Bundesjugendspiele – Freude oder Frust?

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Auch bei den Sprints über 50 beziehungsweise 75 Meter legten sich die Schüler mächtig ins Zeug

Meinerzhagen - 275 Sekundarschüler stellten sich am Dienstag einer alljährlich wiederkehrenden Herausforderung: Bei den Bundesjugendspielen mussten sie ihre sportliche Fitness unter Beweis stellen.

Nicht allen gelang das. Haben diejenigen, die nicht mit einer Urkunde belohnt wurden, nun etwa unter Versagensängsten zu leiden?

„Dafür gibt es keinen Grund“, nimmt Sportlehrer Klaus Buschmann den Druck von weniger sportlichen Kindern. Dass die wegen ihrer bisweilen mäßigen Leistungen in den drei Disziplinen Weitsprung, Sprint und Schlagball werfen beziehungsweise Kugel stoßen nun Selbstzweifel bekommen, sei nicht angebracht, fügt er hinzu.

„Bei der Vergabe der Schulnoten im Fach Sport fließen sportliche, personelle und soziale Kompetenzen mit ein. So muss zum Beispiel ein super Fußballer nicht automatisch eine eins bekommen. Geht er mit dem Ball am Fuß auf das gegnerische Tor zu und passt nicht zum mitgelaufenen und möglicherweise besser postierten Mitspieler, gibt das einen Abzug. Das gilt auch dann, wenn sich ein toller Sportler nach der Stunde regelmäßig vor dem Aufräumen drückt. Durch dieses Bewertungssystem haben alle Kinder die Möglichkeit, eine gute Note zu bekommen, denn jeder kann irgendwas. Und unsere Schule ist da breit aufgestellt, wir bieten verschiedenste Möglichkeiten an, Sport zu treiben.“

Buschmann findet die Bundesjugendspiele, bei denen die „reine“ Leistung zählt, allerdings gut. „Da hat dann auch der Lehrer keinen subjektiven Spielraum mehr, neun Sekunden beim Sprint sind halt neun Sekunden.“ Das sieht allerdings nicht jeder so. Vor einem Jahr hatte eine Mutter eine Online-Petition verfasst, in der sie die Abschaffung der Bundesjugendspiele forderte. Ihr Sohn hatte keine Urkunde bekommen – und er habe sehr darunter gelitten, so ihre Begründung.

„Ich tröste Schwächere nach den Wettkämpfen oft damit, dass es in der Schule für sie wieder ganz anders aussieht. Und selbst bei den Bundesjugendspielen haben diese Schüler ja die Möglichkeit, Leistung zu zeigen. Wir bieten heute beispielsweise gemischte Pendelstaffeln an, bei denen jeweils vier Jungen und vier Mädchen laufen und wo es eben nicht um die individuelle Leistung geht. Das gilt auch für das Tauziehen, das im Rahmenprogramm stattfindet und bei dem Lehrer gegen Schüler antreten“, erläutert Buschmann.

Am Dienstag jedenfalls – so der subjektive Eindruck – hatten alle Sekundarschüler Spaß an den Wettkämpfen. Das lag sicherlich auch daran, dass die Veranstaltung gut organisiert war. Dabei halfen neben den Lehrern 25 Realschüler der Klasse 9b, die auch den Sanitätsdienst im Stadion übernahmen. Und Mitglieder des Fördervereines versorgten Sportler und Zuschauer mit einem gesunden Imbiss und Saft.

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