Von Bagdad zu Burg Wächter

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Fayed Il Briee schweißt Zeitungsboxen. Harald Elbertshagen und Fady Salama freuen sich, dass ihm die Arbeit gefällt.

Meinerzhagen - Bagdad ist kein Ort, an dem Menschen sicher leben können. Meinerzhagen schon. Und deshalb kamen Basma Al Baiaty (22), ihr Bruder Basim (25), Ali Almsalik (33) und Fayed Il Briee (32) vor Monaten nach Deutschland.

Jetzt wohnen sie in Meinerzhagen. Und sie arbeiten zurzeit im Rahmen eines Praktikums bei Burg Wächter in Wormgermühle.

Harald Elbertshagen ist dort Betriebsleiter des kaufmännischen und gewerblichen Bereiches und er ist froh, die vier Iraker – wenn auch nur für drei Wochen – in seinem Team zu haben: „Erst gab es vor allem wegen der Sprachbarriere Bedenken, den vier jungen Leuten hier ein Praktikum zu ermöglichen. Doch das hatte sich schnell erledigt. Sie arbeiten toll mit.“

Frühes Aufstehen, Anreise mit dem Bus, einen ganzen Arbeitstag in der Fabrikationshalle verbringen – das alles mache seinen vier Praktikanten nicht das Geringste aus, hat Elbertshagen festgestellt. Und sollten die Voraussetzungen dafür erfüllt sein, würde er alle oder den ein oder anderen von ihnen sogar gern übernehmen.

Ein Stapel mit Paletten passt kaum durch eine Engstelle. Beherzt und ohne dazu aufgefordert worden zu sein, greift der daneben stehende Basim Al Baiaty zu. Harald Elbertshagen schmunzelt: „Genau das meine ich. Sie alle haben den Antrieb, mitzuarbeiten. Sie denken mit und sind wirklich ganz bei der Sache. Sie sind oft die letzten die Pause machen und die ersten, die wieder anfangen.“ Eines ist dem Betriebsleiter besonders wichtig: „Wir wollen den vier Praktikanten dabei helfen, Deutsch zu lernen.“ Das ist schwierig, aber erste Erfolge gibt es schon: „Mahlzeit, Haken, Rahmen, Kasten, Pause, Tresor“, zählt Basim Al Baiaty lachend Wörter auf, die ihn an seinem Arbeitsplatz „begegnen“. Mit Hilfe von Übersetzer Fady Salama, bei der Stadt mit der Betreuung der Flüchtlinge beschäftigt, erzählen alle vier Burg-Wächter-Praktikanten von ihren Erfahrungen, die sie in den ersten zwei Arbeitswochen gesammelt haben. Und alle haben das Bedürfnis, sich zu bedanken: „Bei der Stadt und natürlich bei Burg Wächter“, sagen sie unisono.

Noch nie haben die Iraker zuvor in einer Fabrik gearbeitet. „Basma Al Baiaty hat vier Semester Agrarwissenschaften studiert, Basim ist Krankenpfleger ohne abgeschlossene Ausbildung, Fayed hat ein Wirtschaftsstudium hinter sich und Ali war Taxifahrer in Bagdad“, übersetzt Fady Salama. Jetzt gefällt es allerdings allen so gut bei Burg Wächter, dass sie sogar gern bleiben würden. Das findet Harald Elbertshagen gut – auch wenn er darüber ins Grübeln komme: „Wenn man bedenkt, dass hier beispielsweise Kranken- und Altenpfleger gesucht werden und sich ein junger Mann nun wegen seiner Vorgeschichte dafür anbietet, wäre es schon schade, wenn er – falls ihm das ermöglicht würde – hier weiterarbeitet, um Geld zu verdienen. Sollte er die Krankenpfleger-Ausbildung beenden, müsste er dafür ja erst einmal auf ein Gehalt verzichten.“ Basim jedenfalls bietet sich direkt für eventuelle Notfälle an: „Wenn sich hier jemand verletzt, könnte ich ihn schon versorgen. Ich habe auch bereits in einem Krankenhaus in Bagdad mitgearbeitet“, berichtet er.

Silvia Markus vom Fachbereich Soziales bei der Stadt Meinerzhagen zeigte sich bei einem Besuch der vier Praktikanten in Wormgermühle begeistert vom Lob des Arbeitgebers und dem offensichtlichen Engagement der vier Flüchtlinge. Und sie versprach dabei zu helfen, dass die Iraker nun eine Arbeitserlaubnis bekommen. Dabei kann sie allerdings nur die Rolle einer Vermittlerin einnehmen.

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