Schmerzhaftes Ende einer Feier landet vor Gericht

Meinerzhagen - Das schmerzhafte Ende einer großen Feier in Meinerzhagen beschäftigte am Dienstag den Richter am hiesigen Amtsgericht. Gleich neun Zeugen wurden gehört. Auf der Anklagebank: ein 19-jähriger Mann aus Kierspe. Der verließ den Sitzungssaal mit der Auflage, 1000 Euro an Ärzte ohne Grenzen zu zahlen.

In der Nacht auf den 14. Mai hatte der Angeklagte mit Boxerfahrung einem Attendorner einen derart heftigen Faustschlag gegen den Kopf verpasst, dass der Getroffene umgehend bewusstlos wurde. Zudem trug er ein gebrochenes Schlüsselbein und einen angebrochenen Jochbogen davon. 

Der Angeklagte gab den Schlag am Dienstag sofort zu. Er sei mit Freunden auf dem Heimweg gewesen, als irgendjemand gegen ein Auto getreten habe. Offensichtlich in der Annahme, der Angeklagte sei der Täter gewesen, habe ihn der Geschädigte angesprochen und beleidigt. „Er hat mich geschubst und ich habe ihm einen verpasst. Ich habe blöd reagiert“, gab der 19-Jährige zu. Er selbst sei abgehauen, um weiteren Ärger zu vermeiden. „Ich wollte ihn nicht verletzen“, so der Kiersper.

Der Geschädigte gab an, ebenfalls auf dem Weg nach Hause gewesen zu sein. Der Angeklagte und dessen Freunde hätten sich mit einer anderen Gruppe im Streit befunden. Da er ein bekanntes Gesicht gesehen habe, sei er dort hingegangen. „In dem Moment kam sofort der Schlag von der Seite“, gab der 19-Jährige an. Danach sei er bewusstlos geworden. Geschubst habe er den Angeklagten jedenfalls nicht. Bis heute habe er Schmerzen und könne nicht arbeiten. 

Im Laufe der Zeugenvernehmungen wurde schnell deutlich, wer zu wessen Lager gehörte. So bestätigten sämtliche Freunde des Angeklagten, dass es der Geschädigte gewesen sei, der aggressiv auf den Kiersper zugegangen sei. Einige gaben an, der Geschädigte habe zum Schlag gegen den Angeklagten angesetzt. Begleiter des Geschädigten erklärten hingegen übereinstimmend, dass es vor dem Schlag einen Streit zwischen der Gruppe des Angeklagten und weiteren Männern gegeben habe. Der Attendorner sei dazwischengegangen. Dann habe der Kiersper zugeschlagen. Einen Schubser des Geschädigten habe es vorher nicht gegeben. 

Situation „jugendtypisch“

Als „uneinheitlich je nach Zugehörigkeit“ bezeichnete der Richter die Anhörung der Zeugen. Dass sich der Angeklagte aufgrund eines bevorstehenden Angriffs des Geschädigten in einer Notwehrlage befunden hatte, sah der Vorsitzende nicht. Er glaubte dem Kiersper aber, dass dieser sein Gegenüber nicht so schwer verletzen wollte. Bislang hatte sich der Mann strafrechtlich nichts zu Schulden kommen lassen. 

Der Staatsanwalt sprach sich für Jugendstrafrecht und eine Geldauflage von 2000 Euro aus. Die Situation sei jugendtypisch gewesen, erklärte der Richter schließlich und entschied sich denn auch für das Jugendstrafrecht und für eine Geldauflage von 1000 Euro an Ärzte ohne Grenzen. Zudem muss der 19-Jährige damit rechnen, dass die Krankenkasse Geld für die Behandlung des Attendorners einfordert.

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