Ehestreit endet blutig mit einem Messerstich

Die blutige Eskalation eines Ehestreits beschäftigte jetzt das Schöffengericht im Amtsgericht Lüdenscheid.

MEINERZHAGEN ▪ Die blutige Eskalation eines Ehestreits beschäftigte jetzt das Schöffengericht im Amtsgericht Lüdenscheid. Auf der Anklagebank eine gebrochene Frau. Eine Kurzschlussreaktion hat binnen weniger Sekunden das ganze Leben der 45-jährigen Meinerzhagenerin zerstört.

Hatte sie den Gerichtssaal ohne jegliche Vorstrafen betreten, verließ sie ihn am Ende mit einer 16-monatigen Bewährungsstrafe und 150 Sozialstunden.

Völlig in sich zusammengefallen sitzt die Angeklagte neben ihrem Verteidiger Jan Nesselrath. Der Vorwurf gegen die Hausfrau wiegt schwer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr gefährliche Körperverletzung vor.

Es ist der 9. September vergangenen Jahres, als die Meinerzhagenerin mit ihrem Ehemann in einen Streit über die Schwiegermutter der Frau gerät. Gegen 23.53 Uhr eskaliert die Situation. Die 45-Jährige greift zum Messer und rammt es ihrem Mann in den Bauch. Plötzlich registriert die Angeklagte was sie getan hat. Sie drückt Handtücher auf die Schnittwunde und alarmiert Polizei und Rettungsdienst.

Noch in derselben Nacht muss der 47-Jährige notoperiert werden. Das Keramikmesser mit der sechs Zentimeter langen Klinge hat eine etwa zwei Zentimeter breite Wunde hinterlassen, und sowohl die Leberkapsel als auch die Gallenblase verletzt. Doch der Mann hat Glück im Unglück. Nach vier Tagen kann er das Krankenhaus wieder verlassen.

Dem Gericht präsentiert sich eine verzweifelte Angeklagte. Von Anfang an zeigt sie sich geständig. Mit brüchiger Stimme berichtet sie von den Ereignissen des Tattages: „Wir haben uns gestritten. Dann kam mein Mann auf mich zu. Da hab ich Angst und Schrecken gleichzeitig bekommen. Das Messer lag auf der Spüle. Ich habe es genommen.“ Die Frau macht eine Pause. „Ich habe mit dem Messer auf meinen Mann eingestochen“, fügt sie schließlich fassungslos wirkend hinzu.

Der Geschädigte macht vor Gericht deutlich, dass er gar nicht mehr über das Geschehene sprechen möchte. „Eigentlich möchte ich gar nichts mehr dazu sagen. Es ist schon soviel kaputt gegangen.“ Schließlich ringt er sich aber dann doch dazu durch, vom Tattag zu berichten: „Wir haben miteinander gestritten und dann ist es passiert. Es ging alles so schnell. Ich hab gemerkt, dass sie mich gestochen hat. Es begann zu bluten. Dann hat auch meine Frau realisiert, was sie getan hatte“, so der Meinerzhagener. Auch wenn er das Verhalten der Angeklagten, die zur Tatzeit 2,7 Promille Alkohol im Blut hat, als einmalige Kurzschlussreaktion einstuft, reicht er nach dem Angriff die Scheidung ein, und bricht den persönlichen Kontakt zu seiner Frau sofort ab.

„Es hat sich hier ein Drama abgespielt. Die Frau ist seit dieser Tat kaputt. Für meine Mandantin ist eine Welt zusammengebrochen. Sie ist ihrer Familie beraubt, sie ist ihres Hauses beraubt, alles an dem sie so sehr hing“, brachte es Jan Nesselrath in seinem Plädoyer sichtlich berührt auf den Punkt. Auch die Staatsanwaltschaft berücksichtigt in ihrer Forderung von 20 Monaten auf Bewährung die besondere Situation der Angeklagten, und wirft das Verhalten nach der Tat, die alkoholbedingte Enthemmung und die offensichtliche Reue der Frau positiv in die Waagschale.

Der Vorsitzende Richter bringt in seiner Urteilsbegründung noch einmal die Gefährlichkeit der Tat zum Ausdruck: „Jeder Stich in den Bauch kann zum Tod führen.“ Während des Prozesses sitzt die Tochter des Paares im Zuschauerraum. Immer wieder muss sie heftig schlucken und sich Tränen aus dem Gesicht wischen. Auch ihre Welt wurde durch die Tat durcheinander geworfen. Waren ihre Eltern vor dem Geschehen noch eine Einheit gewesen, muss sich die Tochter nun zwischen beiden zerreißen. ▪ jape

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