Flüchtlinge berichten häufig von Qualifikationen

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Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren ist oft nicht einfach. Die Firma Burg Wächter geht diesen Weg – in Wormgermühle werden Praktika für Asylbewerber angeboten.

Meinerzhagen - 354 Flüchtlinge leben zurzeit in Meinerzhagen. Sie – zumindest teilweise – auch in den Arbeitsmarkt zu integrieren, das ist ein Ziel von Stadt und vom Arbeitskreis Flüchtlinge.

Sind die Asylbewerber erst einmal „anerkannt“ und dürfen einen Job annehmen, stellt sich die Frage nach der Qualifikation. Und da gibt es nach den Erfahrungen von Hermann-Josef Lobner vom Arbeitskreis häufig Probleme.

„Es ist nicht so, dass viele dieser Flüchtlinge keinen Abschluss hätten. Ob der allerdings in Deutschland anerkannt wird, das ist die Frage.“ In vielen Fällen ist es auch so, dass die Flüchtlinge zwar angeben, einen Hochschulabschluss oder eine abgeschlossene Berufsausbildung zu besitzen, sie können das aber nicht mit den nötigen Zeugnissen belegen. „Und wenn wir solche Schriftstücke haben, müssen die erst einmal übersetzt werden“, weiß Lobner. Er kann bisher erst von zwei Fällen berichten, bei denen das passiert ist: „Die jeweiligen Hochschulabschlüsse wurden von der Kultusministerkonferenz bestätigt. In beiden Fällen handelte es sich um Jura-Diplome. Eines aus Ägypten und das andere aus Syrien“, erinnert sich Lobner, der viele Gespräche mit heimischen Flüchtlingen geführt hat. Und natürlich stellt er dann auch die Frage nach dem Ausbildungsstand: „Mir wurde daraufhin von den unterschiedlichsten Berufsausbildungen berichtet. Da gab es Fernsehtechniker, Zimmerleute, Busfahrer, Reiseleiter, Hochseefischer, Dreher, Fußbodenleger, Schiffbauer und sogar einen Tierarzt. Letzterer hat bereits ein Praktikum bei einer heimischen Kollegin absolviert.“

Eine Statistik über die Qualifikationen der Meinerzhagener Flüchtlinge gibt es aktuell nicht. Lobner: „Auffallend ist jedoch, dass die Schulbildung vieler Menschen mehr oder weniger schlecht ist. Die Syrer allerdings haben oft einen guten Bildungsstand. Insgesamt sind aber auch nicht wenige Analphabeten unter diesen Menschen. Einen nachweisbaren Hochschulabschluss habe ich bislang recht selten gesehen.“ Doch immer wieder hat Lobner auch Erfolgserlebnisse, die sich im täglichen Zusammenleben ergeben: „Einen Mann aus Pakistan habe ich beim Möbeltransport kennengelernt. Der stellte sich so geschickt an, dass ich schon gemerkt habe, dass er was kann. Er wusste in Sachen Elektroinstallation genau Bescheid. Und er hat mich dann aufgeklärt, dass er Elektroingenieur sei und als Dozent an einer Hochschule in Pakistan gearbeitet habe.“

Um die Qualifikation eines Flüchtlings ohne Papiere zu überprüfen, biete die Handwerkskammer in Bayern praktische Prüfungen an, berichtet Lobner: „So etwas würde ich mir auch in Nordrhein-Westfalen wünschen.“ Generell sei hierzulande eine größere Vernetzung aller Beteiligten nötig, eventuell unter Einbeziehung der Lehrwerkstätten. „Wenn wir in diese Menschen investieren, hat die Gesellschaft in kurzer Zeit daraus einen großen Vorteil“, ist sich Hermann-Josef Lobner sicher.

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