plätzen daher im etwa 250 Quadratmeter großen Erdgeschoss unterbringen will. In das Untergeschoss mit 212 Quadratmetern wird der mobile Pflegedienst ziehen. „Durch den unteren Parkplatz habe ich dort auch genug Platz für die Autos.“ Immerhin umfasst die Flotte des Pflegedienstes mittlerweile 16 Fahrzeuge.

Vier Jahrzehnte – ein Name

So spricht vieles für den neuen Standort, der lange Zeit in ganz anderer Hinsicht eine echte Goldgrube war. In den 1950e8r- bis -70er-Jahren hatte Fritz Jäger die Gaststätte „Zur Schanze“ zu einer echten Institution gemacht, nachdem das ursprüngliche Gebäude 1974 abgebrannt war, kaufte Frank Lüttels Vater Johann das Grundstück nebst noch erhaltenem Kellergeschoss. „Er hatte dann seine Kinder gefragt, wer den Betrieb übernehmen wolle – mich hat‘s als den Jüngsten erwischt“, sagt Frank Lüttel mit einem Lachen. Unmittelbar nach seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann war er am 17. September 1976 im Alter von nur 18 Jahren der jüngste Gastronom weit und breit.

Seit 1978 erhält er von seiner Frau Sabine Unterstützung im Betrieb, der zeitweise für ihn nur einer von gleich zwei Vollzeitjobs war. „Die härteste Zeit gab es in den 1990er-Jahren, als ich in einer Woche gerade mal sechs Stunden geschlafen habe. Jeden Tag hatten wir eine Gesellschaft, dazwischen habe ich beim Montage-Unternehmen MKM gearbeitet.“ Zuletzt konzentrierte sich Lüttel auf seine Gastwirtschaft – die es angesichts des rückläufigen Trends aber schwerer denn je hat. „Die goldenen Zeiten der Gastwirte sind vorbei. Das wird sich auf Eck-, Szene und Speiselokale beschränken. Als es noch den Schneebetrieb gab, haben wir – auch in der Woche – täglich 500 bis 600 Essen rausgegeben“, erinnert sich Frank Lüttel.

Die Installation einer Bowlingbahn – die übrigens erhalten bleiben soll – sei 2007 noch einmal die richtige Entscheidung gewesen, neue Kundschaft zu generieren. Nun jedoch habe man mit der Nachfrage von Kathy Berndt eine gute Nachfolgeregelung für das Gebäude gefunden, die den Abschied leichter macht. „Natürlich gab es gute und schlechte Zeiten – aber die guten haben überwogen!“, sagt Lüttel.

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