Urkunde von 1067 noch immer verschwunden

Diese Urkunde – angeblich aus dem Jahr 1067 – liegt als Abschrift des 18. Jahrhunderts im Historischen Archiv der Stadt Köln.

Meinerzhagen - Dr. Max Plassmann ist Mitarbeiter des Historischen Archives der Stadt Köln. In seiner Obhut befindet sich ein Dokument, das für Meinerzhagen eine große Bedeutung hat: Eine im 18. Jahrhundert angefertigte Abschrift der Urkunde aus dem Jahr 1067, in der Meinerzhagen wohl erstmals offiziell genannt wird.

Die schlechte Nachricht: Das angebliche – aber nicht unumstrittene – „Original“ war wohl vom Einsturz des Archives im Jahr 2009 betroffen und ist noch nicht wieder aufgetaucht.

Am 3. März 2009 wurde das Historische Archiv in der Domstadt vollständig vernichtet, das Gebäude stürzte ein. Mit in die Tiefe gerissen wurden auch zwei benachbarte Gebäude. Dabei starben zwei Menschen. Und auch Urkunden gingen unwiederbringlich verloren.

Im Bestand des Archives war damals unter anderem auch die erwähnte Abschrift. Auf Anfrage teilte Dr. Plassmann dazu mit: „Die Urkunde von angeblich 1067 liegt als Abschrift des 18. Jahrhunderts im Historischen Archiv der Stadt Köln. Das Original ist vom Einsturz betroffen und konnte noch nicht wieder aufgefunden werden. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass es unter den noch nicht geordneten Urkunden zu finden ist und den Einsturz also überlebt hat. Eine Urkunde aus dem 12. Jahrhundert lagert im Historischen Archiv des Erzbistums Köln.“ Bei diesem zuletzt erwähnten Schriftstück handelt es sich nach Ansicht der Historikerin Dr. Brigitte Englisch, die aus Meinerzhagen stammt, sogar um das Original. Sie schreibt dazu in der Landeskundlichen Zeitschrift „Der Märker“ aus dem Jahr 1996, dass Meinerzhagen darin „im Kontext von Besitzungen St. Severins“ genannt wird.

Dr. Plassmann kommt kommt hingegen zu dem Fazit: „Soweit ich sehe, gibt es von der angeblichen Urkunde von 1067 also kein Original, sondern nur die Abschriften aus dem 12. und 18. Jahrhundert. Die Forschung geht in der Tat davon aus, dass es sich um Fälschungen handelt, was für das Jahr 1067 nicht ungewöhnlich wäre. Immerhin muss aber der Fälscher aus dem 12. Jahrhundert Meinerzhagen gekannt haben – und vielleicht gehörte der Zehnt (Anm. d. Red.: Traditionelle zehnprozentige Steuer an Kirche, König oder Grundherren) aus Meinerzhagen tatsächlich schon in den 1060er-Jahren zur Grundausstattung von St. Georg in Köln. Damit kann trotz Fälschung der Urkunde angenommen werden, dass Meinerzhagen schon im 11. Jahrhundert bestand. Für eine Jubiläumsfeier taugt diese Auskunft natürlich nicht.“

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