Dreifache Mutter aus Rumänien nutzte Hilfsbereitschaft einer Meinerzhagenerin aus

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Meinerzhagen - Offenbar durch einen Auftraggeber unter Druck gesetzt und sich dadurch in einer verzweifelten Lage befindlich, nutzte eine dreifache Mutter aus Rumänien die Hilfsbereitschaft einer 77-jährigen Meinerzhagenerin aus. Am Dienstag musste sich die Frau im Amtsgericht Meinerzhagen verantworten.

Am 30. September vergangenen Jahres begab sich die Angeklagte in eine ruhige Wohngegend in Meinerzhagen. Dort bat sie eine Anwohnerin um etwas Wasser. Gutgläubig nahm die Rentnerin die Frau mit in die Küche. Nach dem ersten Glas habe sie noch eines gewollt, erklärte die 77-Jährige am Dienstag im Zeugenstand: „Beim dritten Glas bin ich stutzig geworden.“

Dann habe sie im ersten Stock ein Geräusch gehört. Die Besucherin habe daraufhin telefoniert. „Ich habe sie am Arm genommen und raus geführt“, berichtete die 77-Jährige. Dann sei sie nach oben gegangen, wo sie eine zweite Frau entdeckt habe. Diese sei schnell geflohen und habe sich beim Überwinden einer Mauer verletzt.

Die Diebestour hatte sich gelohnt: Wertvoller Schmuck und etwa 80 Euro Bargeld verschwanden mit der Frau. Laut Vorwurf hatte das Duo die Tat genau geplant. Die Angeklagte sollte die Rentnerin ablenken, während die Mittäterin unbemerkt ins Haus gelangen und Schränke sowie Schubläden durchwühlen sollte. Das stritt die Angeklagte jedoch ab. „Ich war da und habe nach einem Glas Wasser gefragt. Mehr habe ich nicht getan“, übersetzte der Dolmetscher die Aussage der Angeklagten.

Täterin sei einfach in den Zug gestiegen

Dass eine zweite Frau im Haus war, habe sie nicht gewusst. Sie kenne die andere auch gar nicht. Das kam dem Richter komisch vor, da die Angeklagte schon einmal mit der besagten Frau angetroffen worden war. Plötzlich kannte die Angeklagte sie dann doch. Und noch etwas brachte den Richter ins Grübeln: „Wie kommen Sie auf Meinerzhagen?“, fragte er die in Duisburg wohnende Frau. Sie sei einfach in einen Zug gestiegen. Wohin dieser gefahren sei, habe sie nicht gewusst: „Ich kann nicht lesen und schreiben.“ Trotzdem konnte sie auf Nachfrage sagen, dass der Zug über Köln gefahren war.

Aus den Akten ergab sich, dass die Angeklagte die Geschädigte zunächst um eine Spende gebeten hatte. Zwei Euro soll die Rentnerin der Frau gegeben haben. Wenn man Spenden sammelt, dann suche man sich dafür eher Orte mit vielen Menschen aus. Das sei in der Wohnsiedlung in Meinerzhagen nicht der Fall, brachte der Richter an. Daher vermutete er, dass die Frauen darauf setzten, dass ihre Tricks in kleineren Ortschaften noch nicht bekannt waren.

Bewährungsstrafe für dreifache Mutter aus Rumänien

Gemäß Paragraf 257c der Strafprozessordnung stellte er der Angeklagten im Falle eines Geständnisses eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten in Aussicht. Nach eine Verhandlungspause gab die 22-Jährige die Tat schließlich zu. Als Auflage muss sie mit einem Bewährungshelfer zusammenarbeiten, für die Dauer von drei Jahren ein straffreies Leben führen und jeden Wohnungswechsel dem Gericht melden. In der Urteilsbegründung zeigte sich der Richter davon überzeugt, dass die Tat organisiert wurde und andere als die Angeklagte davon profitieren.

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