Rönsahlerin auf den Spuren der Wikinger und Jakobspilger

+
Wohlbehalten und mit vielen Eindrücken zurück ist Ylva Simon nach ihrer Wandertour auf dem Ochsenweg.

Kierspe - Ganz unterschiedlich können die Möglichkeiten zum Abschalten vom alltäglichen Stress und zum Sammeln frischer Kraft sein, die sich während der Sommerferien bieten. Eine besondere hat Ylva Simon für sich entdeckt.

Während es viele in die touristischen Zentren des sonnigen Südens zieht, andere hingegen eher die heimische Umgebung zu schätzen wissen, finden wiederum andere Ruhe und Entspannung in der Stille der Natur oder auf jeden Fall zumindest ein Stück weit abseits vom allgemeinen touristischen Trubel.

Zu Letzteren zählt auch Ylva Simon aus Rönsahl, im Berufsleben als Gruppenleiterin in den Märkischen Werkstätten tätig. Ihre Arbeit, die ihr grundsätzlich liege, mache von Zeit zu Zeit ein Ausspannen erforderlich, wie die Mittvierzigerin im Gespräch mit der MZ erklärt.

Sie ist sichtlich froh darüber, für sich einen ganz speziellen Weg zum Abschalten und zum Sammeln neuer Kräfte gefunden zu haben, wie sie augenzwinkernd betont. Bereits seit mehreren Jahren nutzt die Rönsahlerin einen Teil ihrer Urlaubszeit, um zu sich selbst zu finden. Das gehe am Besten allein – auch ohne ihren Lebenspartner, der im gleichen beruflichen Metier tätig ist und zusätzlich im Bergischen eine kleine Landwirtschaft betreibt und von daher gebunden ist.

Ein wenig abseits des Massentourismus gelegen und dennoch von Wanderern gern genutzt ist der sogenannte Ochsenweg mit verschiedenen Abzweigungen in Schleswig-Holstein.

Jeweils für die Dauer von knapp zwei Wochen geht Ylva Simon auf Wanderschaft. Bevorzugte Wanderstrecken sind dabei die sogenannten Pilger- oder auch Jakobswege. Strecken also, die nur wenig belastet sind vom lauten Alltagstrubel und gut dazu geeignet, um sich zu entspannen. So war im Vorjahr der Nord-Ostsee-Kanalweg an der Reihe. Im Jahr davor ging es auf dem Westfalenweg von Osnabrück bis Wuppertal-Beyenburg.

Diesmal nahm Ylva Simon den sogenannten Ochsenweg, der – als historischer Landweg von Dänemark kommend – von Wedel bis Flensburg führt und als ältester Fernwanderweg Schleswig-Holsteins gilt. Er war für die kulturelle wie wirtschaftliche Entwicklung des norddeutschen Bundeslandes von großer Bedeutung. Sein Ursprung geht bereits auf die Bronzezeit zurück.

Als alter Landweg bereits von den Wikingern, und als Teil des Jakobswegs später von Pilgern, die von Dänemark nach Nordspanien unterwegs waren, sowie von Reisenden mancherlei Couleur genutzt, verdankt der Ochsenweg seinen Namen der Tatsache, dass noch weit bis ins 19. Jahrhundert hinein über seine Trassen der Viehtrieb erfolgte. Die Rinder aus Jütland und den dänischen Inseln wurden in die Mastgebiete an der Westküste Schleswig-Holsteins und Ost- und Westfrieslands getrieben und später auf den norddeutschen Märkten verkauft.

Wanderung von Wedel nach Flensburg

All das kam der Rönsahlerin in den Sinn auf ihrer zehntägigen Wanderung auf dem Ochsenweg, die in Wedel begann und auf der so genannten Ostroute über rund 220 Kilometer über Neumünster bis nach Flensburg führte und in der Vorwoche zu Ende ging. Bei einer Tagesstrecke von jeweils 20 bis 30 Kilometern und einem wegen Dauerregens eingelegten Ruhetag kam die Übernachtung in einer Pension oder einem preiswerten Hotel jeweils recht. Unterwegs, so auch bei einem Abstecher ins Städtchen nach Schleswig an der Schlei, gab es reichlich Gelegenheit, die Schönheiten der Landschaft zu genießen und zu relaxen.

„Viele sonnige Abschnitte, manchmal ging es den ganzen Tag lang nur durch Feld und Wald, ohne dass ich dabei einem Mitwanderer begegnet wäre, ließen diese Wanderung zu einem besonderen Erlebnis werden. Das weckt den Wunsch nach einer Fortsetzung im nächsten Jahr. Doch jetzt geht’s zunächst einmal unter die Dusche, und danach freue ich mit auf einen entspannten Abend zuhause.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare