Stockschlag an der Applauskurve L707

Kradfahrerin: „Meine Beine waren wie aus Gummi“

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Brennpunkt „Applauskurve“: Die 24-jährige Oberhausenerin, die im Scheitelpunkt der Kurve geschlagen wurde, befuhr die Strecke nach eigener Aussage am Sonntag zum ersten (und vermutlich letzten) Mal.

Meinerzhagen - Der Stockschlag gegen eine Motorradfahrerin auf der Landesstraße 707 an der Nordhelle sorgt nicht nur in der Motorrad-Szene für Aufsehen. In den einschlägigen Online-Foren und Netzwerken wird seit der Veröffentlichung eines Facebook-Videos sowie der Berichterstattung auf come-on.de heftig über den Vorfall diskutiert.

Jetzt meldet sich auch die betroffene Kradfahrerin zu Wort. Im Gespräch mit der Redaktion erinnert sich die 24-Jährige an die Vorfälle des vergangenen Sonntags auf Höhe der „Applauskurve“.

Etwa 80 Zuschauer an der Kurve

„Ich bin diese Strecke zum ersten Mal gefahren“, sagt Georgina Richter, die von dem Menschenauflauf allerdings überrascht war. Etwa 80 Zuschauer hätten sich an der Kurve eingefunden, um die vorbeifahrenden Zweiradfahrer zu fotografieren, zu filmen oder zu bejubeln. „Ich war überrascht, wie voll es an dieser Stelle war.“ 

Motorradfahrerin sei besonders vorsichtig gefahren

Zwar kenne sie aus den sogenannten Müllermilch-Kurven bei Velbert ähnlich frequentierte Streckenabschnitte, „aber da sind maximal 15 Leute“. Daher sei sie dieses Mal auch besonders vorsichtig gefahren, „denn vor so einer Menge will man sich nur ungern hinlegen“, sagt Richter.

Gemütliche Ausfahrt durchs Sauerland

Eigentlich habe man sich für den Tag eine gemütliche Ausfahrt durchs Sauerland vorgenommen. Über die A 45 nach Meinerzhagen, dort der – in der Szene durchaus bekannten – Nordhelle einen Besuch abstatten und dann über Herscheid und Lüdenscheid zurück ins Ruhrgebiet. „Ich war definitiv nicht zu schnell unterwegs, aber ich frage mich auch, warum man an dieser unübersichtlichen Stelle über die Straße gehen will“, erinnert sich Georgina Richter an die Situation am Sonntagnachmittag, als sie bergab fuhr.

„Plötzlich merkte ich einen Schlag und wollte schon bremsen. Zum Glück habe ich einige Fahrsicherheitstrainings absolviert: Bremsen in der Kurve kann tödlich enden“, sagt die 24-Jährige, die ihre Maschine aufgrund dessen nur schwer zum Stehen bringen kann, wie sie erzählt.

Aufgeheizte Stimmung

„Dann fingen die Probleme erst an. Meine Beine waren wie aus Gummi, ich habe das Motorrad ohne Hilfe meiner Begleiter gar nicht abstellen können“, erinnert sich die Oberhausenerin, die sich anschließend sofort auf den Weg zum mutmaßlichen Täter machte. „Da standen schon viele Motorradfahrer und Zuschauer bei ihm und es war eine sehr aufgeheizte Stimmung. Als sie dann auch noch sahen, dass der eine Frau getroffen hat, war es erst Recht hitzig.“ Zur Rede gestellt, habe der 47-jährige Lüdenscheider lediglich gesagt, dass „ja nichts passiert“ sei. „Er wollte auch abhauen, aber das haben etwa 30 Leute verhindert, indem sie sich vor das Auto stellten bis die Polizei kam.“

An Weiterfahren sei nicht zu denken gewesen

Das Hämatom wird schnell vergessen sein, mental werde sie aber noch lange an den Zwischenfall denken. „Ich bin eigentlich jemand, den nichts so schnell umwirft. Aber an Weiterfahren war an diesem Tag nicht mehr zu denken“, berichtete die Oberhausenerin, die mit drei männlichen Begleitern unterwegs war. Nun spüre sie eine große Solidarität unter den Motorrad-Kollegen, habe aber auch damit zu kämpfen, ernst genommen zu werden. „Viele, denen ich das erzähle, schütteln nur mit dem Kopf, lachen und können die Geschichte nicht glauben.“

Zu den Beschwerden über rasende Motorradfahrer in diesem Bereich könne sie indes nichts sagen. „Ich war an diesem Tag zum ersten Mal dort – und ein zweites Mal wird es wohl nicht geben.“

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