So reagiert die Deutsche Bahn

Güterverladestelle Krummenerl: Protest gegen drohende Schließung

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Schotterzüge könnten schon bald nicht mehr durchs Volmetal rollen.

Meinerzhagen - Die von der Deutschen Bahn geplante Aufgabe der Güterverladestelle Krummenerl stößt auf massiven Widerstand – nicht nur im politischen Raum, sondern auch bei der Stadt, der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer sowie der Bau- und Rohstoffindustrie. Die Bahn selbst zeigt sich von den Protesten jedoch unbeeindruckt.

Bereits kurz nach Bekanntwerden der Pläne hatte Raimo Benger das Ansinnen der Bahn im Rat kritisiert und Bürgermeister Jan Nesselrath nach Gegenmaßnahmen gefragt. Hintergrund: Benger ist nicht nur UWG-Fraktionschef, sondern auch Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bau- und Rohstoffindustrie (vero). Die Verladestelle Krummenerl wird für die Abwicklung von Schottertransporten aus dem benachbarten Steinbruch genutzt.

SIHK, Stadt und Verband formulieren Protestschreiben

Ende Mai verfassten SIHK, Stadt Meinerzhagen und vero einen Brief an den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Nordrhein-Westfalen mit der Bitte um Prüfung der veröffentlichten Pläne. In dem Schreiben, das der MZ vorliegt, erinnern die Verfasser an die aufwendige Sanierung der Strecke vor etwa fünf Jahren und an einen Widerspruch zu den „allgemein propagierten verkehrspolitischen Verlagerungszielen“, wie es heißt.

Grüne befürchten Belastung der Straßen

Ähnlich kritisch äußerten sich zuvor bereits die Meinerzhagener Grünen in einem separaten offenen Brief an Landrat und Bürgermeister. Sie befürchten Konsequenzen nicht zuletzt für die Straßen: „Die Stilllegung der Strecke für denGüterverkehr würde beim Transport von Schotter zusätzlich 5000 Lkw-Fahrten jährlich erforderlich machen“, schreiben Ortsverbandssprecher Karl Hardenacke und Fraktionsvorsitzender Ingolf Becker. „Ein 40-Tonner verursacht mehr als das 100 000-fache an Schäden verglichen mit einem Pkw“, schreiben die Grünen, die ebenfalls den Widerspruch zu bundespolitischen Strategien sehen sowie an die Sanierung der Strecke vor einigen Jahren erinnern.

Bahn sieht mangelnde Wirtschaftlichkeit

Allein: Allzu große Chancen räumt die Bahn der Verladestelle Krummenerl offenbar nicht mehr ein. Am Montag traf das Antwortschreiben aus Düsseldorf ein – und das klingt wenig zuversichtlich. Zwar solle eine endgültige Entscheidung über eine mögliche Bedienungsaufgabe durch die DB Cargo erst Ende Juni fallen, doch macht die Bahn bereits ein zu geringes und unbeständiges Mengenaufkommen in Krummenerl aus, „das den Aufwand einer Bedienung nicht rechtfertigt und zu Lasten der Robustheit im gesamten Bedienbereich geht.“ Im gesamten Jahr 2015 seien in Krummenerl 265 Wagen abgefertigt worden, was einem Aufkommen von etwa einem Wagen je Bedientag entspreche. Ziel sei es, den Kunden „alternative Bedienkonzepte“ anzubieten, etwa durch Ausweichen auf benachbarte Güterverkehrsstellen. Letztlich sei man jederzeit bereit, die infrage stehenden Verladestellen weiter zu bedienen – wenn „dies aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten für die DB Cargo akzeptabel ist und die Planmäßigkeit des Verkehraufkommens deutlich gesteigert werden kann“, heißt es.

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